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Junge Berufsleute arbeiten in einer modernen Schweizer Ausbildungswerkstatt.
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SchweizAnalyse06:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.

76’000 Lehrverträge: Warum ein stabiler Markt nicht alle Lücken schliesst

Rund 76’000 Lehrverträge sind Ende August abgeschlossen. Das ist stabil – sagt aber noch nicht, ob Jugendliche, Betriebe und Berufsfelder am richtigen Ort zusammenfinden.

Der Schweizer Lehrstellenmarkt wirkt im Spätsommer 2026 stabil. Bis Ende August wurden laut Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) rund 76’000 Lehrverträge abgeschlossen. Die Zahl liegt im Rahmen der Vorjahre. Sie ist ein wichtiges Signal, aber noch keine vollständige Bilanz darüber, wie gut Jugendliche und Betriebe zusammengefunden haben.

Für eine solche Bilanz fehlen derzeit noch die Ergebnisse der August-Erhebung des Nahtstellenbarometers. Sie werden laut SBFI Ende Oktober veröffentlicht. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, wie viele Jugendliche ihre Wunschlösung fanden, wie viele auf Zwischenlösungen auswichen und wo Lehrstellen unbesetzt blieben.

Stabilität beginnt schon vor dem Sommer

Die Entwicklung zeichnete sich im Jahresverlauf ab. Ende Januar waren rund 28’000 Verträge abgeschlossen, Ende März knapp 42’000 und Ende Mai mehr als 54’500. Gleichzeitig waren im offiziellen Lehrstellennachweis Ende Mai noch rund 14’000 Stellen ausgeschrieben. Die Zahlen zeigen einen Markt, der sich schrittweise füllt und bis weit in den Sommer in Bewegung bleibt.

Auch die repräsentative Frühjahrsbefragung lieferte ein stabiles Bild. Die Unternehmen boten für 2026 hochgerechnet rund 74’000 Lehrstellen an; 68 Prozent davon waren im März und April bereits vergeben. Von den rund 98’000 Jugendlichen vor der Ausbildungswahl zogen 63 Prozent eine berufliche Grundbildung in Betracht. Bei den Lehrstelleninteressierten hatten 62 Prozent bereits einen Vertrag unterschrieben, weitere 11 Prozent verfügten über eine mündliche Zusage.

Die verschiedenen Zahlen sind nicht direkt gegeneinander aufzurechnen. Sie stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und Zeitpunkten. Gerade das erklärt, weshalb die Zahl von 76’000 Verträgen allein keine Aussage über ein mögliches Überangebot oder einen Mangel erlaubt.

Die Gesamtsumme verdeckt Unterschiede

Ein schweizweiter Wert sagt wenig darüber aus, in welchen Berufen Bewerbungen fehlen oder Jugendliche keinen passenden Platz finden. Laut Frühjahrsbarometer war die Nachfrage im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche besonders hoch. Andere Berufsfelder können gleichzeitig Mühe haben, ihre Stellen zu besetzen.

Hinzu kommen regionale Unterschiede. In der Deutschschweiz beginnt die Vergabe traditionell früher als in der lateinischen Schweiz. Auch die Wirtschaftsstruktur prägt das Angebot: Tourismusregionen, Industriestandorte und städtische Dienstleistungszentren benötigen unterschiedliche Profile. Für Jugendliche zählt deshalb nicht nur, ob irgendwo eine Lehrstelle frei ist. Berufswunsch, schulische Voraussetzungen, Sprache und zumutbare Wege entscheiden mit.

Hände einer Lernenden und eines Ausbildners über einem technischen Plan in einer Werkstatt.
Eine tragfähige Lehre hängt nicht nur von einer offenen Stelle ab, sondern auch von Betreuung und Passung. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Die Passung ist wichtiger als die Quote

Das Nahtstellenbarometer zeigt auch, worauf Betriebe achten. Im Frühjahr nannten 74 Prozent Motivation als besonders wichtig, 62 Prozent den Lernwillen. Schulen, Berufsberatung, Schnupperlehren und die Begleitung durch Familien oder Mentoringprogramme beeinflussen daher, ob eine statistisch freie Stelle zu einer tragfähigen Ausbildung wird.

Für die Wirtschaft bedeutet jeder Lehrvertrag eine Investition in Betreuung, Infrastruktur und Zeit. 72 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe wollten 2026 gleich viele Lehrstellen anbieten wie im Vorjahr; je 10 Prozent planten eine Erhöhung oder Reduktion. Diese Konstanz stützt den Markt. Sie garantiert aber nicht, dass Angebot und Interessen in jedem Beruf übereinstimmen.

WorldSkills zeigen die Spitze, nicht den Durchschnitt

Vom 22. bis 27. September treten in Shanghai rund 1’400 junge Berufsleute aus aller Welt an den WorldSkills an. Die Schweiz entsendet 42 Teilnehmende in 38 Disziplinen. Der Wettbewerb macht die Leistungsfähigkeit einzelner Talente sichtbar und unterstreicht den Stellenwert der dualen Ausbildung.

Für die Beurteilung des Lehrstellenmarkts bleibt er jedoch ein Schaufenster. Entscheidend ist, ob auch Jugendliche ohne Wettbewerbskarriere einen passenden Einstieg finden, ihre Lehre erfolgreich absolvieren und später Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.

Die 76’000 Verträge sind deshalb ein solides Zwischenresultat. Die aussagekräftigere Frage lautet, wie gut die Passung hinter dieser Zahl ist. Darauf kann erst die detaillierte August-Auswertung Ende Oktober eine fundierte Antwort geben.

Quellen

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