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Säulen und Kantonswappen an der Fassade des Bundeshauses in Bern
Teilansicht des Bundeshauses in Bern. Archivaufnahme vom 25. Juni 2015; kein Bild des Workshops in Thun. Foto: Zinneke / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
SchweizAnalyse19:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Schweiz erforscht militärische Täuschung mit NATO-Partnern

Ein Workshop in Thun fand bereits im Januar statt. Er zeigt, wie armasuisse zivile und militärische Fachleute vernetzt – ohne damit eine Beschaffung anzukündigen.

Die Schweiz arbeitet mit NATO-Partnern an der Frage, wie militärische Täuschung unter moderner Aufklärung wirksam bleiben kann. armasuisse und die NATO Science and Technology Organisation, kurz STO, brachten dafür mehr als 90 Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und Verteidigung in Thun zusammen. Der Workshop fand am 14. und 15. Januar 2026 statt, nicht erst im November.

Die Mitteilung auf der armasuisse-Webseite trägt einen Veröffentlichungsvermerk vom 6. November, nennt im Text jedoch ausdrücklich die Januardaten. Daraus lässt sich weder ein zweites Treffen noch ein inzwischen abgeschlossenes Forschungsprojekt ableiten. Öffentlich beschrieben werden ein Austausch über technische Ansätze und die Suche nach gemeinsamen Forschungszielen.

Drohnen und Satelliten verändern die Aufklärung

armasuisse begründet den Forschungsbedarf mit besseren Aufklärungsmöglichkeiten. Sensoren auf Drohnen und Satelliten, ihre Vernetzung sowie die KI-gestützte Auswertung vergrösserten die Fähigkeit, militärische Aktivitäten zu erkennen. Täuschung müsse deshalb technisch weiterentwickelt werden. Das Bundesamt betrachtet sie als Bestandteil einer künftigen Verteidigungsfähigkeit.

In Thun ging es nach Angaben der Veranstalter um neue Materialien und Herstellungsverfahren sowie um Methoden, mit denen sich die Wirksamkeit von Täuschmassnahmen bewerten lässt. Industrievertretende stellten bestehende Produkte vor. Konkrete Testergebnisse, eine Rangliste der Lösungen oder einen Kaufentscheid veröffentlicht die Mitteilung nicht. Auch eine vollständige Liste der beteiligten Firmen und Forschungseinrichtungen enthält sie nicht.

Mehr Zugang zur Forschung seit März 2025

Die Zusammenarbeit beruht nicht auf einem eigens für diesen Workshop geschaffenen Bündnis. armasuisse vertritt die Schweiz bereits in der STO und beteiligt sich innerhalb der Partnerschaft für den Frieden an ausgewählten Forschungsaktivitäten. Eine erweiterte Rolle kam im März 2025 hinzu: Die Schweiz wurde in die Science and Technology Enhanced Partnership aufgenommen.

armasuisse erläuterte diesen Schritt am 7. April 2025. Aufgrund ihrer bisherigen Forschungsbeiträge war die Schweiz eingeladen worden, regelmässig an den Sitzungen des Science and Technology Board teilzunehmen. Dieser Lenkungsausschuss steuert die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit. Für die Sitzung vom 7. bis 9. April in Brüssel kündigte das Bundesamt an, die eigenen Prioritäten der Forschungs- und Technologieentwicklung vorzustellen.

Nach Darstellung der NATO gehören auch Australien, Japan, Südkorea und die Ukraine zu dieser erweiterten Forschungspartnerschaft. Sie ermöglicht eine Beteiligung am strategischen Austausch und an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Die Themen reichen über militärische Täuschung hinaus: Die NATO nennt unter anderem Medizin, Sensorik, Cybersicherheit sowie Antriebs- und Energiesysteme.

Verkabelte Server in einem Rechenzentrum
Server der Wikimedia Foundation, 16. Juli 2012. Archiv- und Symbolbild für vernetzte Technik; keine Aufnahme eines militärischen Forschungsprojekts. Foto: Victorgrigas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Ein Rahmen für ausgewählte Zusammenarbeit

Die breitere Kooperation zwischen der Schweiz und der NATO wird in einem individuell zugeschnittenen Partnerschaftsprogramm festgehalten. Das EDA veröffentlichte die vereinbarten Ziele für 2025 bis 2028 am 18. Dezember 2025. Es bezeichnet das Programm ausdrücklich als rechtlich nicht verbindlich. Der Bundesrat legt dafür die thematischen Schwerpunkte fest; innerhalb dieses Rahmens werden gemeinsame Ziele vereinbart.

Dazu gehören nach Angaben des EDA der politische Dialog und die bessere Zusammenarbeitsfähigkeit der Armee, etwa bei Kommunikationssystemen oder der Luftwaffe. Hinzu kommen Weltraumfragen, Widerstandsfähigkeit sowie Rüstungskontrolle, Abrüstung und die Nichtverbreitung von Waffen. Diese Breite erklärt, weshalb Forschungsaktivitäten neben anderen Formen der sicherheitspolitischen Kooperation stehen.

Die Schweiz beteiligt sich seit 1996 an der Partnerschaft für den Frieden. Die NATO beschreibt die Zusammenarbeit als an der schweizerischen Neutralität und gemeinsamen praktischen Interessen ausgerichtet. Das EDA hält die Aktivitäten des Partnerschaftsprogramms ebenfalls für mit der Neutralität vereinbar. Eine Forschungsbeteiligung ist damit keine Ankündigung eines NATO-Beitritts.

Vom Produktvortrag bis zur Beschaffung bleiben Schritte offen

Der Thuner Workshop diente laut armasuisse dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung ziviler und militärischer Partner. Wissen anderer Staaten soll in die schweizerische Fähigkeitsentwicklung einfliessen. Welche der besprochenen Technologien sich dafür eignen, beantwortet ein solches Treffen allein noch nicht.

Für eine spätere Beurteilung wären veröffentlichte Versuchsresultate und konkrete Projekt- oder Beschaffungsentscheide aussagekräftiger als die Zahl der Teilnehmenden. Solche Ergebnisse legt die Workshop-Mitteilung nicht vor. Sie dokumentiert, an welchen Fragen die Beteiligten arbeiten – nicht, dass ein neues Täuschsystem bereits für die Schweizer Armee bestellt oder einsatzbereit ist.

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