Internationale Politik15:55 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Selenski: Wahlen im Krieg spalten die Ukraine

Debatte über Demokratie und Sicherheit in der Ukraine

Wolodymyr Selenskyj
OpenAi

Ukraine vor der Wahlfrage: Sicherheitsproblem oder Machtfrage?

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs finden in der Ukraine keine nationalen Wahlen statt. Die Regierung in Kiew verweist auf das geltende Kriegsrecht und argumentiert, dass unter den aktuellen Bedingungen keine freie und faire Abstimmung möglich sei.

Gleichzeitig wächst die politische Debatte darüber, ob die Verschiebung von Wahlen allein mit Sicherheitsfragen erklärt werden kann oder ob auch innenpolitische Interessen eine Rolle spielen. Präsident Wolodimir Selenski steht dabei zunehmend unter internationaler und innenpolitischer Beobachtung.

Gebäude in einer ukrainischen Stadt, geschmückt mit ukrainischen Flaggen.
Ukrainische Flaggen an Gebäuden in Kiew. · Bild: nextvoyage / Pixabay

Selenski: Wahlen sind möglich – aber nicht unter diesen Bedingungen

Selenski hat mehrfach erklärt, dass er grundsätzlich bereit sei, Wahlen abzuhalten. Gleichzeitig fordert er Voraussetzungen, die aus Sicht der ukrainischen Regierung derzeit nicht erfüllt sind: Sicherheit für Wähler, Soldaten und Kandidaten sowie eine Möglichkeit zur Teilnahme für Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer im Ausland.

Kritiker halten dagegen, dass demokratische Systeme gerade in Krisenzeiten funktionsfähig bleiben müssen. Sie argumentieren, dass eine Regierung ohne reguläre Wahlen langfristig ein Problem für ihre demokratische Legitimation bekommen könnte.

Abgelaufene Amtszeit sorgt für Diskussionen

Die reguläre Amtszeit Selenskis wäre 2024 ausgelaufen. Aufgrund des geltenden Kriegsrechts fanden jedoch keine Präsidentschaftswahlen statt. Die ukrainische Verfassung sieht vor, dass während des Kriegsrechts keine Wahlen durchgeführt werden.

Befürworter dieser Regelung verweisen darauf, dass auch andere Staaten in existenziellen Krisen demokratische Prozesse einschränken können. Gegner fragen jedoch, wie lange eine solche Ausnahmeregelung gelten darf.

Streit um Korruptionsbekämpfung verstärkt Kritik

Zusätzliche Diskussionen lösten die Auseinandersetzungen um die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden aus. Die Behörden NABU und SAPO wurden geschaffen, um unabhängig gegen Korruption auf hoher Ebene vorzugehen.

Ein Gesetz, das ihre Unabhängigkeit einschränken sollte, führte 2025 zu Protesten in mehreren ukrainischen Städten und zu Kritik aus der Europäischen Union. Nach dem öffentlichen Druck wurde die Unabhängigkeit der Institutionen wiederhergestellt.

Kritiker sahen darin ein Warnsignal für die Gewaltenteilung. Unterstützer der Regierung argumentierten hingegen, dass Reformen notwendig seien, um Missbrauch und mögliche ausländische Einflussnahme zu verhindern.

Auch innerhalb der Ukraine wächst die Debatte

Die Frage nach Wahlen wird nicht nur im Ausland diskutiert. Auch innerhalb der Ukraine gibt es Stimmen, die eine frühere Rückkehr zu normalen demokratischen Prozessen fordern.

Gegner Selenskis argumentieren, dass politische Konkurrenz und öffentliche Kontrolle auch während eines Krieges wichtig seien. Die Regierung hält dagegen, dass ein Wahlkampf mitten im Krieg die Gesellschaft spalten und die Verteidigungsfähigkeit schwächen könnte.

Putins Feuerpause-Angebot sorgt für zusätzliche Spannung

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat sich zur Wahlfrage geäussert. Er erklärte, Russland könne eine Feuerpause während eines möglichen Wahlprozesses unterstützen. Die ukrainische Regierung betrachtet solche Aussagen jedoch skeptisch und verweist auf die Erfahrungen seit Beginn der Invasion.

Kiew argumentiert, dass eine kurzfristige Waffenruhe keine ausreichende Garantie für eine freie Wahl sei. Zudem bestehe die Gefahr, dass Russland die Wahlfrage nutzen könnte, um politischen Druck auszuüben.

Die schwierige Balance zwischen Demokratie und Krieg

Die Ukraine steht damit vor einem grundlegenden Dilemma: Eine Demokratie benötigt Wahlen, gleichzeitig erschwert ein existenzieller Krieg deren Durchführung massiv.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Wahlen technisch möglich wären, sondern unter welchen Bedingungen sie tatsächlich frei, sicher und legitim wären.

Für die Schweiz und Europa bleibt die Entwicklung von grosser Bedeutung. Die Ukraine kämpft nicht nur um territoriale Sicherheit, sondern auch um die Frage, wie demokratische Institutionen während eines Krieges erhalten werden können.

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.