
Führerlose Fahrzeuge: Warum Vertrauen über den Alltagseinsatz entscheidet
Neue Regeln öffnen in der Schweiz den Weg für führerlose Fahrzeuge auf genehmigten Strecken. Akzeptanz entsteht aber nicht durch Technik allein.
Führerlose Fahrzeuge sind in der Schweiz nicht mehr nur ein Pilotversuch. Seit März 2025 erlaubt das Recht unter anderem führerlose Fahrzeuge auf behördlich genehmigten Strecken. Seit Januar 2026 konkretisieren Weisungen des Bundesamts für Strassen, wie Kantone Einsatzgebiete beurteilen sollen. Die rechtliche Öffnung beantwortet jedoch nur eine Seite der Frage. Ob sich Angebote durchsetzen, entscheidet sich bei den Menschen, die einsteigen sollen.
Sicherheit muss sichtbar werden
Das ASTRA verlangt für den Einsatzbereich eine Prüfung von Verkehrssicherheit, Verkehrsfluss und den Bedürfnissen des Langsamverkehrs. Betreiber müssen nachweisen, dass eine Strecke geeignet ist. Auflagen können angepasst oder aufgehoben werden, wenn die Aufsicht neue Erkenntnisse liefert. Das zeigt: Autonomie ist kein Freipass für jedes Fahrzeug auf jeder Strasse.
Für Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmende ist die Rechtsgrundlage aber nur indirekt sichtbar. Vertrauen entsteht durch nachvollziehbares Verhalten: Hält das Fahrzeug vor einem Zebrastreifen verständlich? Was geschieht bei Baustellen, Schnee, Funkunterbruch oder einem medizinischen Notfall? Gibt es eine erreichbare Ansprechperson? Wer kommuniziert Fehler und Beinaheunfälle?
Akzeptanz ist kein Marketingwert
Begleitforschung von Swiss Transit Lab und die wissenschaftliche Literatur zur sozialen Akzeptanz behandeln diese Fragen ausdrücklich. Nutzerinnen und Nutzer bewerten nicht nur technische Leistungsdaten, sondern auch Kontrolle, Fairness, Datenschutz und die Wirkung auf Arbeitsplätze oder den öffentlichen Raum. Ein sicherer Betrieb kann abgelehnt werden, wenn Menschen sich ausgeschlossen fühlen oder nicht verstehen, wer Verantwortung trägt.
Für die Schweiz ist die dezentrale Umsetzung anspruchsvoll. Kantone bewilligen Einsatzbereiche, Gemeinden und Verkehrsunternehmen müssen lokale Situationen berücksichtigen. Ein Shuttle in einer klar abgegrenzten Zone kann andere Erwartungen auslösen als ein fahrerloses Angebot im dichten Stadtverkehr. Daher sind transparente Pilotphasen, unabhängige Auswertungen und Rückmeldemöglichkeiten wichtiger als grosse Versprechen.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Fahrzeug ohne Lenkrad fahren kann. Entscheidend ist, ob es sich im Alltag berechenbar, zugänglich und verantwortbar anfühlt. Vertrauen entsteht langsam – und kann durch einen schlecht erklärten Zwischenfall rasch verloren gehen.
Quellen ASTRA, Führerlose Fahrzeuge: https://www.astra.admin.ch/de/fuehrerlose-fahrzeuge ASTRA, Automatisiertes Fahren: https://www.astra.admin.ch/de/automatisiertes-fahren Swiss Transit Lab, Begleitforschung: https://www.swisstransitlab.com/news/begleitforschung-iamo SAAM, Social Acceptance Review: saam.swiss/de/projekte/social-acceptance-review-study…



