Postpartale Depression: Jede sechste Mutter betroffen
Neue Zahlen des Bundes zeigen Handlungsbedarf

Die Geburt eines Kindes gilt als Glücksfall. Doch Doch rund 10 bis 15 Prozent der Mütter in der Schweiz erleben danach eine postpartale Depression. Diese Prävalenz wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) genannt. in der Schweiz erlebt danach eine postpartale Depression. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im November 2023 veröffentlicht hat hat. In der Mitteilung heisst es: Das BAG weist darauf hin, dass postpartale Depressionen zu den häufigsten psychischen Komplikationen nach der Geburt zählen.
Die Krankheit trifft Mütter aller Altersgruppen. Typisch sind anhaltende Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und der Verlust der Freude am Neugeborenen. Oft kommen Schuld- und Versagensgefühle dazu. Vom sogenannten Baby Blues, den viele Mütter in den ersten Tagen erleben, unterscheidet sich die Depression dadurch, dass die Symptome länger als zwei Wochen anhalten und sich nicht von selbst auflösen.
Wie gefährlich unbehandelte Depressionen sind
Unbehandelt kann die Erkrankung Monate dauern und die Mutter-Kind-Beziehung beeinträchtigen. Fachorganisationen wie «Postpartale Depression Schweiz» weisen darauf hin, dass Kinder von betroffenen Müttern ein höheres Risiko für emotionale und Verhaltensprobleme sowie Entwicklungsverzögerungen haben können. Wie psychische Erkrankungen von Eltern auf Kinder wirken, ist deshalb ein zunehmend beachtetes Forschungsfeld. Auch die Partnerschaft leidet, viele Frauen ziehen sich sozial zurück. In schweren Fällen drohen Selbstverletzung oder gar der Verlust des Lebens.
Dennoch bleibt die Krankheit oft unsichtbar. Viele Mütter schämen sich, über ihre Verzweiflung zu sprechen. Der Schweizerische Hebammenverband fordert deshalb, dass die psychische Verfassung nach der Geburt systematisch erfasst wird – nicht nur kurzfristig im Wochenbett, sondern auch in den Folgemonaten. Bisher fehlt ein schweizweit einheitliches Vorgehen.
Versorgung: Kräftige Unterschiede zwischen den Kantonen
Die Schweiz ist auf diesem Gebiet föderal geprägt. Während Städte wie Zürich, Bern oder Lausanne spezialisierte Mutter-Kind-Sprechstunden kennen, sind solche Angebote auf dem Land dünn gesät. Die Krankenkasse übernimmt Die Krankenkasse übernimmt bis zu zehn Hebammenbesuche in den ersten 56 Tagen nach der Geburt ohne ärztliche Verordnung. die Kosten für Hebammenbesuche. Genau in dieser Zeit manifestiert sich die Depression jedoch oft noch nicht. Eine Verlängerung der Betreuung wird streng geprüft. Die Wartezeiten für therapeutische Plätze sind regional sehr unterschiedlich lang.
Der Bundesrat hat im Rahmen der Strategie «Psychische Gesundheit Schweiz» Verbesserungen angekündigt. Geplant sind einheitliche Screening-Instrumente, Schulungen für Fachpersonen und eine bessere Finanzierung von Therapieangeboten. Bis diese Pläne in den Kantonen umgesetzt sind, bleibt die Versorgung ein Flickwerk.
Diese Anlaufstellen helfen Betroffenen
Erste Anlaufstellen sind Hausärztinnen, Gynäkologen oder die Mütter- und Väterberatung. Auch psychiatrische Ambulatorien und Tageskliniken bieten akute Hilfe. Anerkannte Selbsthilfeorganisationen unterhalten in vielen Kantonen Gruppen für betroffene Mütter. Eine Übersicht über Beratungs- und Behandlungsangebote bei psychischen Problemen nach der Geburt gibt es beim BAG. Angehörige sollten Warnsignale wie anhaltende Hoffnungslosigkeit oder Rückzug ernst nehmen und das Gespräch behutsam suchen.
Die neue Datenbasis könnte den Druck auf die Politik erhöhen. Entscheidend wird sein, dass die Angebote niederschwellig und bezahlbar bleiben – und dass keine Mutter mit ihrer Krankheit allein gelassen wird. Wer früh hilft, verhindert Leid über Jahre hinweg.



