
Der Franken ist mehr als Euro und Dollar: Was die SNB-Wechselkursindizes zeigen
Die neuen SNB-Daten messen den Aussenwert des Frankens gegenüber vielen Handelspartnern. Für Preise und Löhne sind sie ein wichtiger Hinweis – aber kein Kassenzettel.
Wer auf den Franken blickt, sieht meist zuerst den Kurs zum Euro oder zum Dollar. Für eine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz reicht diese Momentaufnahme jedoch nicht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) aktualisierte am 7. Oktober ihre Wechselkursindizes. Sie sollen zeigen, wie sich der Franken gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner entwickelt – nicht bloss gegenüber einer einzelnen Währung.
Das klingt nach Statistik für Fachleute. In Wahrheit berührt die Frage Exportbetriebe, importierte Waren und damit indirekt auch die Budgets von Herr und Frau Schweizer. Entscheidend ist allerdings, was die Indizes tatsächlich messen. Wer daraus eine automatische Aussage über sinkende Ladenpreise oder über einen geldpolitischen Schritt der SNB ableitet, liest mehr hinein, als die Daten hergeben.
Nicht jeder Franken-Kurs ist der Franken
Ein Euro-Franken-Kurs beschreibt das Verhältnis zwischen genau zwei Währungen. Der nominale effektive Wechselkursindex der SNB fasst dagegen die bilateralen Kurse zu einem handelsgewichteten Mass zusammen. Massgeblich sind nicht nur direkte Ein- und Ausfuhren, sondern auch Konkurrenzsituationen auf Drittmärkten. Die Gewichte berücksichtigen Waren- und Dienstleistungshandel und werden regelmässig an die Handelsstrukturen angepasst.
Steigt dieser nominale Index, wertet sich der Franken gegenüber dem Währungskorb auf. Für ein Schweizer Unternehmen wird ein Produkt im Ausland tendenziell teurer, wenn es den Preis in Franken unverändert lässt. Umgekehrt werden ausländische Güter, die in ihrer Ausgangswährung gleich viel kosten, rechnerisch günstiger. Das Wort «tendenziell» ist wichtig: Verträge, Absicherungen gegen Währungsrisiken, Transportkosten und die Preissetzung von Unternehmen können den Effekt verzögern oder abschwächen.

Real ist nicht gleich sofort billiger
Neben dem nominalen veröffentlicht die SNB einen realen effektiven Wechselkursindex. Er korrigiert die Wechselkursbewegung um Preisentwicklungen in der Schweiz und bei Handelspartnern. Damit beantwortet er eine andere Frage: Wie verändert sich die preisliche Wettbewerbsposition der Schweiz? Ein stärkerer Franken kann für ein exportierendes Unternehmen teilweise weniger ins Gewicht fallen, wenn die Preise im Ausland schneller steigen. Umgekehrt kann eine stabile Währung die Wettbewerbsposition nicht zwingend sichern, falls die Schweizer Kosten und Preise relativ stärker zunehmen.
Der reale Index ist deshalb kein Inflationsbarometer für den nächsten Monat und erst recht keine Aussage über den Lohn einer einzelnen Person. Er vergleicht gesamtwirtschaftliche Preisentwicklungen. Für die Nationalbank, Unternehmen und die Konjunkturanalyse ist das aufschlussreich; für eine einzelne Einkaufstasche bleibt es eine Hintergrundgrösse.
Auf die Veränderung kommt es an
Ein Indexstand ist zudem keine Preisangabe in Franken und keine Prozentzahl für einen Wettbewerbsvorteil. Er ist an einen Basiszeitpunkt gebunden. Aussagekräftig wird er erst als Veränderung über einen klar benannten Zeitraum und im Vergleich mit anderen Indikatoren. Wer etwa bloss feststellt, der Index liege «hoch», weiss noch nicht, ob sich der Franken in den vergangenen Wochen überhaupt bewegt hat oder ob sich parallel die Preise bei Handelspartnern verändert haben. Die SNB-Methodik liefert den Rahmen für diese Vergleiche; sie nimmt den Unternehmen und der Politik aber nicht die Aufgabe ab, die Ursachen und Folgen einzuordnen.
Weshalb Importpreise nicht eins zu eins am Regal ankommen
Bei einer Frankenaufwertung wird oft erwartet, dass Ferien, Elektronik oder Lebensmittel aus dem Ausland unverzüglich günstiger werden. Dies kann passieren, muss aber nicht. Ein Importeur kann zu einem früheren Kurs eingekauft haben. Ein Händler kann die Währungsbewegung mit höheren Energie- oder Logistikkosten verrechnen. Und bei vielen Produkten fällt der Wechselkurs nur auf einen Teil des Verkaufspreises.
Das Gegenstück gilt für die Exportwirtschaft. Ein starker Franken kann die Marge schmälern oder Preiserhöhungen im Ausland erschweren. Wie schwer das wiegt, unterscheidet sich nach Branche, Absatzmarkt und Absicherung. Ein Medizintechnikunternehmen, ein Hotelbetrieb und ein Detailhändler sind unterschiedlich betroffen. Der Wechselkursindex liefert daher eine gemeinsame Ausgangslage, aber keine fertige Bilanz für einen Betrieb.
Ein Kompass statt eines Urteils
Der Mehrwert der SNB-Reihe liegt gerade darin, dass sie nicht an einer einzigen Währung hängen bleibt. Wer die Entwicklung über mehrere Monate mit dem realen und dem nominalen Index vergleicht, erhält ein nüchterneres Bild der Aussenwirtschaft als mit einem einzelnen Tageskurs. Die Indizes erklären aber weder allein die Teuerung noch ersetzen sie eine Analyse von Nachfrage, Kosten und Wettbewerb.
Für Herr und Frau Schweizer ist das die faire Einordnung: Ein stärkerer Franken kann die Kaufkraft gegenüber dem Ausland verbessern und für Firmen zur Herausforderung werden. Ob daraus ein tieferer Preis, ein höherer Umsatz oder eine geldpolitische Reaktion wird, entscheidet der Index nicht. Er macht sichtbar, welche Frage als Nächstes gestellt werden muss.
Quellen
Schweizerische Nationalbank, Wechselkursindizes, Aktualisierung vom 7. Oktober 2026 Schweizerische Nationalbank, Datenportal «Wechselkursindizes» Schweizerische Nationalbank, Methode der Wechselkursindizes Schweizerische Nationalbank, Erläuterung zur Überarbeitung der Wechselkursindizes



