Selenskyj fordert 30 Milliarden Euro von der EU
Zusätzliche Finanzmittel für Verteidigung und Wiederaufbau

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Europäische Union um zusätzliche 30 Milliarden Euro gebeten. Mit den Mitteln soll die Verteidigung gegen die russische Invasion gestärkt und der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur finanziert werden. Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU bereits erhebliche Summen für die Unterstützung der Ukraine bereitgestellt hat.
Verwendungszweck der geforderten Gelder
Laut Angaben aus Kiew sollen die 30 Milliarden Euro in verschiedene Bereiche fliessen. Ein grosser Teil ist für die Beschaffung von Verteidigungssystemen, Munition und militärischer Ausrüstung vorgesehen. Weitere Mittel sollen in den Wiederaufbau kritischer Infrastruktur wie Kraftwerke, Wasserversorgung und Verkehrswege investiert werden.
Die ukrainische Regierung argumentiert, dass die kontinuierliche Zerstörung durch russische Angriffe einen laufenden Finanzbedarf schafft. Besonders die Energieinfrastruktur wurde in den vergangenen Monaten wiederholt zum Ziel russischer Raketen- und Drohnenangriffe. Der Wiederaufbau dieser Anlagen erfordert erhebliche finanzielle Ressourcen.
Reaktionen aus den EU-Mitgliedstaaten
Die EU-Staaten reagieren unterschiedlich auf Selenskyjs Forderung. Einige Mitglieder, darunter die baltischen Staaten und Polen, signalisieren grundsätzliche Unterstützung für zusätzliche Hilfen. Sie argumentieren, dass die Sicherheit der Ukraine direkt mit der Sicherheit Europas verbunden sei.
Andere Länder, insbesondere jene mit angespannten Haushaltslagen, zeigen sich zurückhaltender. Sie verweisen auf bereits geleistete Zahlungen und die Notwendigkeit, die eigenen Staatsfinanzen zu konsolidieren. Deutschland hat bisher keine klare Position bezogen, während Frankreich auf die Bedeutung einer koordinierten europäischen Antwort hinweist.
Bisherige EU-Unterstützung für die Ukraine
Die Europäische Union hat seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 bereits umfangreiche Finanzhilfen geleistet. Verschiedene Unterstützungspakete umfassen sowohl militärische als auch zivile Hilfe. Die EU-Kommission hat zudem Kredite und Garantien in Milliardenhöhe bereitgestellt.
Zusätzlich zu den direkten Finanzhilfen haben einzelne EU-Mitgliedstaaten bilateral Unterstützung geleistet. Diese reicht von Waffenlieferungen über Ausbildungsmassnahmen für ukrainische Soldaten bis hin zu humanitärer Hilfe. Die Gesamtsumme der europäischen Unterstützung, die von EU-Institutionen und Mitgliedstaaten zugesagt wurde, beläuft sich gemäss dem Ukraine Support Tracker des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf über 170 Milliarden Euro.
Die Entscheidung über Selenskyjs aktuelle Forderung steht noch aus. Eine abschliessende Stellungnahme der EU-Kommission und ein Beschluss der Mitgliedstaaten werden in den kommenden Wochen erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass die Verhandlungen komplex werden, da eine Einigung aller 27 Mitgliedstaaten erforderlich ist.



