Neueste Meldungen
Stethoskop vor einem Laptop mit Händen an der Tastatur
Symbolbild zur digitalen Gesundheitsversorgung, keine Aufnahme bei gleis d oder Medi Porta. Archivaufnahme von 2014. Foto: Daniel Sone / National Cancer Institute, via Wikimedia Commons. Lizenz: Public Domain (US-Bundesbehörde).
GesundheitRecherche16:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Bei Churer Gesundheitszentren wurden Rezepte und Röntgenbilder gestohlen

Gleis d und Medi Porta bestätigen den Abfluss von Patienten- und Personaldaten. Wer keine persönliche Nachricht erhalten hat, kann trotzdem betroffen sein.

Beim Medizinischen Zentrum gleis d und der zugehörigen Medi Porta in Chur sind persönliche und medizinische Daten gestohlen worden. Nach Angaben der Betreiber gehören Namen, Adressen, Rezepte und Röntgenbilder dazu. Auch Daten von Mitarbeitenden seien abgeflossen. Die Einrichtungen bestätigten den Vorfall in einer Mitteilung vom 2. November 2026; das Fachmedium Inside IT berichtete am 6. November darüber.

Die medizinische Versorgung sei weiterhin vollständig gewährleistet, erklären die Zentren. Der Angriff habe weder Diagnose noch Behandlung beeinträchtigt. Für Patientinnen und Patienten bedeutet der laufende Betrieb allerdings keine Entwarnung beim Datenschutz: Bereits entwendete Informationen können ausserhalb der Einrichtung weiterverwendet werden.

Lokale Speicher statt der separaten Patientendokumentation

Die Betreiber grenzen die betroffenen Systeme ein. Angegriffen worden seien lokale Datenspeicherorte. Die elektronische Patientendokumentation werde in einer separaten Applikation geführt und sei nicht betroffen. Die Aussage bezieht sich damit auf ein bestimmtes System. Sie bedeutet nicht, dass keine medizinischen Unterlagen gestohlen wurden: Rezepte und Röntgenbilder nennt dieselbe Mitteilung ausdrücklich als abgeflossene Daten.

Zusammen mit dem IT-Partner und externen Cyberspezialisten habe man den Angriff gestoppt, die Systeme gesichert und erkannte Sicherheitslücken geschlossen. Ein vollständiges Verhindern des Datenabflusses sei trotz kurzer Reaktionszeit nicht gelungen. Weitere Untersuchungen laufen; der IT-Partner prüfe mit externen Fachleuten, ob zusätzliche Änderungen an den Sicherheitssystemen nötig seien.

Wann die Angreifer erstmals eindrangen, welche konkrete Schwachstelle sie nutzten und wie viele Personen betroffen sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Ein Datum für den Angriff selbst lässt sich aus dem Veröffentlichungsdatum deshalb nicht ableiten.

Verkabelte Server in einem Rechenzentrum
Server der Wikimedia Foundation, aufgenommen am 16. Juli 2012. Archiv- und Symbolbild; es zeigt keine Infrastruktur der angegriffenen Gesundheitszentren. Foto: Victorgrigas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Keine persönliche Nachricht ist keine Entwarnung

In einer ergänzenden Patienteninformation beantworten die Zentren eine naheliegende Frage: Wer bisher nicht persönlich informiert worden sei, könne trotzdem betroffen sein. Die Einrichtungen verweisen auf ihre öffentliche Kommunikation über verschiedene Kanäle. Auch ehemalige Patientinnen und Patienten würden über die Medienmitteilung erreicht. Eine abgeschlossene persönliche Benachrichtigung sämtlicher Betroffenen wird darin nicht bestätigt.

Mit den betroffenen Mitarbeitenden stehe man direkt in Kontakt, heisst es in der Mitteilung. Für individuelle Fragen nennen die Zentren eine gemeinsame Anlaufstelle unter der Telefonnummer 081 287 70 90. Wer klären möchte, ob eigene Unterlagen betroffen sind, kann sich dort melden. Eine verlässliche Liste aller entwendeten Datensätze ist öffentlich nicht enthalten.

Betrüger könnten echte Angaben verwenden

Die Zentren warnen vor Nachrichten und Anrufen, die ihre Absenderidentität vortäuschen. Namen und Adressen können dabei helfen, eine erfundene Geschichte glaubwürdig zu machen. Als weitere mögliche Folge nennen die Betreiber Identitätsmissbrauch, etwa Bestellungen unter einem fremden Namen. Das sind Risiken des Datenabflusses, keine Bestätigung bereits erfolgter Betrugsfälle.

In ihren veröffentlichten Antworten erklären die Einrichtungen vielmehr, zu Betrugsversuchen in ihrem Namen lägen ihnen keine Informationen vor. Sie betonen zugleich, dass sie per E-Mail, SMS oder Telefon keine Passwörter, Bankdaten oder Zahlungen verlangen. Wer eine entsprechende Aufforderung erhält, soll nicht antworten und den Vorgang bei den Zentren melden.

Auch Rechnungen und Mahnungen sollten Betroffene prüfen: Ist der Absender bekannt, wurde die Leistung tatsächlich bezogen und stimmen die Zahlungsangaben? Eine angezeigte Telefonnummer allein bietet nach den Warnhinweisen keine Sicherheit, weil sie gefälscht sein kann.

Die behaupteten 87 Gigabyte bleiben eine Täterangabe

Laut Inside IT beansprucht die Ransomware-Gruppe Cloak die Tat für sich. Die Gruppe behaupte im Darknet, 87 Gigabyte Daten erbeutet zu haben, darunter Ausweis- und Finanzunterlagen. Diese Mengen- und Inhaltsangaben sind nicht unabhängig bestätigt. Ob eine Lösegeldforderung vorliegt, wollte das Zentrum gegenüber dem Fachmedium nicht beantworten.

Nach eigenen Angaben haben die Betreiber Strafanzeige erstattet sowie das Bundesamt für Cybersicherheit und den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten informiert. Eine eigene Bestätigung dieser Stellen liegt in den veröffentlichten Unterlagen nicht vor.

Patientinnen und Patienten können laut der ergänzenden Information Auskunft über ihre Daten verlangen. Medizinische Unterlagen müssen die Zentren während der gesetzlichen Fristen aufbewahren; darüber hinaus würden Löschbegehren nach geltendem Recht geprüft. Wer die behandelnde Einrichtung wechselt, kann seine Unterlagen sich selbst oder der neuen Ärztin beziehungsweise dem neuen Arzt übergeben lassen.

Quellen

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.