Neueste Meldungen
Blick von der Quaibrücke auf die leicht verschneite Zürcher Altstadt und die Limmat
Zürcher Altstadt und Limmat, Archivaufnahme vom 11. Januar 2026. Albinfo / Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0. Ausschnitt der Darstellung.
ReisenAnalyse22:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Zürich belegt Rang zwei im Sicherheitsranking eines US-Reiseversicherers

Montréal führt die Liste für 2027 an. Befragt wurden US-Reisende; auch einer der zusätzlich verwendeten Indizes beruht auf persönlichen Einschätzungen.

Zürich liegt im neuen Städte-Sicherheitsranking von Berkshire Hathaway Travel Protection auf Platz zwei. Vor der Schweizer Stadt steht Montréal, dahinter folgen Amsterdam, Tokio und Reykjavik. Der US-Reiseversicherer veröffentlichte seine Empfehlungen für das Reisejahr 2027 am 28. Oktober 2026. Zürich verbessert sich gegenüber der Vorjahresliste um einen Platz.

Der Vergleich umfasst 38 bei US-Reisenden beliebte Städte. Mehr als 1500 Personen wurden gefragt, welche davon sie besucht hatten. Nur eigene Reiseerfahrungen durften in die jeweilige Bewertung einfliessen. Die Befragung fand im August statt. Dazu kommen Indizes von Numbeo und The Economist sowie Bewertungen von GeoSure Global, die der Anbieter zu einem gewichteten Ergebnis verbindet.

Die zusätzliche Datenquelle ist ebenfalls eine Umfrage

Wer neben Reiseerfahrungen auch amtliche Fallzahlen erwartet, muss genauer hinsehen. Numbeo erklärt selbst, dass sein Kriminalitätsindex aus Antworten von Website-Besuchern entsteht. Gefragt wird etwa nach der wahrgenommenen Kriminalität, dem Sicherheitsgefühl am Tag und in der Nacht sowie nach Sorgen vor Raub, Diebstahl oder körperlichen Angriffen. Der Sicherheitsindex bildet im Wesentlichen die umgekehrte Skala des Kriminalitätsindex.

Numbeo filtert nach eigenen Angaben verdächtige Eingaben und berücksichtigt für den laufend aktualisierten Index Daten aus den vergangenen fünf Jahren. Die Plattform weist ausdrücklich darauf hin, dass Wahrnehmungen von offiziellen Statistiken abweichen können. Die zusätzliche Zahl im Städtevergleich ist deshalb nicht automatisch eine unabhängige Zählung von Straftaten. Neben der Befragung der Reisenden fliesst zumindest über diesen Bestandteil erneut subjektives Erleben ein.

Solche Erfahrungen haben einen eigenen Wert. Wer sich nachts nicht allein auf die Strasse traut, erlebt ein Reiseziel anders als jemand, der sich dort frei bewegt. Aus dem Gefühl lässt sich jedoch keine Wahrscheinlichkeit berechnen, bei einem dreitägigen Aufenthalt bestohlen zu werden. Dafür fehlen in einer Wahrnehmungsbefragung bereits die Zahl vergleichbarer Aufenthalte und die dazugehörigen registrierten Taten.

Skyline von Montréal vom Mont Royal aus im Winter
Montréal vom Mont Royal aus, Archivaufnahme vom 1. März 2020. Die Stadt steht im BHTP-Ranking für 2027 auf Platz eins. CanadianPhotographer / Wikimedia Commons; CC0 1.0. Unverändertes Bild.

Polizeizahlen zeigen das registrierte Geschehen

Die Schweizer Polizeiliche Kriminalstatistik setzt an einer anderen Stelle an. Sie erscheint jährlich und bezieht sich auf das abgeschlossene Vorjahr. Sie zählt Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind. Das Bundesamt für Statistik bezeichnet diese Datengrundlage als Hellfeld: Nicht angezeigte oder unentdeckte Taten bleiben ausserhalb der Erfassung. Auch eine amtliche Statistik bildet das gesamte Geschehen somit nicht vollständig ab.

Nach Erläuterung des BFS beeinflussen Anzeigeverhalten, Kontrolltätigkeit, kantonale Praxis und Gesetzesänderungen die Zahlen. Mehr registrierte Fälle können unter anderem damit zusammenhängen, dass Betroffene häufiger Anzeige erstatten oder die Polizei intensiver kontrolliert. Bei Vergleichen spielen zudem Tourismus, Grenzlage und andere regionale Besonderheiten eine Rolle. Ein hoher Wert ist ohne diese Angaben schwer zu deuten.

Im Kanton Zürich sank die Zahl der polizeilich bekannten Straftaten 2025 um 5 Prozent. Dennoch waren die 104’632 registrierten Verstösse gegen das Strafgesetzbuch laut kantonaler Statistik der zweithöchste Stand seit dem Anstieg nach der Pandemie. Diese Zahlen betreffen den ganzen Kanton, nicht allein die Stadt. Sie lassen sich weder als Bestätigung noch als Widerlegung von Zürichs Rang im Reisevergleich verwenden.

Für die Buchung zählt die Lage am Reisetag

Die Jahreszahl 2027 bezeichnet den Empfehlungszeitraum der Rangliste. Sie macht aus den Erfahrungen vom vergangenen August keine Vorhersage für jeden Monat des nächsten Jahres. Wer eine Reise plant, braucht zusätzlich Informationen zum konkreten Ziel und Zeitpunkt. Die Sicherheitslage kann sich seit einer Befragung verändert haben.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten konzentriert seine Reisehinweise auf politische Risiken und Kriminalität. Es passt sie an, wenn Ereignisse die Einschätzung der Lage verändern. Die Hinweise sind allerdings weder laufendes Nachrichtenbulletin noch Wetterbericht; für meteorologische Entwicklungen und einzelne Naturkatastrophen verweist das Departement auf andere Informationswege.

Für Reisende ergibt sich daraus eine sinnvolle Aufgabenteilung: Die Rangliste hilft bei einer ersten Auswahl, Länderhinweise und lokale Mitteilungen bei der konkreten Vorbereitung. Vor der Abreise lohnt sich deshalb ein erneuter Blick auf die Behördeninformationen – auch wenn das gebuchte Ziel im Städteranking ganz vorne steht.

Quellen

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.