Gesundheit07:20 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Spital Aarberg gibt Chirurgie auf: Fokus auf Orthopädie

Insel Gruppe baut Altersmedizin und Innere Medizin aus

Spital Aarberg
Insel Gruppe AG

Die Insel Gruppe richtet das Spital Aarberg neu aus. Die stationäre Chirurgie wird eingestellt. Künftig stehen Orthopädie, Altersmedizin und Innere Medizin im Zentrum. Der Entscheid fällt im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung, die bereits seit längerer Zeit vorbereitet wird. Für die Gesundheitsversorgung im Berner Seeland ist dies ein bedeutender Schritt. Die Klinikgruppe betont, mit der Neuausrichtung eine langfristige Perspektive für den Standort sicherzustellen. Die Belegschaft wurde in einer internen Mitteilung informiert. Der genaue Zeitplan steht noch nicht fest. Das Spital Aarberg ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

Neue Ausrichtung im Spital Aarberg

Das Spital Aarberg gehört seit 2016 zur Insel Gruppe. Es versorgt die Bevölkerung im Seeland und im angrenzenden Berner Jura. Bisher umfasste das Angebot auch eine Abteilung für Chirurgie. Dort wurden Eingriffe in den Bereichen Allgemein- und Unfallchirurgie durchgeführt. Diese Eingriffe werden künftig an den Standorten Bern, Biel und Burgdorf konzentriert. Die Insel Gruppe begründet die Entscheidung mit einer unzureichenden Auslastung und den Anforderungen an die medizinische Qualität. Eine kleine Chirurgie könne unter diesen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, begründet die Insel Gruppe. Auch die Verfügbarkeit von Fachärztinnen und Fachärzten spielte eine Rolle.

Die Abteilungen für Orthopädie, Altersmedizin und Innere Medizin bleiben bestehen und sollen ausgebaut werden. Geplant ist ein Kompetenzzentrum für Altersmedizin. Damit will die Klinik die Versorgung der alternden Bevölkerung in der Region stärken. In der Orthopädie werden vor allem konservative Behandlungen und ambulante Eingriffe angeboten. Die Innere Medizin soll die Notfall- und Grundversorgung sicherstellen. Zusätzlich sind Kooperationen mit anderen Spitälern geplant. Die Insel Gruppe will so verhindern, dass das Spital Aarberg in seiner Existenz gefährdet wird. Der Standort bleibt damit als Gesundheitszentrum erhalten. Eine enge Zusammenarbeit mit der Hausarztpraxis im gleichen Haus ist vorgesehen.

Konsequenzen für das Berner Seeland

Patientinnen und Patienten müssen für chirurgische Eingriffe künftig weitere Wege in Kauf nehmen. Die nächstgelegenen Spitäler mit Chirurgie befinden sich in Bern, Biel und Burgdorf. Die Verlegungswege zwischen den Spitälern werden derzeit abgestimmt. Die Notfallstation im Spital Aarberg bleibt jedoch bestehen. Akutfälle sollen weiterhin vor Ort stabilisiert und anschliessend in die entsprechenden Zentren verlegt werden. Dieser Ablauf ist in der Region bereits heute üblich. Für Knie- und Hüftoperationen etwa werden Patientinnen und Patienten schon bisher in die grösseren Kliniken überwiesen.

Obwohl die wirtschaftlichen Gründe nachvollziehbar sind, wird die Sicherstellung einer zuverlässigen Notfallversorgung in der Region als wichtig erachtet. Gesundheitsexperten weisen auf das Dilemma ländlicher Spitäler hin: Kleine Häuser können nicht alle Disziplinen abdecken. Die Konzentration auf Spezialgebiete gilt als möglicher Ausweg, um die Grundversorgung zu erhalten. Der Kanton Bern will die Entwicklung im Rahmen der Spitalplanung begleiten. In der Region werden Befürchtungen laut, dass die Versorgung für ältere Menschen schwieriger wird. Der Entscheid könnte auch den Ärztemangel auf dem Land verschärfen. Die Spitalplanung des Kantons sieht eine stärkere Bündelung von Leistungen vor.

Nächste Schritte

Die Insel Gruppe will betroffene Mitarbeitende in andere Betriebe übernehmen oder Umschulungen anbieten. Die genaue Zahl der betroffenen Stellen ist noch offen. Die Belegschaft soll in den kommenden Wochen informiert werden. Der ambulante Betrieb und die Notfallstation bleiben bestehen. Die Insel Gruppe will chirurgische Eingriffe, die ambulant möglich sind, in Aarberg beibehalten. Zudem prüft die Klinikgruppe, welche Leistungen sie mit den umliegenden Spitälern teilen kann. Der Standort Aarberg soll als Gesundheitszentrum mit Notfall, Diagnostik und Physiotherapie gestärkt werden. Das genaue Leistungsangebot wird bis Ende Jahr definiert. Auch die Zusammenarbeit mit Pflegeheimen in der Umgebung soll ausgebaut werden.

Der Entscheid in Aarberg ist Teil eines grösseren Trends: Spitäler fokussieren vermehrt auf Spezialgebiete. Die Gesundheitspolitik diskutiert über eine stärkere Steuerung der Spitalangebote. Für das Berner Seeland bleibt abzuwarten, wie sich die Versorgung weiterentwickelt. Die Insel Gruppe will im Herbst weitere Details zur künftigen Ausrichtung bekannt geben. Ähnliche Umstrukturierungen gab es in den letzten Jahren auch in anderen Kantonen. Die Frage nach einer flächendeckenden Grundversorgung wird damit noch wichtiger. Die Verantwortlichen in Bern und Aarberg stehen vor der Aufgabe, Qualität und Erreichbarkeit in Einklang zu bringen. Der Ausgang dieses Prozesses wird mit Spannung erwartet.

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