Wissenschaft09:55 UhrLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Goldalge in Polen: Mehr als vier Tonnen tote Fische geborgen

Die giftige Alge breitet sich aus und bedroht das Ökosystem. Der Fall erinnert an die Oder-Katastrophe von 2022.

Eine Wasseroberfläche spiegelt goldenes Licht wider und erzeugt leichte Wellen.
Bild: MabelAmber / Pixabay

In polnischen Gewässern sind in den vergangenen Tagen mehr als vier Tonnen tote Fische geborgen worden. Die Behörden vermuten eine giftige Goldalge als Ursache. Die Alge hat sich offenbar in mehreren Flüssen und Seen ausgebreitet. Das Fischsterben erinnert an die Katastrophe in der Oder im Sommer 2022. Die örtlichen Behörden haben vorsorglich Wasserproben entnommen, um das Ausmass zu bestimmen.

Die Goldalge, wissenschaftlich Prymnesium parvum, ist ein einzelliger Organismus, der unter bestimmten Bedingungen das Gift Prymnesin produziert. Dieses schädigt die Kiemen der Fische und führt zu deren Tod. Bereits geringe Konzentrationen können grosse Fischbestände vernichten, auch Muscheln und Schnecken sind betroffen. Natürlicher Lebensraum der Alge ist Brackwasser. In Süsswasserflüssen findet sie dann ideale Bedingungen, wenn Salzgehalt, Temperatur und Nährstoffangebot steigen.

Die Goldalge und ihre Bedingungen

Fachleute nennen drei Faktoren, die eine Massenvermehrung begünstigen: hohe Wassertemperatur, niedriger Wasserstand und übermässiger Salzeintrag. Industrie, Bergbau und Landwirtschaft tragen massgeblich dazu bei. So wurden in der Oder während der Katastrophe 2022 Salzfrachten gemessen, die deutlich über den zulässigen Werten lagen. Auch die Temperaturen waren aussergewöhnlich hoch. Diese Kombination führte zu einer der grössten dokumentierten Algenblüten in einem europäischen Fluss.

Ein gemeinsamer Bericht deutscher und polnischer Wissenschaftler identifizierte die Goldalge als Hauptursache. Der damalige brandenburgische Umweltminister Axel Vogel nannte das Ereignis «eine ökologische Katastrophe». In der Oder verendeten schätzungsweise 360 Tonnen Fische. Die Bestände haben sich bis heute nicht vollständig erholt.

Die Oder-Katastrophe 2022 als Mahnung

Die Oder-Katastrophe zeigte auch die Schwäche des grenzüberschreitenden Krisenmanagements. Polen informierte Deutschland erst verspätet über das Ausmass. Die EU forderte Nachbesserungen bei der Wasserqualität. Bis heute ist der Stressfaktor Salz nicht beseitigt. Deutsche Umweltexperten kritisieren, dass Polen die Auflagen der Wasserrahmenrichtlinie nicht einhält. Die polnische Regierung verweist dagegen auf die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaus.

Nun deutet vieles darauf hin, dass sich ein ähnliches Szenario wiederholt. «Die Goldalge ist ein Warnsignal für den Zustand unserer Gewässer», sagt Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Die polnischen Behörden haben eine Taskforce eingesetzt. Erste Messungen zeigen an einigen Stationen eine hohe Algenkonzentration. In den betroffenen Gebieten wurden Vorsichtsmassnahmen wie Angelverbote geprüft. Eine offizielle Bestätigung über den Umfang steht noch aus.

Folgen für das Ökosystem

Die Goldalge kann ein ganzes Ökosystem kippen lassen. Wenn die Algen absterben, sinken sie zu Boden und werden von Bakterien zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Es entstehen tote Zonen, in denen kaum noch Leben möglich ist. Das hat Folgen für die gesamte Nahrungskette – vom Plankton bis zu den Wasservögeln. Auch seltene Arten sind betroffen.

Wirtschaftlich sind die Schäden erheblich. Fischereibetriebe verlieren ihre Einkommensgrundlage, der Tourismus leidet. Badeverbote könnten die Region zusätzlich treffen. Gefährdet ist auch die Trinkwasserversorgung. Die Aufbereitung des Wassers wird aufwendiger, wenn Giftstoffe der Algen nachgewiesen werden. Kommunen entlang der Flüsse befürchten hohe Kosten.

Umweltschutzorganisationen fordern deshalb ein entschlossenes Handeln der Regierungen in Warschau und Berlin. Nötig seien verbindliche Grenzwerte für Salzeinleitungen, bessere Kläranlagen und eine Renaturierung der Ufer. Ein gemeinsames Frühwarnsystem soll künftige Algenblüten frühzeitig erkennen. Nur mit einer verbesserten Wasserqualität lasse sich verhindern, dass die Goldalge immer wieder zur Bedrohung wird.

Quellen: [SRF News](https://www.srf.ch/news), [Deutsche Welle](https://www.dw.com/de/themen/s-9077)

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.