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Rolex-Schriftzug mit Uhr an einer Fassade in Genf, Archivaufnahme von 2012
Rolex-Schriftzug in Genf, Archivaufnahme vom 14. April 2012; kein Beleg für die Geschäftslage der Marke. Foto: Ypsilon from Finland / Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Unverändert.
WirtschaftAnalyse09:30 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Uhrenexporte steigen – doch China bleibt ein schwacher Markt

Die Schweizer Branche liefert im September deutlich mehr ins Ausland. Das ist weder ein Beleg für einen weltweiten Verkaufsboom noch ein Widerspruch zu fallenden Luxusaktien.

Die Schweizer Uhrenindustrie hat im September 2026 mehr exportiert als ein Jahr zuvor. Der Warenwert legte laut dem Branchenverband FH um 11,7 Prozent zu. Gleichzeitig gingen die Ausfuhren nach China zurück. Die jüngsten Daten beschreiben deshalb keine einheitliche Erholung, sondern eine Branche mit stark auseinanderlaufenden Absatzmärkten.

Der Gegensatz ist wichtig, wenn fallende Luxusaktien als Massstab für die gesamte Industrie dienen. Die Financial Times beziffert in ihrer Überschrift die Börsenwertverluste von Luxusgruppen auf rund 250 Milliarden Euro und verweist auf nachlassende chinesische Nachfrage. Aus dieser Schlagzeile lässt sich jedoch weder ein entsprechender Umsatzverlust noch ein gleich grosser Einbruch der Schweizer Uhrenausfuhren ableiten.

Ausgeliefert ist noch nicht verkauft

Der FH-Wert für September beträgt rund 2,23 Milliarden Franken. Seit Jahresbeginn summieren sich die Exporte auf 19,5 Milliarden Franken; gegenüber den ersten neun Monaten 2025 entspricht das einem Plus von 2,7 Prozent. Der starke September ist damit nicht mit dem bisherigen Jahresverlauf gleichzusetzen.

Erfasst werden Waren, die die Schweizer Grenze zu den deklarierten Exportpreisen passieren. Die Zahlen zeigen nicht, ob eine Uhr bereits am Handgelenk einer Kundin sitzt oder noch im Lager eines Händlers liegt. Auch der spätere Verkaufspreis im Geschäft ist eine andere Grösse. Höhere Auslieferungen können Nachfrage bedienen oder Lager aufbauen; die Statistik allein unterscheidet das nicht.

Für Beschäftigte und Zulieferer ist dieser Unterschied ebenso relevant wie für Anleger. Ein Branchenplus erlaubt keinen sicheren Schluss auf die Auftragslage eines bestimmten Betriebs. Der Verband warnt ausdrücklich davor, aus seinen zusammengefassten Zahlen die Ergebnisse einzelner Unternehmen abzuleiten. Ebenso wenig kann ein schwächerer Aktienkurs unmittelbar mit weniger Schweizer Arbeitsplätzen gleichgesetzt werden.

China bleibt schwach, andere Ausschläge brauchen Einordnung

Im September sanken die Exporte nach China um 14,2 Prozent. In die USA stiegen sie dagegen um 85,7 Prozent. Der Verband verweist bei beiden Märkten auf die Vergleichsbasis: Ein schwacher Vorjahresmonat lässt das heutige Wachstum grösser aussehen, eine starke Basis verschärft einen Rückgang. Die Prozentzahlen messen Veränderungen gegenüber September 2025, nicht gegenüber dem Vormonat.

Besonders auffällig ist Frankreich mit einem Zuwachs von 128,2 Prozent. Die FH hält eine Verlagerung von Handelsströmen zwischen europäischen Märkten für eine mögliche Erklärung. Daraus einen ebenso grossen französischen Konsumboom zu machen, wäre voreilig. Bereits der Blick auf den Ausfuhrweg schützt vor einer falschen wirtschaftlichen Geschichte.

Mechanisches Uhrwerk ETA 2801 mit sichtbaren Zahnrädern, Archivaufnahme von 2015
Mechanisches Uhrwerk ETA 2801, aufgenommen 2015. Symbolaufnahme, keine Abbildung einer aktuellen Exportlieferung. Foto: Micky Aldridge / Wikimedia Commons, CC BY 2.0, unverändert.

Luxus ist kein einheitlicher Markt

Auch innerhalb der Exporte fallen Wert und Stückzahl auseinander. Die Zahl ausgeführter Armbanduhren erhöhte sich um 19,9 Prozent, ihr Wert um 11,6 Prozent. Das spricht für eine veränderte Zusammensetzung der Lieferungen, belegt aber keine allgemeinen Preissenkungen im Detailhandel. Wer aus diesen Zahlen den Preis einer bestimmten Uhr berechnet, verwechselt den Durchschnitt eines Warenkorbs mit einer konkreten Offerte.

Auch Unternehmensdaten müssen nach Produkt und Zeitraum gelesen werden. Richemont meldete für April bis Juni 2026 bei seinen Schmuckhäusern ein Umsatzwachstum von 24 Prozent zu konstanten Wechselkursen, bei den spezialisierten Uhrenmarken waren es acht Prozent. In China, Hongkong und Macau zusammen entwickelten sich diese Uhrenmarken schwächer als andere Teile der Gruppe.

Diese Mitteilung vom 15. Juli ist keine neue Momentaufnahme des Oktobers. Sie zeigt aber, weshalb die Übertragung eines allgemeinen Luxusurteils auf jede Uhrensparte nicht trägt. Schmuck, Mode und Uhren bedienen unterschiedliche Kaufanlässe. Zudem rechnet ein Konzern seine Umsätze anders zusammen als die Zollstatistik sämtliche Schweizer Exporte.

Drei Messgrössen statt einer Krisenzahl

Die nächsten Kontrollpunkte sind bereits terminiert: Richemont will seine Halbjahresergebnisse am 13. November vorlegen, die FH ihre Oktoberstatistik am 19. November. Erst dann lassen sich neuere Unternehmenszahlen beziehungsweise ein weiterer Exportmonat prüfen. Bis dahin sind Aussagen über das gesamte Herbstgeschäft zwangsläufig vorläufig.

Ein Börsenwert bildet ab, wie Anleger künftige Erträge einschätzen. Er verändert sich auch mit Zinsen, Risikobereitschaft und Erwartungen an Gewinnmargen. Exportwerte messen dagegen Warenströme. Tatsächliche Ladenverkäufe beantworten nochmals eine andere Frage: ob Endkunden die Produkte kaufen. Keine dieser Grössen kann die beiden anderen ersetzen.

Für die Schweiz bleibt deshalb eine nüchterne Zwischenbilanz: Die Auslieferungen wachsen, China bleibt schwierig und einzelne Ländersprünge sind erklärungsbedürftig. Ob sich daraus eine tragfähige Erholung entwickelt, müssen weitere Monatsdaten und Unternehmensberichte zeigen. Eine grosse Börsenverlustzahl ist ein Warnsignal für Erwartungen – aber noch keine Diagnose für jede Werkbank der Uhrenindustrie.

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