
Warsaw Security Forum: Was die Schweiz aus Polen lernen will
Markus Mäder und Divisionär Daniel Keller vertreten die Schweiz am Warsaw Security Forum. Im Zentrum steht Resilienz – ein Begriff, der für die Schweiz nur dann nützt, wenn er im Alltag konkret wird.
Am Warsaw Security Forum treffen sich am 12. und 13. Oktober Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Streitkräften, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Schweiz wird durch den Staatssekretär für Sicherheitspolitik Markus Mäder und den Chef Armeestab, Divisionär Daniel Keller, vertreten. Der Besuch ist keine Abkehr von der Neutralität. Er zeigt vielmehr, dass Neutralität auf eine präzise eigene Lagebeurteilung angewiesen ist.
Resilienz als konkrete Sicherheitsfrage
Mäder will am Forum die Schweizer Sicht auf gesellschaftliche und institutionelle Resilienz vorstellen. Gemeint ist die Fähigkeit eines Staates und seiner Bevölkerung, Krisen zu bewältigen, Grundfunktionen aufrechtzuerhalten und sich danach wieder zu erholen. Das reicht von Cyberabwehr und Energieversorgung bis zu verlässlicher Information, Katastrophenschutz und funktionierenden Behörden.
Die Sicherheitsstrategie 2026 bezeichnet die Stärkung der Resilienz als eine von drei strategischen Richtungen. Damit wird ein Begriff politisch bedeutsam, der leicht abstrakt bleibt. Er wird erst greifbar, wenn er in Zuständigkeiten, Übungen und Investitionen übersetzt wird: Wer schützt kritische Infrastrukturen? Wie reagieren Kantone und Bund auf digitale Angriffe? Wie gelangen überprüfte Informationen an die Bevölkerung?
Polen bietet Erfahrung, keine Blaupause
Am Rand des Forums trifft Mäder den polnischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Paweł Zalewski. Polen modernisiert seine Streitkräfte und liegt geografisch näher an den Bedrohungen, die Europas Sicherheitsdebatte prägen. Daraus kann die Schweiz Erkenntnisse gewinnen – über Vorsorge, militärische Planung und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit.
Gleichzeitig wäre es falsch, polnische Konzepte direkt zu übernehmen. Die Schweiz hat andere Bündnisbindungen, andere föderale Strukturen und eine andere sicherheitspolitische Tradition. Lernen heisst deshalb nicht kopieren. Es heisst, Erfahrungen so zu prüfen, dass sie zur eigenen Rechtsordnung, Milizstruktur und Gefährdungslage passen.

Austausch muss in die Lagebeurteilung zurückfliessen
Das EDA und das VBS begründen den Besuch damit, dass Erkenntnisse aus dem Forum in die Lagebeurteilung der Armee fliessen sollen. Das ist der sachliche Massstab für solche Konferenzen. Nicht die Anzahl Gespräche entscheidet, sondern ob daraus eine bessere Analyse folgt: Welche Entwicklungen im Osten und Norden Europas betreffen Lieferketten, Cyberrisiken oder den Schutz kritischer Infrastruktur in der Schweiz?
Die sicherheitspolitische Debatte wird oft als Wahl zwischen Abschottung und Einbindung erzählt. In der Praxis braucht die Schweiz beides: eigenständige Entscheidungen und belastbare Informationen über ihr Umfeld. Internationale Konferenzen können dafür nützlich sein, wenn sie weder zum Symbolanlass noch zur Kulisse werden.
Das Warsaw Security Forum liefert keine fertigen Lösungen für Bern. Es kann aber einen Vergleich ermöglichen, der im Inland schwer zu gewinnen ist. Für die Schweiz ist diese Perspektive dann wertvoll, wenn Resilienz nicht als Schlagwort bleibt, sondern als überprüfbare Vorsorge im Alltag von Staat, Wirtschaft und Bevölkerung ankommt.



