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Zwei Freiwillige sammeln Abfall an einem Seeufer.
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SchweizAnalyse06:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Clean-Up-Day: Warum volle Abfallsäcke noch keinen Erfolg beweisen

Am 19. September räumt die Schweiz auf. Entscheidend ist aber, was danach auf den Plätzen liegen bleibt.

Am Ende eines Aufräumtages lassen sich die Säcke zählen. Das ergibt ein anschauliches Foto und eine einfache Bilanz. Für die Freiwilligen am nationalen Clean-Up-Day vom 18. und 19. September 2026 ist der eingesammelte Abfall auch ein sichtbares Ergebnis ihrer Arbeit. Doch ob eine Gemeinde ihr Litteringproblem verkleinert, beantwortet diese Zahl nicht. Dafür müsste später weniger neuer Abfall auf dem Boden landen.

Der Unterschied ist mehr als eine statistische Spitzfindigkeit. Eine besonders grosse Sammlung kann für einen gründlichen Einsatz stehen, für viele Helfende oder für eine zuvor stark verschmutzte Fläche. Eine kleine Menge kann dagegen bereits gute Verhältnisse anzeigen. Ohne Angaben zu Fläche, Zeit und vorheriger Reinigung sind solche Bilanzen kaum vergleichbar.

Was ein Feldversuch tatsächlich zeigt

Konkretere Hinweise liefert eine von der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt IGSU veröffentlichte Untersuchung. 2025 wurden während zehn Wochen an 26 Freizeitorten in neun Schweizer Städten unterschiedliche Massnahmen getestet. Die im Januar 2026 präsentierten Ergebnisse betreffen beispielsweise Picknickplätze. Über die untersuchten Massnahmen hinweg sank das Littering laut IGSU im Durchschnitt um ungefähr ein Drittel.

Bei einer Kombination von Massnahmen nennt die Organisation eine Reduktion um 49 Prozent. Das ist ein beachtlicher Befund. Es ist aber weder eine Erfolgsquote des Clean-Up-Days noch die Zusage, dass jede Gemeinde ihren Abfall halbieren kann. Untersucht wurden bestimmte Orte, Eingriffe und Zeiträume. Auch eine Nachbeobachtung von zwei Wochen belegt noch keine dauerhafte Verhaltensänderung über Jahre.

Aus dem Versuch lässt sich dennoch eine praktische Frage ableiten: Welche Kombination passt zum jeweiligen Platz? Ein schlecht platzierter Abfallbehälter ist ein anderes Problem als fehlende Aufmerksamkeit für liegen gelassene Verpackungen. Wer beides unter dem pauschalen Vorwurf mangelnder Disziplin zusammenfasst, übersieht mögliche Verbesserungen vor Ort.

Hände mit Arbeitshandschuhen sortieren gesammelte Flaschen und Dosen.
Getrennt gesammelter Abfall wird für die Entsorgung sortiert. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Eine alte Kostenzahl wird oft wie eine neue gelesen

Das Bundesamt für Umwelt beziffert die jährlichen Reinigungskosten des Litterings mit rund 200 Millionen Franken. Diese häufig zitierte Grössenordnung geht auf eine 2011 veröffentlichte Untersuchung zurück. Sie ist kein frisch erhobener Rechnungsabschluss für 2026. Wer daraus eine aktuelle Pro-Kopf-Rechnung macht, vermittelt eine Genauigkeit, die die Quelle nicht hergibt.

Die Kosten verdeutlichen gleichwohl, warum freiwillige Einsätze die reguläre Reinigung nicht ersetzen können. Das BAFU setzt auf ein Zusammenspiel verschiedener Ansätze: Infrastruktur, Information, Sensibilisierung und weitere Massnahmen. Eine Sammlung entfernt den vorhandenen Abfall. Prävention soll verhindern, dass unmittelbar danach neuer entsteht. Beide Aufgaben ergänzen sich, benötigen aber unterschiedliche Erfolgsmasse.

Was Gemeinden nach dem Samstag prüfen könnten

Für eine aussagekräftigere Bilanz müssten vergleichbare Flächen wiederholt beobachtet werden. Wie viel neuer Abfall liegt dort nach einem ähnlichen Nutzungszeitraum? Waren gleich viele Menschen unterwegs? Wurde zwischenzeitlich gereinigt, regnete es, fand ein Fest statt? Solche Umstände machen die Auswertung aufwendiger. Sie verhindern aber, dass ein ruhiger Tag fälschlich als Wirkung einer Kampagne erscheint.

Das ist eine redaktionelle Folgerung aus der unterschiedlichen Aussagekraft der Kennzahlen, keine bereits nachgewiesene Wirkung eines einzelnen Gemeindeprogramms. Auch die Interessen der Quellen gehören zur Einordnung: Die IGSU organisiert den Aktionstag und betreibt Litteringprävention. Ihre Untersuchung ist ein nützlicher Befund, aber keine unabhängige nationale Erfolgskontrolle des eigenen Clean-Up-Days.

Mitmachen bleibt sinnvoll

Für die Teilnahme braucht es diese Grundsatzdebatte nicht zu Ende zu führen. Die IGSU führt lokale Aktionen auf; Gemeinden veröffentlichen Treffpunkte und organisatorische Hinweise. In Lengnau beispielsweise ist am Samstag ein gemeinsamer Einsatz angekündigt. Wer mitmachen möchte, sollte die Angaben des jeweiligen Veranstalters beachten, statt aus dem nationalen Datum auf identische Abläufe überall zu schliessen.

Der unmittelbare Nutzen bleibt unbestritten: Was fachgerecht eingesammelt wird, liegt anschliessend nicht mehr am Ufer oder auf dem Platz. Der anspruchsvollere Erfolg zeigt sich erst danach. Vielleicht wäre deshalb das überzeugendste Foto des nächsten Clean-Up-Days kein Berg voller Säcke, sondern derselbe Platz eine Woche später – sauber, obwohl wieder Menschen dort waren.

Quellen

IGSU: nationaler Clean-Up-Day · IGSU: Feldstudien und Ergebnisse 2025 · BAFU: Littering · Bund: Kostenstudie vom 5. Mai 2011 · Gemeinde Lengnau: Aktion 2026

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