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Gebäude des Bundesamts für Statistik in Neuchâtel, Archivaufnahme von 2021
Bundesamt für Statistik in Neuchâtel, Archivaufnahme 2021. Hadi / Wikimedia Commons, CC0 1.0; unveränderte Datei.
GesundheitAnalyse22:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

BFS-Daten: Gesundheitskosten stiegen stärker als Bruttoprämien

Von 2019 bis 2024 nahmen die monatlichen Bruttokosten pro versicherte Person um rund 18,5 Prozent zu, die Bruttoprämien um 13,6 Prozent. Was die neue Zeitreihe erklärt – und was nicht.

Die Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sind zwischen 2019 und 2024 stärker gestiegen als die Bruttoprämien pro versicherte Person. Das zeigt eine Auswertung der am 26. Oktober 2026 publizierten BFS-Tabelle. Im Schweizer Durchschnitt erhöhten sich die monatlichen Bruttokosten von 326,84 auf 387,30 Franken, also um rund 18,5 Prozent. Die Bruttoprämie stieg von 315,29 auf 358,13 Franken, um 13,6 Prozent.

Die Rechnung vergleicht im Datensatz jeweils die Gesamtheit aller Kantone, Altersgruppen, Geschlechter und Staatsangehörigkeiten. Sie zeigt eine Entwicklung bis 2024, keine aktuelle Offerte für eine Familie. Gerade diese Abgrenzung ist wichtig: Kosten einer Behandlung, Rechnungen an Versicherte und öffentliche Entlastungen sind unterschiedliche Geldströme.

Vier Beträge, vier verschiedene Aussagen

Die Bruttokosten umfassen in der Tabelle die erfassten Behandlungskosten vor Abzug der Kostenbeteiligung. Für 2024 stehen pro Person und Monat 387,30 Franken Bruttokosten neben 52,31 Franken Kostenbeteiligung und 334,99 Franken Nettokosten. Rundungsdifferenzen sind möglich. Franchise und Selbstbehalt sind damit nicht dasselbe wie die Prämie.

Auf der Finanzierungsseite weist die Tabelle 358,13 Franken Bruttoprämie aus. Die Nettoprämie beträgt nach Abzug der erfassten Subventionen 300,51 Franken. Die durchschnittliche Differenz liegt bei 57,62 Franken. Das BFS definiert die Subventionen ausdrücklich als Differenz von Brutto- und Nettoprämien.

Daraus folgt nicht, dass jede Person monatlich diesen Zuschuss erhält. Ein Durchschnitt verteilt die Beträge rechnerisch auf alle Versicherten, auch auf Menschen ohne Prämienverbilligung. Für das eigene Haushaltsbudget braucht es die tatsächliche Prämienrechnung und den individuellen Verbilligungsentscheid. Dazu kommen gegebenenfalls die selbst getragenen Behandlungskosten.

Mehr Versicherte vergrössern die Gesamtrechnung

Die schweizweiten Bruttokosten erhöhten sich in der Reihe von 33,11 Milliarden Franken 2019 auf 41,35 Milliarden 2024. Das entspricht rund 24,9 Prozent. Der Zuwachs ist höher als die 18,5 Prozent pro Kopf, weil gleichzeitig der erfasste Versichertenbestand wuchs.

Das BFS gewichtet Versicherte nach der Dauer der Versicherungsdeckung. Wer ein halbes Jahr versichert war, zählt als halbe Person. Für 2019 ergibt sich ein gewichteter Bestand von rund 8,44 Millionen, für 2024 von 8,90 Millionen. Es wäre deshalb falsch, diese Werte als einfache Stichtagszählung der Wohnbevölkerung auszugeben.

Auch der Verlauf verdient Aufmerksamkeit. Die durchschnittliche monatliche Bruttoprämie blieb von 2019 bis 2022 ungefähr bei 315 Franken. Danach stieg sie auf 331,61 Franken 2023 und 358,13 Franken 2024. Die Kosten bewegten sich nicht Jahr für Jahr im gleichen Takt. Der Endpunktvergleich allein verdeckt diese zeitliche Verschiebung.

Gebäude des Universitätsspitals Zürich, Archivaufnahme von 2009 als Illustration der Gesundheitsversorgung
Universitätsspital Zürich, Archivaufnahme von August 2009. Das Bild illustriert die Versorgung, nicht einen Kostenvergleich dieses Spitals. Foto: Adrian Michael (Parpan05) / Wikimedia Commons, CC BY 3.0; unverändert.

Von 2023 auf 2024 stieg die Bruttoprämie pro Monat um 26,52 Franken. Das beschreibt die Entwicklung des Durchschnitts, nicht zwingend die Veränderung jeder einzelnen Police.

Keine Gewinnrechnung der Krankenkassen

Aus der Differenz zwischen durchschnittlicher Bruttoprämie und Nettokosten lässt sich kein Gewinn einzelner Versicherer berechnen. Eine solche Rechnung müsste unter anderem Verwaltungsaufwand, Rückstellungen, Anlageergebnis und die jeweiligen Rechnungsgrundlagen berücksichtigen. Die neue Tabelle ist eine gegliederte Versorgungs- und Prämienstatistik, keine vollständige Erfolgsrechnung jeder Kasse.

Beim Vergleich mit anderen Veröffentlichungen ist zudem das Bezugsjahr zu prüfen. Das BAG weist ausdrücklich darauf hin, dass seine Individualdaten nach Behandlungsjahr und seine klassische Krankenversicherungsstatistik nach Abrechnungsjahr ausgewertet werden. Gleiche Begriffe und ähnliche Frankenbeträge garantieren deshalb noch keine unmittelbar austauschbaren Zahlenreihen.

Ebenso wenig erklärt die Tabelle von selbst, wodurch der Kostenanstieg verursacht wurde. Dafür müssten Mengen, Preise, Altersstruktur und Behandlungsarten getrennt untersucht werden. Eine höhere Summe ist weder automatisch Beleg für unnötige Medizin noch allein durch die Alterung erklärt.

Was regionale Unterschiede nicht beweisen

In seiner begleitenden Veröffentlichung nennt das BFS für 2024 monatliche Nettokosten von rund 425 Franken im Tessin und 237 Franken in Appenzell Innerrhoden. Diese Rohwerte zeigen Unterschiede, aber noch keine Rangliste effizienter und ineffizienter Versorgung. Dafür wären unter anderem vergleichbare Patientengruppen und Leistungen notwendig.

Für die politische Debatte liefert die Zeitreihe somit einen belastbaren Ausgangspunkt, keinen fertigen Schuldigen. Sie zeigt steigende Kosten und eine ebenfalls wachsende, durch Subventionen teilweise abgefederte Prämienbelastung. Ob neue Sparmassnahmen wirken und was Versicherte heute bezahlen, muss mit späteren Daten beziehungsweise aktuellen Tarifen geprüft werden – nicht mit einer Tabelle, die 2024 endet.

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