Nach den Bränden: Griechenland räumt auf und sorgt sich
Wiederaufbau nach den Feuern – Kritiker fordern mehr Prävention

Nach den Bränden beginnt für Griechenland die zweite Katastrophe
Griechenland kämpft nach einer schweren Waldbrandsaison mit den Folgen der Zerstörung. Tausende Hektar Land sind verbrannt, Häuser wurden zerstört und Menschen mussten evakuiert werden. Die Regierung verspricht Unterstützung – gleichzeitig wächst die Debatte über Prävention und die Folgen des Klimawandels.
Die Flammen sind vielerorts unter Kontrolle, doch die Folgen der Waldbrände werden Griechenland noch lange beschäftigen. In mehreren Regionen sind Wälder, landwirtschaftliche Flächen und Gebäude zerstört worden. Die Behörden erfassen weiterhin die Schäden und bereiten Hilfsmassnahmen für die betroffenen Gemeinden vor.
Besonders schwer getroffen wurden in diesem Sommer unter anderem Teile von Attika, Mittelgriechenland, der Peloponnes sowie die Inseln. Bei den grossen Bränden in Attika zwischen dem 31. Juli und 4. August wurden nach einer Auswertung des National Observatory of Athens rund 45'200 Hektar verbrannt.
Auch auf der Insel Salamina westlich von Athen kam es Mitte August 2026 zu einem schweren Feuer. Mehr als 500 Menschen wurden nach Angaben der Behörden evakuiert. Ein älteres Ehepaar kam ums Leben, mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Häuser wurden beschädigt oder zerstört.
Staatliche Hilfe für die Betroffenen
Die griechische Regierung hat inzwischen konkrete Unterstützungsmassnahmen aktiviert. Am 24. August wurden weitere vom Feuer betroffene Gebiete offiziell abgegrenzt. Damit können unter anderem staatliche Hilfen für die Wiederherstellung beschädigter Gebäude und für vorübergehende Unterbringung in Anspruch genommen werden.
Bereits Anfang August hatte das Ministerium für Klimakrise und Katastrophenschutz ein umfassendes Programm zur Schadenserfassung und Unterstützung der Betroffenen angekündigt. Dazu gehören finanzielle Hilfen sowie Massnahmen zur Wiederherstellung der betroffenen Gebiete.
Wie hoch die Gesamtschäden ausfallen werden, lässt sich derzeit noch nicht abschliessend sagen. Auch die Satellitendaten werden laufend aktualisiert. Das EU-System EFFIS erfasst Brände ab einer Grösse von etwa 30 Hektar und weist darauf hin, dass die Zahlen mit neuen Satellitendaten nachträglich angepasst werden können.
Kritik an Brandschutz und Waldmanagement
Mit den Aufräumarbeiten wächst auch die politische Debatte darüber, ob Griechenland ausreichend auf die zunehmende Brandgefahr vorbereitet ist.
Kritik gibt es unter anderem an der Waldpflege, an der Verfügbarkeit von Einsatzkräften und an den Kapazitäten der Feuerwehr. Reuters berichtete nach den grossen Bränden von Problemen bei den Ressourcen der Einsatzkräfte sowie über den Vorwurf, die Wälder würden nicht ausreichend gepflegt.
Dabei geht es nicht nur um Löschflugzeuge. Experten und Behörden diskutieren auch über Waldmanagement, Brandschneisen, die Entfernung von brennbarem Material und bessere Evakuierungsplanung. Gleichzeitig ist die Ursache einzelner Brände keineswegs immer dieselbe. In Griechenland werden sowohl menschliche Ursachen als auch technische Defekte untersucht.
Ein Beispiel ist ein Grossbrand in Böotien Ende Juli. Reuters berichtete, dass Ermittler dort einen Zusammenhang mit defekten Stromleitungen eines Windparks untersuchten.
Hitze und Trockenheit verschärfen die Gefahr
Unbestritten ist dagegen, dass die Wetterbedingungen die Brände begünstigen. Hohe Temperaturen, Trockenheit und starke Winde lassen die Vegetation schneller austrocknen und können Feuer explosionsartig ausbreiten lassen. Reuters berichtete im August von einer Kombination aus Hitzewellen, Dürre und extrem trockener Vegetation in Griechenland und anderen Teilen Europas.
Der Klimawandel ist dabei ein wichtiger Verstärker, aber nicht die alleinige Erklärung für einzelne Brände. Eine im Juli veröffentlichte wissenschaftliche Studie zu Griechenland kommt zu dem Ergebnis, dass der menschengemachte Klimawandel einen erheblichen Anteil an den gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen ausmacht.
Auch die europäische Entwicklung zeigt, wie aussergewöhnlich die aktuelle Brandsaison ist. Nach Angaben des EU-Forschungszentrums JRC waren bis zum 25. August 2026 europaweit rund 627'600 Hektar verbrannt. Die Zahl liegt zwar unter dem Rekordjahr 2025, aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Die nächste Herausforderung kommt nach dem Feuer
Für die betroffenen Gemeinden beginnt damit eine zweite, wesentlich längere Phase. Beschädigte Häuser müssen wiederaufgebaut, landwirtschaftliche Flächen gesichert und Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur repariert werden.
Nach einem Grossbrand können zudem Bodenerosion und andere Folgeschäden auftreten, insbesondere wenn starke Regenfälle auf weitgehend vegetationsfreie Flächen treffen. Die Wiederherstellung von Wäldern und Ökosystemen kann Jahre oder Jahrzehnte dauern.
Griechenland steht damit vor einer schwierigen Aufgabe: Es muss die unmittelbaren Schäden beseitigen und gleichzeitig seine Strategie für kommende Waldbrandsaisons überdenken. Denn eines hat der Sommer 2026 erneut gezeigt: Nicht nur das Löschen wird schwieriger. Auch die Bedingungen, unter denen Brände entstehen und sich ausbreiten können, verändern sich.



