Gesundheit01:05 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 2 Min.0 Kommentare

Psychotherapie-Kosten steigen: Nationalratskommission fordert strengere Regeln

Neue Massnahmen sollen steigende Ausgaben in der Grundversicherung bremsen

Therapieraum mit Sitzgelegenheiten und ruhiger Atmosphäre für psychotherapeutische Gespräche
Bild: OliverKepka / Pixabay

Die zuständige Nationalratskommission will den Zugang zu Psychotherapien einschränken, die über die Grundversicherung bezahlt werden. Hintergrund sind die stark gestiegenen Kosten in diesem Bereich.

Psychiaterbesuch soll zur Vorbedingung werden

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) hat mit 16 zu 9 Stimmen eine Motion verabschiedet: Vor einer psychologischen Psychotherapie soll künftig eine Diagnose durch eine Psychiaterin oder einen Psychiater vorliegen. Damit will die Kommission die Gesundheitskosten senken und zugleich Menschen mit schweren psychischen Störungen einen besseren Zugang zur Versorgung sichern. Eine zweite Motion (13 zu 9 Stimmen) fordert eine Datenbank, um die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der Schweiz zu erfassen.

Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um Vorstösse einer Kommission, nicht um einen Entscheid des Bundesrats. Die Motionen müssen zuerst von National- und Ständerat angenommen werden; erst danach wäre der Bundesrat beauftragt, entsprechende Regeln umzusetzen. Beschlossen oder in Kraft ist somit noch nichts.

Kosten seit 2022 fast verdoppelt

Die Ausgaben der Grundversicherung für psychologische Psychotherapie sind stark gestiegen: 2024 lagen sie gegenüber 2022 nahezu doppelt so hoch, bei fast einer Milliarde Franken. Ein wesentlicher Grund ist der Systemwechsel: Seit Juli 2022 gilt das Anordnungsmodell. Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten können seither auf ärztliche Anordnung selbstständig über die Grundversicherung abrechnen, statt wie zuvor unter Delegation einer Ärztin oder eines Arztes zu arbeiten. Das hat die Zahl der Anbieter und die Nachfrage erhöht.

Zur Begründung führt die Kommission an, dass heute in vielen Fällen Beschwerden ohne eigentlichen Krankheitswert behandelt würden. Zudem dürften derzeit auch Fachärztinnen und -ärzte ohne Spezialisierung auf psychische Erkrankungen eine Psychotherapie anordnen – was die Kosten zusätzlich treibe.

Kritik: Gefahr einer Rationierung

Gegnerinnen und Gegner solcher Einschränkungen warnen vor einer Rationierung der Versorgung. Ein vorgeschalteter Psychiaterbesuch könnte den Zugang zur Therapie verzögern oder erschweren. Kritikerinnen und Kritiker betonen zudem, dass psychische Erkrankungen oft langwierige Behandlungen erfordern und ein erschwerter Zugang langfristig höhere Folgekosten verursachen kann.

Teil einer grösseren Kostendebatte

Die Diskussion um die Psychotherapiekosten ist Teil der allgemeinen Auseinandersetzung über steigende Gesundheitsausgaben und Krankenkassenprämien in der Schweiz. Auch Medikamentenpreise, Spitalkosten und die Zahl der Ärztinnen und Ärzte stehen auf der politischen Agenda. Wie der Konflikt zwischen Kostendämpfung und Versorgungsqualität gelöst wird, bleibt offen, bis die Räte über die Motionen entschieden haben.

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