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Erwachsene stellen gemeinsam Stühle in einem Gemeinschaftssaal auf.
Freiwillige tragen zum Vereinsleben bei; ihre Einsätze brauchen Organisation. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
SchweizAnalyse21:04 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Freiwilligenarbeit ist unbezahlt, aber nicht kostenlos

Zwei Drittel der Bevölkerung engagieren sich laut Freiwilligen-Monitor. Damit daraus verlässliche Hilfe wird, braucht es Organisation und klare Grenzen.

Ein Vereinsfest beginnt lange vor dem ersten Gast. Jemand stellt die Tische auf, organisiert Schlüssel, erklärt neuen Helferinnen den Ablauf und bleibt am Schluss zum Aufräumen. Ein Teil dieser Arbeit ist sichtbar. Ein anderer verschwindet hinter dem Satz, es werde ja freiwillig gemacht.

Für die Schweiz ist dieses Engagement kein Randphänomen. Der Freiwilligen-Monitor 2025 beziffert den Anteil der Bevölkerung ab 15 Jahren, die formell oder informell freiwillig tätig ist, auf 66 Prozent. Die zugrunde liegende Befragung fand von März bis Juni 2024 statt und umfasste rund 5000 Personen. Die Veröffentlichung von 2025 beschreibt somit keine im selben Jahr neu erhobene Momentaufnahme.

Zwei Formen, viele Überschneidungen

Der Monitor unterscheidet Engagement in Organisationen von informeller Hilfe. Für die formelle Freiwilligenarbeit nennt er 41 Prozent, für die informelle 51 Prozent. Diese Werte ergeben zusammen mehr als 66 Prozent, weil Menschen beides leisten können. Wer im Verein mitarbeitet und ausserhalb davon hilft, ist nicht plötzlich zwei verschiedene Personen.

Noch höhere Zahlen entstehen, wenn ein breiterer Begriff des Engagements verwendet wird und etwa Spenden mitgezählt werden. Für eine Debatte über verfügbare Arbeitszeit wäre es irreführend, solche Kategorien gleichzusetzen. Geld zu geben und einen regelmässigen Einsatz zu übernehmen sind beides Beiträge, aber keine austauschbaren Ressourcen.

Auch der Vergleich über die Jahre verlangt Sorgfalt. Der Monitor 2025 wurde vollständig online erhoben; frühere Ausgaben nutzten andere Erhebungsformen. Die Methodenbeschreibung gehört deshalb zur Interpretation. Eine griffige Zahl allein erklärt weder, wie viele zusätzliche Einsätze möglich wären, noch welche Aufgaben Menschen übernehmen wollen.

Zwei Frauen besprechen an einem Tisch einen freiwilligen Einsatz.
Klare Aufgaben und Zeitgrenzen gehören zu guten Freiwilligeneinsätzen. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Gute Absichten brauchen eine Struktur

Die Fachorganisation Benevol formuliert in ihren Standards, was auf der Ebene eines konkreten Einsatzes wichtig wird: eine klare Aufgabe, eine Ansprechperson, Einführung, Begleitung und eine Regelung der Spesen. Auch Versicherungsfragen und Anerkennung gehören dazu. Das sind Qualitätsstandards der Freiwilligenarbeit, keine pauschal für jeden Verein geltenden gesetzlichen Vorschriften.

Benevol empfiehlt zudem eine zeitliche Begrenzung auf durchschnittlich sechs Stunden pro Woche im Jahresdurchschnitt. Diese Orientierung soll verhindern, dass freiwilliges Engagement zur verdeckten Ersatzstelle wird. Sie ist weder ein amtlicher Grenzwert noch ein Urteil darüber, wie ein Mensch seine persönliche Freizeit verbringen darf.

In einem Positionspapier von Juni 2025 macht die Organisation die wirtschaftliche Konsequenz deutlich: Unbezahlte Mitarbeit entbindet Träger nicht von Ausgaben. Koordination und Unterstützung benötigen Zeit und Mittel. Ein Angebot kann für seine Nutzerinnen kostenlos sein und trotzdem ein seriöses Budget brauchen.

Die entscheidende Frage ist die Zuständigkeit

Daraus folgt für Vereine und Gemeinden eine oft übersehene Planungsfrage. Wer kümmert sich um die Menschen, die helfen? Wenn diese Aufgabe ebenfalls nur nebenbei erledigt werden soll, wandert die Belastung weiter. Am Ende kann eine kleine Gruppe gleichzeitig den eigentlichen Einsatz, die Organisation und die Ausfälle anderer tragen.

Ein klar umrissener Auftrag erleichtert dagegen die Entscheidung. Zwei Stunden beim Aufbauen helfen ist etwas anderes als dauerhaft die Verantwortung für sämtliche Veranstaltungen zu übernehmen. Wer den Unterschied vorab benennt, macht einen Einstieg leichter und ein späteres Nein weniger konfliktträchtig. Verlässlichkeit entsteht aus einer realistischen Zusage, nicht aus möglichst grossen Versprechen.

Dazu gehört eine ehrliche Grenze zwischen freiwilliger Ergänzung und unverzichtbarer Daueraufgabe. Dass sich Menschen engagieren möchten, beweist noch nicht, dass ein öffentliches oder soziales Angebot ohne bezahlte Facharbeit auskommt. Welche Verantwortung professionell abgesichert werden muss, ist für jede Tätigkeit gesondert zu klären.

Engagement darf Freude bleiben

Die organisatorische Seite zu betonen, soll freiwillige Arbeit nicht kleinrechnen. Gerade weil sie Begegnungen, Eigeninitiative und gemeinsame Vorhaben ermöglicht, verdient sie verlässliche Bedingungen. Wer ausschliesslich über mögliche Einsparungen spricht, übersieht diese Qualitäten.

Für Interessierte kann ein überschaubarer erster Einsatz eine gute Form sein, Aufgabe und Umfeld kennenzulernen. Für Organisationen besteht die Herausforderung darin, solche begrenzten Zusagen ernst zu nehmen. Nicht jedes Engagement muss sofort in einem Vorstandssitz oder einem unbefristeten Wochenpensum enden.

Die hohe Beteiligung im Monitor ist eine Stärke der Schweiz. Sie ist aber kein Vorrat, aus dem sich beliebig Arbeitsstunden abrufen lassen. Damit die Bereitschaft zum Helfen trägt, muss jemand auch die Arbeit hinter der freiwilligen Arbeit organisieren.

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