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Abendliche Skyline von Abu Dhabi entlang der Corniche, aufgenommen im Februar 2019.
Abu Dhabi, Februar 2019. Archivbild des angekündigten Gesprächsorts; keine Aufnahme der geplanten Verhandlungen. Foto: Tetraeder / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, unverändert.
Internationale PolitikAnalyse18:30 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi: Drei Seiten planen, Europas Rolle bleibt offen

Selenski nennt die erste Novemberhälfte für Verhandlungen auf Teamebene. Auch der Kreml stellt ein Dreierformat in Aussicht. Ein Gipfel und verbindliche Sicherheitsgarantien sind damit nicht vereinbart.

Für die erste Hälfte des Novembers 2026 zeichnet sich eine neue Runde von Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi ab. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte am 23. Oktober bei einer per Video übertragenen Veranstaltung des Hudson Institute laut Reuters, die drei Seiten hätten sich auf ein Treffen auf technischer Ebene verständigt. Er hoffe, dass danach ein Treffen der Staatschefs folge.

Auch der Kreml nannte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu die erste Novemberhälfte und Abu Dhabi. Sprecher Dmitri Peskow beschrieb das zunächst vorgesehene Format ausdrücklich als trilateral. Das ist eine neue Konkretisierung nach den Kontakten in Oslo und St. Petersburg. Ein gemeinsamer Friedensentwurf, ein genauer Sitzungstag und bestätigte Delegationsleitungen gehen aus den geprüften Angaben jedoch nicht hervor. Das Weisse Haus äusserte sich laut der aktualisierten Reuters-Meldung zunächst nicht zu den Plänen.

Ein Teamtreffen ist noch kein Gipfel

Selenski berichtete Reuters zufolge von einem Gespräch mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach deren Kontakten mit Wladimir Putin. Seine Erwartung an eine anschliessende Begegnung der Staatschefs ist politisch bedeutsam, aber von der Vereinbarung über Fachgespräche zu unterscheiden. Ein Vorbereitungstreffen kann offene Punkte ordnen, ohne sie bereits auf höchster Ebene zu entscheiden.

Auch das Zeitfenster ist kein garantierter Ablauf. Selenski verwies nach dem Agenturbericht darauf, dass ein zuvor erwartetes Treffen nicht zustande gekommen sei und viel von Russland abhänge. Das ist die Einschätzung der ukrainischen Seite. Aus einer Terminankündigung folgt jedenfalls weder, dass die Verhandlungen tatsächlich beginnen, noch dass sie mit einem Ergebnis enden.

Europas Platz am Tisch ist nicht geklärt

Beim Format liegt ein zentraler Unterschied zwischen den Positionen. Nach Anadolu sagte Peskow, eine europäische Beteiligung lasse sich grundsätzlich nicht ausschliessen. Die jetzt diskutierte erste Runde solle aber aus Russland, der Ukraine und den USA bestehen. Selenski betonte laut Reuters seinerseits, Europa müsse ebenfalls einbezogen werden. Diese Aussagen ergeben noch keine gemeinsame Einladungsliste.

Die europäische Position geht über den Wunsch nach einem Stuhl am Tisch hinaus. In ihren Schlussfolgerungen vom 16. Oktober erklärten die EU-Staats- und Regierungschefs, die Union werde über Angelegenheiten entscheiden, die in ihre Zuständigkeit fallen oder ihre Sicherheit betreffen. Sie bekräftigten ihre Unterstützung für einen gerechten und dauerhaften Frieden auf Grundlage der UNO-Charta sowie für robuste Sicherheitsgarantien zugunsten der Ukraine.

Damit benennen die EU-Regierungen einen sachlichen Anspruch auf Mitwirkung. Wer Verpflichtungen Europas erwartet, kann deren Zustimmung nicht aus der Teilnahme anderer Akteure ableiten. Umgekehrt bedeutet eine erste Dreierbesprechung nicht, dass sämtliche späteren Beratungen zwingend auf denselben Kreis beschränkt bleiben. Entscheidend ist, welche Fragen in welchem Format tatsächlich verhandelt werden.

Sicherheitsgarantien brauchen konkrete Verpflichtungen

Selenski verlangte nach dem Reuters-Bericht starke Sicherheitsgarantien und eine Finanzierung der ukrainischen Armee über zehn Jahre. Das ist eine ukrainische Forderung, keine zugesagte Finanzierung. Peskow stellte laut Anadolu hingegen die Sicherheit Russlands und der Ukraine nach einem Frieden in den Mittelpunkt. Die ähnlichen Begriffe verdecken somit möglicherweise sehr unterschiedliche Erwartungen.

Für die Beurteilung eines Ergebnisses müsste klar sein, wer sich wozu verpflichtet, für welchen Zeitraum und mit welchen Folgen bei einem Verstoss. Ebenso wäre zwischen einer befristeten Begrenzung bestimmter Angriffe, einem umfassenden Waffenstillstand und einem Friedensvertrag zu unterscheiden. In den geprüften Ankündigungen ist keiner dieser Schritte als bereits abgeschlossen belegt.

Seeseitige Ansicht des Palais des Nations in Genf, fotografiert im Juni 2016.
Palais des Nations in Genf, Juni 2016. Archivbild zur internationalen Diplomatie; es zeigt weder die Ukraine-Gespräche vom Februar noch den Ort der geplanten Novemberrunde. Foto: Alwaysthinkwisely / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, unverändert.

Was die Schweizer Erfahrung zeigt

Die Schweiz stellte bereits einen Rahmen für trilaterale Gespräche bereit. Das EDA hält fest, dass Bundesrat Ignazio Cassis die Delegationen der USA, der Ukraine und Russlands am 17. Februar 2026 in Genf empfing und die Gespräche eröffnete. Die Schweiz habe die Voraussetzungen für den Dialog geschaffen, sei aber nicht Teil der inhaltlichen Verhandlungen gewesen.

Diese Unterscheidung bleibt auch für Abu Dhabi wichtig. Der Ort einer Sitzung sagt für sich allein nichts über ein Mandat des Gastlands oder die Zustimmung weiterer Staaten. Ein Schweizer Platz in der angekündigten Novemberrunde ist in den geprüften Quellen nicht ausgewiesen. Aus dem Wechsel des Gesprächsorts lässt sich daher weder ein diplomatischer Sieg noch ein Scheitern der Schweizer Guten Dienste ableiten.

Der nächste belastbare Fortschritt wäre mehr als ein neues Datum: eine bestätigte Zusammensetzung, nachvollziehbare Zuständigkeiten und überprüfbare Verpflichtungen. Bis dahin ist Abu Dhabi ein angekündigter Verhandlungsschritt – noch keine Entlastung für die Menschen im Kriegsgebiet.

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