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EU- und Ukraine-Flagge stehen neben einer geschlossenen Mappe auf einem Konferenztisch.
Die neue Tranche gehört zum bestehenden EU-Kreditprogramm für die Ukraine. KI-generiertes Symbolbild, keine Aufnahme eines realen Treffens. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
Internationale PolitikAnalyse23:06 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

3,3 Milliarden für Kiew: Wie der EU-Kredit funktioniert

Die Ukraine bestätigt den Erhalt von 3,3 Milliarden Euro für Drohnen und Raketen. Die Zahlung gehört zu einem 90-Milliarden-Kredit mit besonderen Rückzahlungsregeln.

Auf das Telefonat folgte die Zahlung: Am 17. September kündigte EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski weitere 3,3 Milliarden Euro an. Einen Tag später bestätigte die ukrainische Regierung den Erhalt. Das Geld ist für Verteidigungsbeschaffungen bestimmt, insbesondere für Raketen und Drohnen.

Wer darin eine spontan am Telefon beschlossene Milliardenhilfe sieht, verwechselt jedoch Ankündigung und Bewilligung. Die aktuelle Tranche stammt aus dem EU-Kredit, dessen Rahmen längst vereinbart ist. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Sie zeigt, welche politische Entscheidung bereits gefallen ist – und welche Fragen zur Verwendung des Geldes offenbleiben.

Ein Kreditrahmen, mehrere Zahlungen

Der Rat der EU verabschiedete am 23. April die letzte zentrale Rechtsgrundlage für den Ukraine Support Loan. Der Rahmen umfasst bis zu 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027; politisch vereinbart hatten ihn die EU-Staats- und Regierungschefs bereits im Dezember 2025.

Für 2026 wurden 45 Milliarden Euro zugänglich gemacht: 28,3 Milliarden für die Verteidigungsindustrie und 16,7 Milliarden für die Unterstützung des Staatshaushalts. Die 3,3 Milliarden kommen also nicht zusätzlich zum 90-Milliarden-Rahmen hinzu. Sie schöpfen einen Teil davon aus. Wer beide Zahlen addiert, zählt dieselbe Hilfe doppelt.

Laut Kommissionsmitteilung vom 18. September handelt es sich um die vierte Zahlung aus dem Verteidigungsteil des Programms. Einschliesslich dieser Tranche erreicht die diesjährige Auszahlung unter dem Kredit insgesamt knapp 15 Milliarden Euro. Darin sind auch andere Unterstützungsleistungen als Rüstung enthalten.

Wer für das Geld einsteht

Die EU beschafft die Mittel über Kredite am Kapitalmarkt. Hinter der Finanzierung steht der EU-Haushalt. Die Ukraine soll den Kredit grundsätzlich aus russischen Reparationsleistungen zurückzahlen. Das ist eine besondere Konstruktion: Ein rechtlicher Anspruch auf Entschädigung ist noch kein Geld, das bereits auf einem Konto liegt.

Die Verordnung regelt auch Ausnahmen. Bestimmte Verstösse gegen grundlegende Verpflichtungen sowie nachgewiesener Betrug oder Korruption zulasten der EU können Rückzahlungen auslösen. Die Formel «Kiew zahlt erst, wenn Moskau zahlt» beschreibt deshalb den Grundgedanken, aber nicht sämtliche Vertragsfolgen.

Finanziell folgt daraus: Die Bezeichnung Kredit beseitigt das Risiko für den europäischen Haushalt nicht. Ob und wann Russland Entschädigung leistet, bleibt offen. Ebenso wenig darf die heutige Überweisung mit einer bereits erfolgten Verwendung eingefrorener russischer Staatsvermögen gleichgesetzt werden.

Taschenrechner, schematische Diagramme und eine Mappe mit blau-gelbem Band auf einem Schreibtisch.
Auszahlung, Verwendung und Wirkung der Hilfe müssen getrennt geprüft werden. KI-generiertes Symbolbild; die Diagramme zeigen keine realen Daten. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Geld ist noch keine Lieferung

Der Programmüberblick der Kommission zeigt einen praktischen Zielkonflikt. Die EU will die ukrainische und europäische Rüstungsproduktion stärken. Zugleich braucht die Ukraine bestimmte Güter schneller, als diese Industrie sie bereitstellen kann. Deshalb sind eng begrenzte Ausnahmen von den Beschaffungsregeln vorgesehen. Bei Drohnen erlaubte die Kommission solche Ausnahmen bereits im April.

Damit rückt neben der Summe die Lieferfähigkeit ins Zentrum. Die aktuelle Zahlungsmitteilung nennt Drohnen und Raketen, aber keine vollständige Liste von Stückzahlen und Lieferterminen. Aus 3,3 Milliarden Euro lässt sich deshalb weder eine bestimmte Zahl einsatzbereiter Systeme noch ein militärischer Erfolg ableiten. Finanzierung, Produktion, Auslieferung und Einsatz sind unterschiedliche Schritte.

Kontrollen sind vorgesehen: Die Kommission muss Auszahlungsbedingungen prüfen; Verstösse gegen den Kreditvertrag können weitere Tranchen stoppen. Solche Regeln sind kein Beweis, dass jeder Auftrag korrekt abgewickelt wird. Umgekehrt belegt die Grösse der Zahlung für sich allein keinen Missbrauch.

Was das für die Schweiz bedeutet

Die Schweiz verfolgt ein eigenes Unterstützungsprogramm. Laut SECO sind für 2025 bis 2028 insgesamt 1,5 Milliarden Franken vorgesehen. Schwerpunkte sind wirtschaftliche Erholung, öffentliche Dienstleistungen, Schutz der Zivilbevölkerung und Friedensförderung. Diese mehrjährige zivile Unterstützung lässt sich nicht unmittelbar mit einer einzelnen EU-Rüstungstranche vergleichen.

Für die Beurteilung der europäischen Hilfe bleibt entscheidend, drei Fragen auseinanderzuhalten: Was wurde bewilligt, was wurde überwiesen und was wurde tatsächlich erreicht? Die ersten beiden Fragen sind bei der aktuellen Tranche dokumentiert. Die dritte wird sich an Lieferungen, Verwendung und überprüfbaren Ergebnissen entscheiden – nicht an der Ankündigung nach einem Telefonat.

Quellen

Recherchestand: 18. September 2026.

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