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Stethoskop vor einem Laptop mit Händen an der Tastatur
Symbolbild zur digitalen Organisation der Versorgung: Stethoskop und Laptop, 2014. Kein Bild der Notfallpraxis Muri. Daniel Sone / National Cancer Institute, Public Domain (US-Regierungswerk).
GesundheitRecherche22:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Aargau finanziert digitale Wartelisten für Notfallpraxen

Rund 400 000 Franken sollen den Ausbau des Muri-Modells ermöglichen. Das dreijährige Pilotprojekt startet Anfang 2027; ein kantonaler Notfall-Finder soll später folgen.

Der Aargauer Regierungsrat unterstützt den Ausbau digitaler Wartelisten in der ambulanten Notfallversorgung mit insgesamt rund 400 000 Franken. Ein dreijähriges Pilotprojekt soll Anfang 2027 beginnen. Grundlage ist das System der Notfallpraxis des Spitals Muri: Wer ein Ticket löst, erfährt, wann eine Behandlung voraussichtlich möglich ist, und muss nicht die gesamte Wartezeit im Spital verbringen.

Zur Trägerschaft gehören neben Muri die Kantonsspitäler Aarau und Baden sowie das Gesundheitszentrum Fricktal. Nach der Mitteilung des Kantons vom 6. November soll das Ticketingsystem bei den Projektträgern schrittweise eingeführt sein, voraussichtlich bis Mitte 2027. Erst danach ist die Entwicklung und Erprobung eines kantonalen «Notfall-Finders» vorgesehen.

Das Ticket beginnt mit Fragen zu den Beschwerden

In Muri ist das Angebot bereits Alltag. Die Notfallpraxis behandelt nach eigener Beschreibung akute, aber weniger schwere Gesundheitsprobleme, etwa wenn die Hausarztpraxis nicht erreichbar ist. Über die Website können sich Patientinnen und Patienten auf die Warteliste setzen lassen. Dazu beantworten sie Fragen zu ihrem Gesundheitszustand.

Das Spital beschreibt das von Quickticket entwickelte und gemeinsam angepasste System in einem Erfahrungsbericht vom Oktober 2025. Die digitale Vorabklärung soll auch erkennen, wenn jemand unverzüglich medizinische Hilfe braucht, und dann auf den Notruf verweisen. Die angezeigte Wartezeit dient der Planung eines Praxisbesuchs. Sie ist keine abschliessende ärztliche Diagnose.

Der leitende Arzt der Notfallpraxis, Philipp Rischer, erläutert dort die Grenze am Beispiel von Bauchschmerzen: Ob eine harmlose Verdauungsstörung oder eine Blinddarmentzündung dahinterstecke, lasse sich online nicht abschliessend entscheiden. Die Triage im Spital, also die Einschätzung der medizinischen Dringlichkeit, bleibe deshalb zentral.

Eine Hand hält ein Smartphone
Symbolbild von 2021: Ein Smartphone kann den Bezug eines Online-Tickets ermöglichen. Das abgebildete Display zeigt nicht Quickticket. Mictlancihuatl / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Auch ohne Smartphone bleibt der Zugang offen

Wer keinen Computer oder kein Smartphone hat, kann das Ticket weiterhin vor Ort in der Notfall-Triage beziehen. Dies hält das Spital in seinen aktuellen Patienteninformationen ausdrücklich fest. Ein digitales Gerät ist damit in Muri keine Voraussetzung für den Zugang zur Notfallpraxis. Ein am Computer bezogenes Ticket kann über seinen QR-Code auf das Smartphone übertragen und so mitgebracht werden.

Die Praxis ist montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr geöffnet, an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 21 Uhr. Sie befindet sich im zweiten Stock von Haus 2, erreichbar über den Haupteingang. Diese Zeiten gelten für die Notfallpraxis, nicht für sämtliche Notfalldienste des Spitals.

Für lebensbedrohliche Situationen verweist das Spital unmittelbar an den Sanitätsnotruf 144. Betroffene sollen in einem solchen Fall nicht auf einen freien Platz in einer digitalen Warteliste warten. Auch ein ausgebuchtes Ticketangebot ist keine medizinische Beurteilung, wie dringlich die Beschwerden sind.

Der Kanton berichtet über mehr Planbarkeit

Nach Angaben der Regierung wird in Muri bereits fast die Hälfte der Tickets digital bezogen. Wartezeiten seien besser planbar und könnten teilweise ausserhalb des Spitals verbracht werden. Das entlaste die Wartebereiche und erleichtere dem Personal die Organisation. Die digitale Selbsteinschätzung habe sich grösstenteils als korrekt erwiesen.

Eine genaue Fehlerquote oder eine bezifferte Verkürzung der gesamten Wartezeit veröffentlicht der Kanton in dieser Mitteilung nicht. Die positiven Erfahrungen stammen zudem aus dem Betrieb in Muri. Ob sich die Abläufe an den weiteren Standorten gleich verbessern, wird mit dem Ausbau erst erprobt.

Die Warteliste löst die Personalfrage nicht

Der Gesundheitsverband vaka ordnet die digitale Steuerung in ein grösseres Notfallmodell ein. In seiner Darstellung fehlen zunehmend Hausärztinnen und Hausärzte für Abend- und Wochenenddienste. Vorgelagerte Notfallpraxen sollen zusätzliche Aufgaben übernehmen. Der Verband sieht dabei auch Finanzierungsprobleme: Die geltenden ambulanten Tarife deckten die Kosten nicht. Das ist die Einschätzung der Leistungserbringer, keine Erfolgsrechnung des neuen Pilotprojekts.

Beim geplanten Notfall-Finder kommt eine weitere Aufgabe hinzu: Er soll die Auslastung verschiedener Notfallpraxen in Echtzeit anzeigen und die Verteilung auf geeignete Behandlungsorte verbessern. Dafür müssen künftig mehrere Standorte zusammenarbeiten. Der heute verfügbare Muri-Service und die erst geplante kantonale Übersicht sind deshalb zwei verschiedene Ausbaustufen. Für den nächsten Schritt steht zunächst die Einführung der Wartelisten bis voraussichtlich Mitte 2027 an.

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