
Zürcher Spitäler: Mehr Fälle, tiefere Stückkosten – doch die Personalfrage bleibt offen
2025 stiegen stationäre Fälle um 3,4 Prozent, während die bereinigten Fallkosten um 1,6 Prozent sanken. Ein schwächerer Stellenaufbau macht die Belastungsfrage dringlicher, beweist sie aber noch nicht.
Die Zürcher Listenspitäler behandelten 2025 deutlich mehr stationäre Patientinnen und Patienten, während weniger neue Stellen geschaffen wurden als im Vorjahr. Gleichzeitig sanken die durchschnittlichen, um Fallschwere bereinigten Kosten pro Fall erneut. Die drei Befunde zeigen Effizienzgewinne – belegen für sich allein aber noch keine höhere Belastung jeder einzelnen Berufsgruppe.
3,4 Prozent mehr stationäre Fälle
Nach Angaben der Zürcher Gesundheitsdirektion nahm die Zahl der stationären Behandlungen in den Akutspitälern auf der Spitalliste um 3,4 Prozent zu. Ausgenommen sind dabei unter anderem Geburtshäuser und das Sune-Egge. Besonders stark wirkt die demografische Entwicklung: 85 Prozent der zusätzlichen Austritte entfielen auf Menschen über 60 Jahre. Gegenüber 2024 waren es in dieser Altersgruppe 6'115 zusätzliche Fälle.
Das ist mehr als ein kurzfristiger Mengeneffekt. Mit der Alterung der Bevölkerung steigt der Behandlungsbedarf tendenziell, zugleich werden Krankheitsbilder häufiger komplex. Fallzahlen allein sagen deshalb nichts darüber aus, wie pflege- oder zeitintensiv die einzelnen Aufenthalte waren.

Fallkosten sinken trotz höherer Gesamtleistung
Die durchschnittlichen, schweregradbereinigten KVG-Fallkosten lagen 2025 bei 10'770 Franken. Das sind 171 Franken oder 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei zwölf der 21 betrachteten Akutspitäler sanken die Fallkosten, bei neun stiegen sie. Die gesamten Kosten der stationären KVG-Leistungen nahmen wegen der höheren Fallzahl dennoch um 2,1 Prozent zu.
Diese Kombination ist wichtig: Ein tieferer Stückpreis bedeutet nicht automatisch tiefere Gesamtausgaben. Behandelt ein System mehr Fälle, können die Gesamtkosten steigen, obwohl jeder standardisierte Fall im Durchschnitt weniger kostet. Umgekehrt ist eine einzelne Kostensteigerung nicht zwingend ein Zeichen schlechter Effizienz, wenn sich Angebot, Vorhalteleistungen oder Gebäudekosten verändern.
Personal wuchs moderater
Die Gesundheitsdirektion hält fest, dass deutlich weniger neue Stellen geschaffen wurden als 2024. Eine zusammengefasste Zahl für alle neuen Vollzeitstellen nennt die Medienmitteilung jedoch nicht. Der Befund eignet sich deshalb nicht für die Behauptung, die Personaldecke sei im selben Ausmass geschrumpft, wie die Fallzahl stieg.
Für die tatsächliche Arbeitsbelastung wären zusätzliche Kennzahlen nötig: Vollzeitäquivalente nach Berufsgruppe, geleistete Stunden, Schichtbesetzung, Überstunden, Fluktuation, krankheitsbedingte Ausfälle, offene Stellen und der Pflegebedarf pro Fall. Auch kürzere Aufenthalte können Arbeitsprozesse verdichten, weil Aufnahme und Austritt häufiger stattfinden.
Notfälle und Kindermedizin verzerren einfache Vergleiche
Regionalspitäler behandeln rund ein Drittel der stationären KVG-Fälle im Kanton. Häuser mit Notfallstationen tragen zugleich Kosten für rund um die Uhr verfügbare Infrastruktur, auch wenn diese nicht in jeder Stunde ausgelastet ist. Solche Vorhalteleistungen erschweren direkte Ranglisten zwischen Spitälern.
Beim Universitäts-Kinderspital wirkten sich 2025 zudem das erste volle Betriebsjahr im Neubau und die besondere Komplexität der Kindermedizin auf die Kosten aus. Pädiatrische Leistungen lassen sich nicht ohne Weiteres mit dem Fallmix eines allgemeinen Akutspitals vergleichen. Die schweregradbereinigte Kennzahl verbessert die Vergleichbarkeit, beseitigt aber nicht alle strukturellen Unterschiede.
Was die Zahlen tatsächlich zeigen
Gut belegt ist, dass die Zürcher Akutspitäler 2025 mehr stationäre Fälle bewältigten und die bereinigten Durchschnittskosten senkten. Ebenso belegt ist, dass der Stellenaufbau schwächer ausfiel als im Vorjahr. Daraus lässt sich ein Produktivitätsgewinn ableiten: Pro standardisiertem Fall wurden im Durchschnitt weniger Kosten ausgewiesen.
Nicht belegt ist damit automatisch eine Überlastung des Personals. Sie ist angesichts steigender Mengen und eines Arbeitsmarkts mit knappen Fachkräften eine plausible Frage, muss aber mit Personal- und Qualitätsdaten geprüft werden. Patientensicherheit, Wiederaufnahmen, Behandlungsqualität und die Gesundheit der Mitarbeitenden gehören zur Effizienz ebenso wie Franken pro Fall.
Der demografische Druck bleibt
Der zentrale Hinweis der Zahlen liegt deshalb in ihrer Richtung. Mehr ältere Patientinnen und Patienten treffen auf ein System, das Kosten pro Fall senkt und seinen Personalbestand weniger stark ausweitet. Kurzfristig kann das durch bessere Abläufe, Digitalisierung, Ambulantisierung oder veränderte Aufenthaltsdauern gelingen. Dauerhaft braucht es den Nachweis, dass Qualität und Arbeitsbedingungen mithalten.
Die nächste Debatte sollte somit nicht bei «mehr Fälle, weniger Stellen» enden. Entscheidend ist, welche Leistungen mit welcher Personalzeit erbracht werden – und ob die gemessene Effizienz auch für Beschäftigte und Patientinnen tragfähig bleibt.
Quellen
Kanton Zürich: Fallkosten 2025 der Zürcher Spitäler sinken erneut



