
Was eine demokratische Kongressmehrheit Trump erschweren würde
Das Weisse Haus bereitet sich laut Reuters auf einen möglichen Machtverlust im Kongress vor. Gesetze, Personalentscheide und Untersuchungen folgen unterschiedlichen Regeln.
Donald Trumps Regierung bereitet sich laut Reuters auf einen möglichen Verlust der republikanischen Kongressmehrheiten vor. Mitarbeiter des Weissen Hauses prüfen demnach seit Monaten, welche Vorhaben der Präsident ohne neue Gesetze weiterverfolgen könnte. Dazu gehören Einwanderungsregeln und Zölle. Zugleich bereiten sich Regierungsjuristen auf parlamentarische Untersuchungen vor.
Ob dieses Szenario eintritt, entscheiden die Wählerinnen und Wähler am Dienstag, 3. November 2026. Zur Wahl stehen alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und 35 Senatssitze einschliesslich Sonderwahlen. Eine neue Mehrheit wäre ein Machtgewinn für die Opposition. Sie würde den Präsidenten aber nicht automatisch seines Amtes oder seiner bisherigen Befugnisse berauben.
Schon eine Kammer kann neue Gesetze stoppen
Für ein Bundesgesetz müssen Repräsentantenhaus und Senat denselben Text verabschieden. Danach gelangt er an den Präsidenten. So beschreibt das Repräsentantenhaus den Gesetzgebungsweg. Kontrollieren die Demokraten künftig nur eine Kammer, können sie dort Vorhaben aufhalten, für die Trump eine neue gesetzliche Grundlage braucht.
Die Blockademöglichkeit funktioniert auch umgekehrt. Ein demokratischer Gesetzesentwurf kommt nicht allein deshalb durch den Kongress, weil er im Repräsentantenhaus eine Mehrheit findet. Er braucht ebenfalls die Zustimmung des Senats. Und Trump könnte einen verabschiedeten Text mit seinem Veto zurückweisen.
Um dieses Veto zu überstimmen, wären in beiden Kammern Zweidrittelmehrheiten nötig. Eine knappe demokratische Mehrheit wäre dafür nicht ausreichend. Der politische Unterschied zwischen einem Vorhaben zu widersprechen und selbst eine dauerhafte neue Regel durchzusetzen ist entsprechend gross.
Im Senat zählt nicht nur die einfache Mehrheit
Für viele Gesetzesvorhaben kommt eine weitere Hürde hinzu. Mit einem Filibuster können Senatoren die Beratung verlängern und eine Abstimmung verzögern oder verhindern. Zur Beendigung der Debatte sind nach der üblichen Regel drei Fünftel der gewählten und vereidigten Senatoren nötig, bei vollständiger Besetzung also 60 Stimmen. Diese Schwelle ist von der anschliessenden Abstimmung über den Inhalt zu unterscheiden.
Eine Partei mit einer schmalen Mehrheit müsste damit bei vielen Vorlagen Stimmen der Gegenseite gewinnen. Die Regeln gelten allerdings nicht unterschiedslos für jedes Verfahren. Die Zahl von 60 Stimmen ist insbesondere kein allgemeines Quorum für sämtliche Entscheidungen des Senats.
Bei wichtigen Ernennungen liegt die Zuständigkeit beim Senat. Die Verfassung verlangt seine Zustimmung etwa für Bundesrichter und zahlreiche hohe Regierungsämter. Eine demokratische Senatsmehrheit könnte solche Kandidaturen deshalb aufhalten. Eine Mehrheit allein im Repräsentantenhaus hätte diese Befugnis nicht. Auch ein möglicher Sitz am Supreme Court würde nicht vom Repräsentantenhaus besetzt.

Auch eine Amtsenthebung hätte höhere Hürden als einen gewöhnlichen Mehrheitsentscheid. Das Repräsentantenhaus kann ein Impeachment, also die verfassungsrechtliche Anklage, beschliessen. Über eine Verurteilung entscheidet der Senat; dort wären zwei Drittel der anwesenden Mitglieder nötig. Selbst eine Mehrheit in beiden Kammern bedeutete somit noch nicht, dass die Demokraten den Präsidenten aus dem Amt entfernen könnten. Der Kongress ersetzt die Regierung nicht wie bei einem parlamentarischen Misstrauensvotum.
Trump sucht Spielraum innerhalb bestehender Befugnisse
Reuters stützt seinen Bericht auf einen Mitarbeiter des Weissen Hauses und zwei mit den Vorbereitungen vertraute Personen. Geprüft würden unter anderem neue Zölle auf kritische Mineralien und Windturbinen. Haushaltsdirektor Russell Vought untersuche zudem, welche Vorhaben mit bereits vom Kongress bewilligten Mitteln umgesetzt werden könnten. Das sind beschriebene Planungen, keine bereits verkündeten neuen Einfuhrabgaben.
Die Verfassung bindet Auszahlungen aus der Staatskasse an gesetzliche Bewilligungen. Eine Regierung kann eine fehlende Mittelbewilligung daher nicht einfach durch eine präsidiale Anordnung ersetzen. Wie weit bestehende Ermächtigungen reichen, kann seinerseits Gegenstand von Gerichtsverfahren werden.
Zusätzlichen Druck könnte die parlamentarische Kontrolle erzeugen. Reuters berichtet, Juristen des Weissen Hauses hätten Amtsträger bereits zum Umgang mit Vorladungen und Dokumentenforderungen beraten. Die Sprecherin Lauren Bis widersprach gegenüber der Agentur der Erwartung republikanischer Verluste und verwies auf die Arbeit der Regierung.
Ein Wahlergebnis ändert die Zusammensetzung des Kongresses nicht über Nacht. Nach dem 20. Verfassungszusatz beginnen die neuen Amtszeiten der Abgeordneten und Senatoren am 3. Januar. Erst dann würde aus einem demokratischen Wahlerfolg die neue parlamentarische Macht für 2027.
Quellen
- National Archives: US-Verfassung, Gesetzgebung, Haushalts- und Ernennungsbefugnisse
- National Archives: 20. Verfassungszusatz, Beginn der Amtszeiten
- US-Repräsentantenhaus: Gesetzesvorlagen beim Präsidenten
- Cornell University, Legal Information Institute: Cloture und Ausnahmen
- US Postal Service: Wahltermin und zur Wahl stehende Sitze 2026
- Reuters: Vorbereitungen des Weissen Hauses, 1. November 2026
- Titelbild: USCapitol, F. Malotaux, Bearbeitung Zarex
- Titelbild-Lizenz: CC BY-SA 2.5
- Artikelbild: White House 04, Ad Meskens
- Artikelbild-Lizenz: CC BY-SA 3.0


