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Alexander Stubb bei einem Empfang in Tallinn am 27. Mai 2024
Alexander Stubb in Tallinn, 27. Mai 2024. Archivfoto, keine Aufnahme des Telefonats. Foto: Jaan Kynnap / Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Datei unverändert.
Internationale PolitikAnalyse11:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Stubb und Støre rufen Putin an – ohne Mandat für ganz Europa

Finnland und Norwegen haben das Gespräch mit Russlands Präsidenten selbst angestossen. Kiew bestätigt die Abstimmung, doch aus dem Kontakt folgt weder ein europäisches Mandat noch ein Friedensabkommen.

Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre haben am Dienstag, 27. Oktober 2026, mit Wladimir Putin telefoniert. Beide Regierungen bestätigen, dass sie das Gespräch aus Helsinki führten und selbst initiierten. Damit ist nicht bloss ein möglicher Kontakt angekündigt: Das Telefonat hat stattgefunden. Die Darstellung, Putin habe die beiden nordischen Länder um ein Gespräch ersucht, wird von diesen Mitteilungen nicht gestützt.

Das Ziel war nach ihrer Darstellung, Botschaften zu künftigen Verhandlungen über Russlands Krieg gegen die Ukraine direkt zu übermitteln. Der Kontakt steht im Zusammenhang mit geplanten Gesprächen in Abu Dhabi. Eine Einigung über einen Waffenstillstand oder einen Friedensvertrag melden die geprüften Mitteilungen nicht.

Kiew war beteiligt – Europa nicht pauschal vertreten

Eine zentrale Abgrenzung nehmen Finnland und Norwegen selbst vor: Stubb und Støre handelten als Staats- beziehungsweise Regierungschef ihrer Länder, nicht im Namen ganz Europas. Ein direkter Zugang zum Kreml ist deshalb nicht mit einem Verhandlungsmandat anderer europäischer Staaten gleichzusetzen.

Das ist keine blosse Protokollfrage. Wer später Sicherheitsgarantien, finanzielle Zusagen oder politische Verpflichtungen weiterer Staaten besprechen will, braucht deren Zustimmung. Zwei Regierungsvertreter können Botschaften weitergeben, ohne dadurch die Zuständigkeit für alle betroffenen Fragen zu erhalten.

Die ukrainische Präsidialverwaltung bestätigt einen anschliessenden Austausch Wolodimir Selenskis mit den beiden Politikern. Selenski dankte ihnen für die Unterstützung der ukrainischen Diplomatie. Seiner Darstellung zufolge hatten sie gegenüber Putin konkrete Schritte zur Deeskalation bei Energieversorgung und Infrastruktur verlangt. Das belegt die ukrainische Einbindung; es beweist keine russische Zustimmung zu diesen Forderungen.

Aus Oslo wird ein direkter Gesprächskanal

Die neue Entwicklung geht über die bisherigen Ankündigungen einer weiteren Verhandlungsrunde hinaus. Am 20. Oktober hatten Stubb und Støre in Oslo mit Selenski beraten. Das finnische Präsidialamt hatte dafür auch die Teilnahme der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner angekündigt. Das Telefonat eine Woche später stellt nun einen unmittelbaren Kontakt der beiden nordischen Spitzenpolitiker mit dem russischen Präsidenten her.

Die Reihenfolge ist wichtig: Abstimmung unter Partnern, direkte Botschaft an Moskau, anschliessende Rücksprache mit Kiew. Daraus lässt sich ein diplomatischer Arbeitsgang erkennen. Ob er unterschiedliche Positionen tatsächlich annähert, lässt sich an der Anzahl solcher Kontakte allein nicht messen.

Auch der angekündigte Novembertermin bleibt vom Ergebnis zu trennen. Die ukrainische Mitteilung spricht von der Vorbereitung einer dreiseitigen Begegnung ukrainischer, amerikanischer und russischer Teams. Sie ist keine vollständige Teilnehmerliste und kein gemeinsam veröffentlichter Verhandlungstext.

Jonas Gahr Støre auf einer Archivaufnahme vom 16. Februar 2016
Jonas Gahr Støre, 16. Februar 2016. Archivporträt, keine Aufnahme der aktuellen Gespräche. Foto: Sondre Steen Holvik / NTB scanpix Produksjon für Kommunesektorens organisasjon, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0; verwendete Datei unverändert.

Nachbarn Russlands, Unterstützer der Ukraine

Finnland und Norwegen verweisen auf ihre gemeinsame Grenze mit Russland und ihr Interesse an Stabilität im Ostseeraum und im hohen Norden. Sicherheit in diesen Regionen ist damit ein ausdrücklich genannter Gesprächsgegenstand. Sie ist nicht automatisch identisch mit einem umfassenden europäischen Friedensplan.

Die beiden Regierungen betonen zugleich, dass sie ihre Unterstützung für die Ukraine fortsetzen. Das Telefonat ist nach dieser Erklärung kein Wechsel zur politischen Gleichdistanz. Finnland gehört seit dem 4. April 2023 der NATO an. Der direkte Gesprächskanal hebt seine Bündniszugehörigkeit nicht auf.

Für die Bewertung ist daher zwischen Kontakt und Zugeständnis zu unterscheiden. Ein Gespräch kann Missverständnisse klären und Forderungen übermitteln. Ob daraus überprüfbare Veränderungen entstehen, zeigt sich erst an Handlungen oder vereinbarten Verpflichtungen, nicht am Zustandekommen einer Verbindung.

Was der Kontakt für die Schweizer Rolle bedeutet

Die Schweizer Guten Dienste beruhen nach Darstellung des EDA auf der Zusammenarbeit mit den Konfliktparteien. Die Schweiz kann selbst vermitteln, Dialog unterstützen oder Fachwissen für Prozesse anderer bereitstellen. Eine solche Rolle entsteht nicht automatisch aus Neutralität oder aus einem verfügbaren Tagungsort.

Entsprechend belegt der nordische Anruf weder eine Verdrängung der Schweiz noch ein neues Schweizer Mandat. In den geprüften Mitteilungen ist für Bern keine konkrete Aufgabe bei diesem Telefonat genannt. Eine seriöse Schweizer Einordnung muss diese Grenze sichtbar lassen.

Der nächste belastbare Fortschritt wäre eine nachvollziehbare Verpflichtung: Wer stellt welche Angriffe ein, wer überprüft dies und welche Folgen hat ein Verstoss? Bis solche Antworten vorliegen, ist das bestätigte Telefonat ein neuer diplomatischer Schritt – aber noch kein Nachweis, dass der Frieden näher gerückt ist.

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