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Trump droht Kanada mit 50-Prozent-Zöllen auf Autos

Wie der Handelskonflikt die Schweizer Wirtschaft beeinflussen könnte

Hohe Wolkenkratzer des Finanzdistrikts von Hongkong bei Dämmerung, die Geschäft und Wirtschaft symbolisieren.
Bild: Marianne7Sevens / Pixabay

Die USA verschärfen den Handelskonflikt mit Kanada erneut. Donald Trump drohte während seiner Amtszeit als US-Präsident mit hohen Zöllen auf importierte Autos. Zusätzlich sollen Stahlimporte aus dem Nachbarland mit Abgaben belegt werden. Das berichten unter anderem SRF News und die NZZ übereinstimmend. Die Ankündigung löst auch in der Schweizer Exportwirtschaft Unruhe aus.

Der Streit zwischen Washington und Ottawa schwelt seit Monaten. Kanada hatte mehrfach US-Sonderzölle kritisiert, etwa auf Aluminium und Holz. Die USA begründen ihre Schutzmassnahmen mit nationaler Sicherheit. Kanada sieht darin ungerechtfertigte Handelsbarrieren. Die jüngste Drohung geht über frühere Konflikte hinaus. Die kanadische Regierung kündigte an, im Gegenzug Zölle auf US-Produkte zu erheben.

Drohung mit 50 Prozent

Die angedrohten Zölle würden kanadische Autos für US-Konsumenten deutlich verteuern. Kanada exportiert den Grossteil seiner Fahrzeuge in den US-Markt. Eine Abgabe von 50 Prozent würde viele Modelle unerschwinglich machen. Analysten erwarten spürbare Produktionsrückgänge in den Werken von Ontario und Quebec. Betroffen wären auch internationale Konzerne, die in Kanada Fahrzeuge montieren, darunter grosse japanische und deutsche Hersteller.

Ob es sich um eine reale Drohung oder eine Verhandlungstaktik handelt, ist derzeit offen. Trump hat in früheren Phasen ähnliche Ankündigungen genutzt, um Zugeständnisse zu erzwingen. Die kanadische Regierung hat bereits Gegenmassnahmen in Aussicht gestellt. Die Automobilindustrie in Nordamerika ist eng vernetzt. Zölle würden auch US-amerikanische Arbeitsplätze gefährden. Deshalb dürfte auch der Widerstand in den USA gross sein.

Schweizer Zulieferer in Sorge

Für die Schweiz ist der Konflikt mehr als eine ferne Nachricht. Viele Schweizer Unternehmen liefern Komponenten, Werkzeuge und Maschinen an Fahrzeugwerke in Kanada und den USA. Firmen wie die Komax AG aus Dierikon oder die Feintool AG mit Hauptsitz in Lyss gehören zu den international tätigen Zulieferern. Sinkt die Auslastung der Autowerke, verlieren diese Firmen Aufträge. Die Abhängigkeit von der globalen Autoproduktion ist in den letzten Jahren gewachsen.

Die Kantone Aargau, Solothurn und Zürich beherbergen einen Grossteil der Schweizer Maschinenindustrie. Deren Exporte hängen stark von der nordamerikanischen Nachfrage ab. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) beobachtet die Entwicklung laut eigenen Angaben genau. Bereits jetzt kämpfen viele Unternehmen mit einem überbewerteten Franken und rückläufigen Bestellungen aus Europa. Eine Verschärfung des Handelskonflikts käme zur Unzeit.

Hoffen auf Deeskalation

Die Schweiz und Kanada sind seit 2009 durch ein Freihandelsabkommen verbunden. Direkte Handelsbeziehungen wären von US-Zöllen nicht unmittelbar betroffen. Indirekte Wirkungen sind aber möglich. Kanadische Autos könnten vermehrt auf europäische und andere Märkte gedrängt werden. Schweizer Hersteller von Autoteilen sähen sich dann einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt. Zudem könnte günstiger kanadischer Stahl nach Europa umgeleitet werden, was die Preise unter Druck setzt.

Bereits 2018 verhängte die USA Zölle auf Stahl und Aluminium aus der ganzen Welt. Auch damals suchten Schweizer Firmen nach neuen Absatzwegen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass sich Handelsströme schnell verlagern können. Die Schweizer Industrie setzt deshalb auf offene Märkte und internationale Abkommen. Sie fordert, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert.

Schweizer Exporteure hoffen auf eine rasche Deeskalation. Ein ausgewachsener Handelskrieg zwischen den USA und Kanada wäre ein zusätzliches Risiko für die ohnehin fragile Weltkonjunktur. Die Schweiz hat wiederholt für offene Grenzen und verlässliche Lieferketten plädiert. Eine Ausweitung des Streits auf die EU gilt derzeit als unwahrscheinlich, ist aber nicht ausgeschlossen. Auch direkt könnte die Schweiz ins Visier von US-Zöllen geraten, etwa wenn Washington den Streit ausweitet.

Die Diskussion zeigt, wie schnell protektionistische Massnahmen auch einen neutralen Staat wie die Schweiz treffen können. Die Regierung in Bern verfolgt die Entwicklung nach eigenen Angaben aufmerksam. Beobachter halten eine direkte Ausweitung auf die Schweiz für unwahrscheinlich, verweisen aber auf die indirekten Folgen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Drohung ernst gemeint ist. Für die Schweizer Exportwirtschaft bleibt der Handelskonflikt ein Wagnis.

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