
Schweiz–Indien: Woran sich das Freihandelsabkommen TEPA jetzt messen lassen muss
Der Präsidialbesuch setzt ein politisches Signal. Greifbarer Nutzen entsteht aber erst, wenn Marktöffnung, Investitionen und Austausch im Alltag ankommen.
Ein Staatsbesuch ist noch kein wirtschaftlicher Erfolg. Aber er kann sichtbar machen, worauf es beim Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen TEPA zwischen der Schweiz, den anderen EFTA-Staaten und Indien jetzt ankommt. Bundespräsident Guy Parmelin traf am 5. Oktober in Neu-Delhi die indische Präsidentin Draupadi Murmu und Premierminister Narendra Modi. Beide Seiten bezeichneten die Umsetzung des seit 1. Oktober 2025 geltenden Abkommens als planmässig.
Der konkrete Ertrag des Treffens: Die Schweiz und Indien schlossen ein Abkommen zu Migration und Mobilität sowie eines zum Austausch junger Berufsleute. Das zweite soll jungen Menschen Ausbildungs- oder Weiterbildungsaufenthalte im jeweils anderen Land ermöglichen. Ob daraus tatsächlich zugängliche Programme entstehen, hängt von den noch zu kommunizierenden Regeln, Plätzen und Verfahren ab. Es wäre deshalb verfrüht, bereits mit festen Teilnehmerzahlen oder vereinfachten Visa zu werben.
TEPA eröffnet Schweizer Waren und Dienstleistungen einen besseren Zugang zum indischen Markt. Nach Angaben des Bundes betrifft das 94,7 Prozent der bisherigen Schweizer Exporte nach Indien, Gold ausgenommen. Dazu gehören Pharmaerzeugnisse, Maschinen, optische Instrumente, Uhren und verarbeitete Agrarprodukte. Nach Ablauf der Übergangsfristen rechnet der Bund auf Basis des bestehenden Handels mit möglichen jährlichen Zolleinsparungen von bis zu 167 Millionen Franken.
Diese Zahl ist wichtig – aber sie ist kein Rabattversprechen für den Einkauf in der Schweiz. Sie beschreibt mögliche Zolleinsparungen beim Export nach Indien. Ob daraus hierzulande mehr Arbeitsplätze, neue Aufträge für Zulieferer oder günstigere Produkte entstehen, hängt von Unternehmen, Wechselkursen, Konkurrenz und Investitionsentscheiden ab.

Für die Schweiz ist Indien wirtschaftlich längst mehr als ein Fernmarkt. 2025 exportierte die Schweiz laut EDA Waren im Wert von 13,2 Milliarden Franken nach Indien und importierte Waren im Wert von 2,4 Milliarden Franken. Ende 2024 lagen die Schweizer Direktinvestitionen in Indien bei 10,2 Milliarden Franken; rund 350 Schweizer Firmen sind dort präsent. Das erklärt, weshalb Rechtssicherheit, funktionierende Zollverfahren und verlässlicher Schutz geistigen Eigentums für Arbeitsplätze auch in der Schweiz relevant sein können.
Die grosse Messlatte bleibt jedoch langfristig. Die EFTA-Staaten streben Investitionen von 100 Milliarden US-Dollar in Indien und die Unterstützung von einer Million direkten Arbeitsplätzen innerhalb von 15 Jahren an. Das ist ein gemeinsames EFTA-Ziel, kein Schweizer Alleinversprechen. Nach dem ersten Jahr kann niemand seriös erklären, es sei erfüllt oder gescheitert. Entscheidend wird sein, ob Investitionen zusätzlich zustande kommen, welche Branchen profitieren und ob die Fortschritte transparent ausgewiesen werden.
Offen bleiben zudem zwei zentrale Punkte: Die Verhandlungen über ein neues bilaterales Investitionsschutzabkommen sind laut Bund fortgeschritten, aber nicht abgeschlossen. Auch beim Schutz geistigen Eigentums laufen Gespräche weiter. Genau daran zeigt sich der Unterschied zwischen einer politischen Absicht und verlässlichen Rahmenbedingungen im Geschäftsalltag.
Für Herr und Frau Schweizer ist TEPA deshalb weder ein abstraktes Gipfelthema noch ein sofort spürbarer Preishebel. Es ist eine Wette auf breitere Absatzmärkte, Investitionen und Austausch. Ob sie aufgeht, lässt sich an nachvollziehbaren Daten messen – nicht an der Länge einer Delegationsliste.