
El Niño macht Reisen nicht pauschal gefährlicher – aber Vorbereitung wird wichtiger
El Niño bleibt laut Weltmeteorologie-Organisation bis mindestens Februar 2027 sehr wahrscheinlich. Für Reisende entscheidet dennoch nicht das Klimaphänomen allein, sondern die konkrete Destination, die Saison und die eigene gesundheitliche Situation.
El Niño ist zurück. Die Weltmeteorologie-Organisation WMO rechnet mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass das Klimaphänomen von September bis November 2026 und auch von Dezember bis Februar 2027 anhält. Das ist für Wetterdienste und Katastrophenschutz relevant. Für eine Familie aus der Schweiz, die im Winter eine Fernreise plant, ist die Meldung aber noch keine Reisewarnung.
Der Grund: El Niño beeinflusst Temperatur- und Niederschlagsmuster auf der ganzen Welt, doch die WMO warnt selbst vor einem Kurzschluss. Die Stärke des Phänomens übersetzt sich nicht eins zu eins in die Auswirkungen an einem bestimmten Ort. Entscheidend sind regionale Wetterlagen, die Jahreszeit, Infrastruktur und die Frage, wohin und wie jemand reist.
Eine Städtereise mit verlässlicher medizinischer Versorgung stellt andere Fragen als ein Trekking in einer abgelegenen Region oder ein Badeurlaub nach starken Regenfällen. Auch innerhalb eines Landes können sich Küste, Hochland und Grossstadt deutlich unterscheiden. Pauschale Aussagen über ein ganzes Reiseziel werden den tatsächlichen Risiken deshalb oft nicht gerecht.
Damit unterscheidet sich dieser Blick bewusst von allgemeinen Debatten über globale Folgen von El Niño. Hier geht es nicht um globale Sterblichkeitsprognosen, sondern um die konkrete Vorsorge vor einer Reise aus der Schweiz.

Ein globales Signal, kein Reisewarnsystem
In manchen Regionen können ungewöhnliche Regenmengen Überschwemmungen und Erdrutsche begünstigen. Andernorts erhöhen Hitze und Trockenheit Belastungen für Wasser- und Gesundheitsversorgung. Für Reisende können sich daraus sehr unterschiedliche Risiken ergeben: unterbrochene Verkehrswege, schlechte Trinkwasserqualität, Hitzestress oder – wo die Bedingungen passen – mehr Kontakt zu krankheitsübertragenden Mücken.
Das bedeutet nicht, dass El Niño an jedem betroffenen Zielort eine Epidemie auslöst. Die Weltgesundheitsorganisation weist bei Reisenden darauf hin, dass Risiken von Ziel, Reiseform und persönlichem Gesundheitszustand abhängen. Wer lediglich aus einer globalen Klimaprognose auf eine konkrete Krankheitsgefahr schliesst, kann sich ebenso täuschen wie jemand, der die Wetterlage ganz ignoriert.
Welche Risiken tatsächlich relevant werden können
Das Bundesamt für Gesundheit nennt bei Reisen in tropische und subtropische Gebiete unter anderem Dengue, Chikungunya, Zika und Malaria als durch Mücken übertragene Krankheiten, deren Risiko je nach Zielgebiet unterschiedlich ist. Die richtige Frage lautet deshalb nicht: «Herrscht El Niño?» Sondern: «Welche Risiken gelten in meinem Feriengebiet genau jetzt?»
Bei Flutereignissen kann zusätzlich der Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert sein. Nach Starkregen steigt an manchen Orten das Risiko von Kontakt mit verschmutztem Wasser oder Nahrungsmitteln. Bei Hitze sind Dehydrierung und Kreislaufprobleme besonders für ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere oder Personen mit Vorerkrankungen relevant. Diese Zusammenhänge sind plausibel, ersetzen aber keine aktuelle lokale Einschätzung.
Was vor der Abreise zählt
Vor einer Reise lohnt sich ein Blick auf die Reise- und Gesundheitsinformationen für die exakte Region, nicht nur für das ganze Land. Die WHO empfiehlt, Gesundheitsrisiken vorab mit qualifizierten Stellen zu besprechen; insbesondere bei längeren Aufenthalten, abgelegenen Routen, Vorerkrankungen oder Reisen mit Kindern. Impfungen, Malariaprophylaxe und eine Reiseapotheke sind individuell zu prüfen.
Wer eine reisemedizinische Beratung braucht, sollte sie nicht erst wenige Tage vor der Abreise suchen. Manche Schutzmassnahmen benötigen Vorlauf oder müssen an die persönliche Krankengeschichte angepasst werden.
Das BAG empfiehlt gegen Mückenstiche unter anderem helle, lange Kleidung und Repellents mit geeigneten Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin; je nach Unterkunft helfen Moskitonetze oder klimatisierte Räume. Ebenso banal wie wirksam sind Trinkwasser- und Hygieneregeln, Schutz vor Sonne und Hitze sowie ein Plan für den Fall, dass Strassen oder Flüge durch Unwetter beeinträchtigt werden.
Die Rückreise gehört zur Vorsorge
Reisegesundheit endet nicht am Flughafen Zürich. Das BAG rät, bei Fieber nach einer Reise in ein Gebiet mit Mückenkrankheiten rasch ärztlichen Rat einzuholen und die Reise ausdrücklich zu erwähnen. Das schützt zunächst die betroffene Person. Es hilft zudem der medizinischen Abklärung in der Schweiz, wo importierte Fälle insbesondere mit Blick auf die Asiatische Tigermücke aufmerksam verfolgt werden.
Für Herr und Frau Schweizer ist die nüchterne Konsequenz klar: El Niño ist ein Anlass zur besseren Planung, nicht zur Panik und nicht zur pauschalen Absage einer Reise. Wer Zielort, Saison, persönliche Gesundheit und aktuelle Hinweise zusammen betrachtet, reist sicherer als jemand, der sich allein von einer grossen Klimaschlagzeile leiten lässt.
Quellen
World Meteorological Organization: El Niño/La Niña Update, August 2026
World Health Organization: Travel and health
Bundesamt für Gesundheit: Mückenübertragene Krankheiten
Bundesamt für Gesundheit: Reisen und mückenübertragene Krankheiten



