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GesundheitRecherche13:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Vier lokale Chikungunya-Fälle im Tessin bestätigt

Die Behörden bekämpfen Tigermücken in der Magadinoebene. Das aktuelle Risiko ist laut Kanton sehr niedrig – auch wegen der auslaufenden Mückensaison.

Asiatische Tigermücke auf menschlicher Haut vor grünem Hintergrund, Archivaufnahme
Asiatische Tigermücke beim Stich. Symbolbild, keine Aufnahme aus der Tessiner Infektionskette. Archivaufnahme von 2002. Urheber: James Gathany / CDC. Quelle: CDC Public Health Image Library 2165 via Wikimedia Commons. Lizenz: Public Domain (US-Bundesbehörde).

Vier Menschen haben sich im Tessin mit dem Chikungunya-Virus angesteckt, ohne kürzlich in ein Gebiet mit Viruszirkulation gereist zu sein. Die kantonalen Gesundheitsbehörden bestätigten die Fälle am 4. November 2026. Sie ordnen sie der Magadinoebene zu. Es sind die ersten gemeldeten lokalen Übertragungen dieser Krankheit in der Schweiz.

Den Betroffenen geht es nach Angaben des Kantons gut, abgesehen von anhaltenden Gelenkbeschwerden. Für die Bevölkerung stuft er das gegenwärtige Risiko als sehr niedrig ein: Die Zahl der bekannten Fälle ist klein, und mit dem fortschreitenden Herbst nimmt die Aktivität der Mücken ab. Besondere Massnahmen über den üblichen Schutz vor Mückenstichen hinaus hält der Kanton derzeit nicht für nötig.

Der Kanton behandelt die betroffenen Zonen

Das Tessiner Kantonsarztamt hat zusammen mit der Fachhochschule SUPSI, den Gemeinden und den zuständigen Bundesstellen epidemiologische Abklärungen und Massnahmen zur Mückenbekämpfung eingeleitet. Lokale Behandlungen sollen die Zahl der noch aktiven Tigermücken zusätzlich senken. Welche einzelnen Grundstücke behandelt wurden, nennt die Mitteilung nicht.

Dabei baut der Kanton auf die seit Jahren bestehende Überwachung der Tigermücke. Das Bundesamt für Gesundheit hat mit Kantonen und Fachinstitutionen zudem einen Massnahmenplan gegen Dengue, Chikungunya und Zika erarbeitet. Er soll frühes Erkennen und rasche, gezielte Reaktionen ermöglichen. Die Umsetzung erfolgt auf kantonaler Ebene.

Für eine lokale Infektionskette müssen mehrere Dinge zusammenkommen. Eine Mücke nimmt das Virus beim Stich einer infizierten Person auf. Erst nachdem es sich in ihr vermehrt hat, kann sie weitere Menschen anstecken. Eine aus dem Ausland zurückkehrende Person kann das Virus so in eine Region mit Tigermücken bringen. Die konkrete Ausgangsperson der Tessiner Fälle ist in der kantonalen Mitteilung jedoch nicht benannt.

Archivpanorama der Magadinoebene mit dem Fluss Ticino und dem Lago Maggiore
Die vier Fälle werden der Magadinoebene zugeordnet. Das Archivpanorama vom 6. Oktober 2003 zeigt keine konkreten Infektionsorte. Bild: LittleJoe / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Weniger Mücken im Herbst, längere Saison bei Wärme

Dass Tigermücken im Tessin vorkommen, ist nicht neu. Neu ist der Nachweis, dass sie hier Chikungunya weitergegeben haben. Pie Müller, Leiter der Vektorbiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut Swiss TPH, hatte mit dieser Möglichkeit gerechnet. Er bewertet die Gefahr weiterer Übertragungen wegen der nachlassenden Mückenaktivität ebenfalls als sehr gering.

Die Entwarnung gilt damit für die aktuelle Situation, nicht für jede kommende Saison. Müller weist darauf hin, dass warme Herbstbedingungen Mücken länger aktiv halten und die Vermehrung des Virus in ihnen beschleunigen können. Sein Institut überwacht Tigermücken im Auftrag von Bund und Kantonen und prüft die Wirksamkeit örtlicher Bekämpfungsmassnahmen.

Frankreich greift gezielt ein, Italien überwacht landesweit

In Frankreich können die regionalen Gesundheitsagenturen gezielte Einsätze gegen Mücken veranlassen, sobald sie ein Gesundheitsrisiko feststellen. Die staatliche Gesundheitsagentur Santé publique France beschreibt dafür streng geregelte Eingriffe, die auch erwachsene Mücken erfassen: Diese könnten zuvor einen Erkrankten gestochen haben und das Virus in der Nachbarschaft weitertragen. Hinzu kommen das Beseitigen von Brutstätten und der persönliche Stichschutz.

Italien erfasst Chikungunya in seiner besonderen Überwachung mückenübertragener Krankheiten. Das Gesundheitsinstitut ISS koordiniert diese mit dem Gesundheitsministerium; Ziel sind das frühe Erkennen von Fällen und das Eindämmen der Ausbreitung. Im am 5. November veröffentlichten Stand bis 3. November 2026 weist es 30 bestätigte Chikungunya-Fälle aus. Einer wurde als lokal erworben eingestuft, die übrigen waren mit Auslandsreisen verbunden. Todesfälle meldet das ISS für diese Fälle nicht. Die Angaben betreffen Chikungunya, nicht die deutlich höheren italienischen Dengue-Zahlen.

Nach einer Reise noch 14 Tage vor Stichen schützen

Wer aus einem betroffenen Reisegebiet zurückkommt und Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Ausschlag oder Kopfschmerzen entwickelt, sollte ärztlichen Rat suchen und die Reiseziele nennen. Der Tessiner Kanton empfiehlt Rückkehrenden auch ohne Symptome während der ersten 14 Tage konsequenten Mückenschutz. So soll eine unbemerkte Infektion nicht von örtlichen Mücken aufgenommen werden.

Chikungunya kann starke Gelenkschmerzen verursachen, die länger anhalten als das Fieber. Schwere Verläufe sind laut BAG insbesondere bei Neugeborenen, älteren Menschen und chronisch Kranken möglich. Eine spezifische antivirale Behandlung gibt es nicht; behandelt werden die Beschwerden.

Rund ums Haus lässt sich die Vermehrung der Tigermücke durch das Entfernen, Abdecken oder regelmässige Leeren kleiner Wasserbehälter begrenzen. Auch Untersetzer, Eimer und Giesskannen können Brutplätze bieten. Solche Stellen zu beseitigen, ergänzt die behördlichen Einsätze unmittelbar am Wohnort.

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