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Innenhof des Googleplex in Mountain View auf einer Archivaufnahme vom Juni 2014.
Innenhof des Googleplex in Mountain View, Kalifornien, aufgenommen am 12. Juni 2014. Archivbild. Foto: Runner1928 / Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0; unverändert.
WirtschaftAnalyse17:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Alphabet: Investitionen übersteigen den operativen Geldzufluss

Google verdient operativ mehr, der Gewinn je Aktie enttäuscht dennoch. Die Quartalsrechnung zeigt zwei verschiedene Belastungen: Wertpapierverluste und hohe Auszahlungen für Anlagen.

Alphabets Quartalszahlen vom 28. Oktober 2026 ergeben ein widersprüchliches Bild: Der Umsatz wächst kräftig und das operative Ergebnis steigt. Gleichzeitig enttäuscht der Gewinn je Aktie, während die Auszahlungen für neue Anlagen den Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft übersteigen. Dieser Finanzierungsbedarf ist auf Quartalsebene belegt, aber noch kein Beleg dafür, dass das Werbegeschäft die KI grundsätzlich nicht mehr tragen kann.

Bloomberg berichtete nach Veröffentlichung der Zahlen über fallende Kurse im nachbörslichen Handel. Der Gewinn je Aktie betrug 2.12 Dollar statt der erwarteten 2.99 Dollar. Beim Umsatz ohne Zahlungen an Vertriebspartner standen 111,2 Milliarden Dollar einer Erwartung von 111,3 Milliarden gegenüber. Die Originalrechnung hilft zu verstehen, warum diese Abweichungen nicht dieselbe Geschichte erzählen.

Die Werbung bleibt eine grosse Einnahmequelle

Alphabet weist für das dritte Quartal 127,577 Milliarden Dollar Gesamtumsatz aus, gegenüber 102,346 Milliarden im Vorjahr. Davon entfielen 82,012 Milliarden auf Werbung. Das entspricht nach eigener Berechnung rund 64 Prozent der Erlöse. Google Search, YouTube-Werbung und das Werbenetzwerk legten zusammen gegenüber den 74,182 Milliarden des Vorjahres zu.

Der Konzern ist damit weiterhin stark von Anzeigen abhängig. Doch die These eines bereits eingebrochenen Werbegeschäfts wird von diesen Zahlen nicht gestützt. Zugleich hat sich der Cloud-Umsatz mit 30,709 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Ein hoher prozentualer Zuwachs in einem kleineren Geschäft und ein grosser absoluter Beitrag der Werbung können gleichzeitig zutreffen. Für die Finanzierung zählt beides, nicht nur die spektakulärere Wachstumsrate.

Warum operativer Erfolg und Gewinn auseinanderlaufen

Das operative Ergebnis stieg von 31,228 auf 40,576 Milliarden Dollar. Der den Stammaktionären zurechenbare Nettogewinn sank dagegen von 34,979 auf 26,170 Milliarden. Zwischen dem laufenden Geschäft und dem Ergebnis für die Aktionäre liegen weitere Ertrags- und Aufwandsposten, Steuern und die Verteilung auf die Kapitalgeber.

Besonders deutlich ist der Wechsel bei den Wertpapieren: Alphabet meldet auf Eigenkapitalanlagen einen Verlust von rund 8,7 Milliarden Dollar, nach einem Gewinn von rund 10,7 Milliarden im Vorjahresquartal. Laut Unternehmen minderte der aktuelle Verlust den Gewinn je Aktie nach Steuereffekt um 0.55 Dollar. Dieser Posten belastet also das ausgewiesene Ergebnis, ist aber keine laufende Rechnung für den Betrieb eines Rechenzentrums. Er erklärt auch nicht automatisch jede Abweichung von Analystenschätzungen.

Server-Schränke im NOIRLab in Tucson als Symbol für technische Infrastruktur; keine Google-Anlage.
Technische Infrastruktur bindet Kapital. Symbolaufnahme aus dem NOIRLab in Tucson von 2022, kein Google-Rechenzentrum. Foto: NOIRLab/NSF/AURA/T. Slovinský / Wikimedia Commons, CC BY 4.0; unverändert.

Die Belastung beim Geldfluss ist real

Für die Investitionsfrage ist eine andere Rechnung aussagekräftiger. Alphabet erzielte im Quartal 42,290 Milliarden Dollar operativen Geldzufluss. Für Sachanlagen wurden 51,355 Milliarden ausgezahlt. Die Differenz beträgt minus 9,065 Milliarden Dollar. So definiert das Unternehmen seinen freien Cashflow: laufender Geldzufluss abzüglich dieser Investitionsauszahlungen.

Diese Kennzahl darf weder als Nettogewinn noch als gesamter Kassenbestand gelesen werden. Über die letzten zwölf Monate blieb der freie Cashflow mit 19,747 Milliarden Dollar positiv. Im Quartal nahm Alphabet zudem durch Aktienausgaben netto rund 12,4 Milliarden Dollar und durch neue vorrangige unbesicherte Anleihen netto 28,7 Milliarden ein. Die Finanzierung erfolgt also nicht ausschliesslich aus dem laufenden Geschäft. Bereits im zweiten Quartal war der freie Cashflow mit minus 5,855 Milliarden Dollar negativ. Es handelt sich damit um das zweite negative Quartal in Folge, nicht jedoch um zwölf durchgehend negative Monate.

Die Quartalsrechnung trennt nicht jeden ausgegebenen Dollar in eine reine KI-Anlage und andere Nutzung. Ebenso enthält Google Services mehr als Werbung, während gewisse gemeinsame KI-Forschungskosten auf Konzernebene erfasst werden. Aus einem einzelnen Segmentgewinn lässt sich deshalb keine vollständige Rentabilität des gesamten KI-Programms errechnen. Die richtige offene Frage lautet, ob künftige zusätzliche Erträge die Investitionen über deren Nutzungsdauer rechtfertigen.

Was Schweizer Werbekunden daraus ableiten können

Eine fallende Aktie ist keine Preisliste für Anzeigen. Google beschreibt den tatsächlichen Klickpreis als Ergebnis einer Auktion, bei der unter anderem Konkurrenz, Gebot, Anzeigenqualität und Suchkontext zählen. Aus dem Konzernbedarf an Kapital folgt deshalb kein bestimmter Aufschlag für eine Schweizer Kampagne.

Für ein Schweizer Unternehmen sind Kosten je gewonnener Anfrage oder Bestellung der sinnvollere Prüfpunkt. Für Anleger wiederum gehört zur Einordnung, ob bessere operative Erträge auch nachhaltig mehr verfügbares Geld schaffen. Die aktuellen Zahlen zeigen Wachstum und eine hohe Investitionsbelastung zugleich. Wer daraus pauschal ein gescheitertes KI-Geschäft macht, urteilt zu früh; wer nur auf Wachstum blickt, übersieht die Finanzierung.

Quellen

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