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WHO-Hauptgebäude in Genf mit Glasfassade und Bäumen
Hauptgebäude der WHO in Genf, Archivaufnahme vom 28. Oktober 2013. Thorkild Tylleskar / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, unverändert. Original und Lizenz im Quellenblock.
GesundheitRecherche19:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

WHO empfiehlt zwei Ebola-Impfstoffkandidaten für Kongo-Studie

Die Präparate von Oxford und Moderna richten sich gegen das Bundibugyo-Virus. Nationale Genehmigungen stehen noch aus; Ergebnisse werden Anfang 2027 erwartet.

Zwei gezielt gegen das Bundibugyo-Virus entwickelte Impfstoffkandidaten sollen in der Demokratischen Republik Kongo in einer laufenden Studie geprüft werden. Eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO einberufene Expertengruppe hat ihre Aufnahme empfohlen, teilte die Organisation am 4. November mit. Nationale Genehmigungen sind noch erforderlich. Eine Zulassung zur allgemeinen Anwendung ist damit nicht verbunden.

Es handelt sich um ChAdOx1 der Universität Oxford und des Serum Institute of India sowie mRNA-1469 von Moderna. Die Empfehlung beruht auf präklinischen und frühen klinischen Daten. Ob die Präparate im aktuellen Ausbruch tatsächlich vor einer Erkrankung schützen, soll nun unter Bedingungen geprüft werden, unter denen Menschen dem Virus ausgesetzt sind.

Ein bekannter Ebola-Impfstoff reicht als Beleg nicht aus

Gegen Bundibugyo gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Ervebo, ein bereits zugelassenes Ebola-Präparat, richtet sich gegen einen anderen Erreger, das früher als Zaire-Ebolavirus bezeichnete Ebola-Virus. Sein Schutz lässt sich nicht einfach auf Bundibugyo übertragen. Auch Ervebo wird deshalb in der Tumaini-Studie auf seine Wirkung gegen diesen Erreger untersucht.

Die Studie begann am 23. Oktober in Bunia in der Provinz Ituri mit der Impfung der ersten teilnehmenden Person. Nach Angaben der finanzierenden Forschungskoalition CEPI handelt es sich um eine Phase-II/III-Studie. Das kongolesische Institut National de Recherche Biomédicale und die Universität Antwerpen leiten und tragen sie gemeinsam; das Gesundheitsministerium des Landes übernimmt die nationale Führung und Aufsicht.

Kontaktpersonen bilden die Impfringe

Tumaini ist als anpassbare Plattform angelegt. Mehrere Präparate können innerhalb desselben Studienrahmens parallel untersucht werden. Die Forschenden prüfen Sicherheit, Immunantwort und Schutzwirkung. Neue Kandidaten werden nach einem Priorisierungsverfahren ausgewählt; Änderungen des Studienprotokolls müssen von der kongolesischen Arzneimittelbehörde ACOREP genehmigt werden.

Für die Untersuchung werden Kontakte von bestätigten Erkrankten in sogenannte Impfringe aufgenommen. Die WHO meldet bereits vier solcher Ringe, weitere werden vorbereitet. Erfasst werden auch Kontakte von Menschen, die an Ebola gestorben sind. Dieser Ansatz konzentriert die Forschung auf Personen, bei denen eine Ansteckung möglich ist, statt eine beliebige Bevölkerungsgruppe zu impfen.

CEPI beschreibt zudem die Einbeziehung von Schwangeren und Kindern ab zwölf Jahren; bei Ervebo können Kinder ab einem Jahr teilnehmen. Die Altersgrenzen sind damit nicht für alle Kandidaten gleich. Über eine Ausweitung auf jüngere Kinder bei bestimmten Präparaten werde noch diskutiert. Die Studie soll so Daten auch für Gruppen liefern, die in früheren Untersuchungen häufig untervertreten waren.

Nachkolorierte Elektronenmikroskopaufnahme eines fadenförmigen Ebola-Viruspartikels
Nachkolorierte Elektronenmikroskopaufnahme eines Ebola-Viruspartikels. Archiv- und Symbolbild, keine Probe aus dem aktuellen Bundibugyo-Ausbruch. CDC/Cynthia Goldsmith / Wikimedia Commons / Public Domain.

Was frühe Studien bereits prüfen können

Für Modernas Kandidaten hatte Health Canada am 30. Juli eine Phase-I-Studie genehmigt. Dabei geht es zunächst um die Sicherheit bei gesunden Teilnehmenden, die geeignete Dosierung und mögliche Nebenwirkungen. Gemessen wird auch, ob das Immunsystem Antikörper gegen Bundibugyo bildet. Die Teilnehmenden werden nicht mit dem krankmachenden Virus infiziert.

Solche Daten sind wichtig, beantworten aber eine andere Frage als eine Wirksamkeitsstudie während eines Ausbruchs. Eine nachweisbare Immunantwort bedeutet noch nicht, dass genügend Menschen vor der Erkrankung geschützt werden. Health Canada betont deshalb, dass nach der ersten Phase weitere klinische Prüfungen nötig sind, bevor ein Antrag auf Marktzulassung gestellt werden kann. Auch dann müssen Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität belegt sein.

Europa bewertet das Ansteckungsrisiko weiterhin getrennt

Der Ausbruch bleibt vor allem für die betroffenen afrikanischen Regionen eine schwere Belastung. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC meldete am 3. November für den Kongo 10’532 bestätigte Fälle und 5126 zugehörige Todesfälle. Die Zahlen beruhen auf Daten bis zum 1. November und werden laufend überprüft und abgeglichen.

Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum bewertet das ECDC weiterhin als sehr gering. Es erwartet, dass mögliche importierte Fälle rasch erkannt und isoliert werden. Diese Einschätzung ist keine Aussage über die Wirksamkeit der neuen Impfstoffe und keine eigenständige Schweizer Risikobewertung.

Die WHO erwartet Ergebnisse der Impfstudie Anfang 2027. Bis dahin bleiben die beiden neuen Präparate Gegenstand der Forschung. Frühe Versorgung, Kontaktverfolgung und Isolation werden durch die Empfehlung nicht ersetzt.

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