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Eine Ökonomin betrachtet in einem Schweizer Büro eine abstrakte Trendgrafik vor einer alpinen Stadtlandschaft.
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WirtschaftAnalyse15:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Konjunkturprognose Schweiz: Warum 1,7 Prozent noch kein Entwarnungssignal sind

Die Bundesprognose hebt das Wachstum für 2026 deutlich an. Der starke Quartalswert hängt aber stark von Chemie-Pharma und Exporten ab – die Risiken bleiben erheblich.

Die Konjunkturprognose Schweiz fällt für 2026 deutlich besser aus als noch im Juni. Die Expertengruppe des Bundes rechnet neu mit einem Wachstum des sportevent-bereinigten Bruttoinlandprodukts von 1,7 Prozent statt 0,9 Prozent. Das ist eine kräftige Revision. Sie bedeutet jedoch nicht, dass sich alle Teile der Wirtschaft gleich stark erholen oder dass die Risiken vom Tisch sind. Der Grund für die höhere Jahreszahl liegt zum Teil in einem aussergewöhnlich starken zweiten Quartal.

Zwei Fachpersonen prüfen in einer Schweizer Industrieumgebung Produktionsbauteile und eine abstrakte Trenddarstellung auf einem Tablet.
Produktion, Aussenhandel und Investitionen prägen den Konjunkturausblick. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Ein starkes Quartal prägt die Jahresprognose

Das sportevent-bereinigte BIP wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent. Laut SECO war das Wachstum zwar über Branchen und Nachfragekomponenten hinweg breit abgestützt. Fast die Hälfte des Zuwachses entfiel aber auf die stark schwankende Wertschöpfung der chemisch-pharmazeutischen Industrie; hinzu kam ein kräftiger Exportanstieg.

Genau deshalb warnt die Expertengruppe vor einer einfachen Lesart. Der Quartalswert dürfte die zugrunde liegende Konjunkturdynamik überzeichnen. Für das zweite Halbjahr erwartet sie eine gewisse Gegenbewegung. Der höhere Jahreswert ist also nicht bloss eine Aussage über die kommenden Monate. Er enthält auch den statistischen Effekt eines starken ersten Halbjahres.

Für Unternehmen und Haushalte ist dieser Unterschied entscheidend. Ein hohes Jahreswachstum kann aus einem einzelnen, sehr starken Quartal resultieren, ohne dass Auftragslage, Einkommen und Konsum in gleichem Mass und über alle Branchen hinweg anziehen. Die Prognose beschreibt die erwartete gesamte Wirtschaftsleistung – sie ist keine Zusage für eine gleichmässige Belebung.

Was den Ausblick tatsächlich stützt

Das SECO nennt mehrere Gründe für die Aufwärtsrevision. Die bisherige Entwicklung sei kräftiger ausgefallen als erwartet, das weltwirtschaftliche Umfeld etwas günstiger. Zudem stützt die jüngste Abwertung des Schweizer Frankens die wechselkursexponierten Bereiche der Exportwirtschaft. Für 2026 dürfte der Aussenhandel damit stärker zum Wachstum beitragen als die Expertengruppe im Juni annahm.

Auch die Binnennachfrage soll moderat wachsen. Eine steigende Auslastung der Produktionskapazitäten stützt laut Prognose die Investitionstätigkeit; der private Konsum dürfte sich ebenfalls moderat entwickeln. Für 2027 bleibt die Prognose bei 1,6 Prozent. Erwartet wird dann eine weitere Belebung der Weltnachfrage, insbesondere eine Erholung im europäischen Ausland und in Deutschland.

Die höhere Zahl für 2026 ist damit kein einzelner Chemie-Pharma-Effekt. Sie stützt sich laut SECO auch auf bessere Stimmungsindikatoren, Exporte und eine moderate Binnenkonjunktur. Der ausserordentliche Quartalswert bleibt dennoch ein Grund, die Revision vorsichtig zu lesen.

Preise und Arbeitsmarkt: Prognosen bleiben unverändert

Bei zwei für Haushalte zentralen Kennzahlen verändert der Bund seine Erwartung nicht. Die jahresdurchschnittliche Inflation soll 2026 und 2027 bei je 0,6 Prozent liegen. Für die Arbeitslosenquote erwartet die Expertengruppe 2026 weiterhin 3,1 Prozent und 2027 3,0 Prozent. Sie rechnet damit, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung zeitverzögert in allmählich sinkenden Arbeitslosenzahlen zeigt.

Das ist ein nüchternerer Befund als die BIP-Revision: Der Bund erwartet keine abrupte Entspannung am Arbeitsmarkt und auch keinen neuen Inflationsschub im Basisszenario. Beides beruht auf Annahmen, darunter rückläufige Erdölpreise im Verlauf der kommenden Monate.

Die Risiken sind Teil der Rechnung

Die Prognose ist ausdrücklich kein Entwarnungssignal. Das SECO nennt den Konflikt im Mittleren Osten, hohe Energiepreise und die handelspolitische Unsicherheit als erhebliche Risiken. Anhaltend hohe Erdölpreise könnten die Weltkonjunktur belasten und auch in der Schweiz die Inflation erhöhen. Wegen tiefer europäischer Gasspeicherstände seien zudem weitere Preisanstiege beim Erdgas möglich.

Die Fachleute unterstellen für ihr Basisszenario, dass die US-Importzölle im Wesentlichen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass weitere Änderungen der US-Zollpolitik und zusätzliche handelsbeschränkende Massnahmen möglich sind. Auch Korrekturen an Finanzmärkten, die globale Verschuldung und ein möglicher Aufwertungsdruck auf den Franken gehören zu den Unsicherheiten.

Die bessere Konjunkturprognose ist deshalb vor allem eine präzisere Zwischenbilanz: Die Schweiz startet stärker in das Jahr als erwartet. Ob daraus ein tragfähiger Aufschwung wird, hängt nun weniger am Quartalswert als an Energie, Weltwirtschaft, Handel und der Breite der Binnenkonjunktur.

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