Finanzen14:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 2 Min.0 Kommentare

SNB-Daten: Was sie für die Zinsen bedeuten

Die neuesten geldpolitischen Kennzahlen im Fokus

Ein unscharfes Diagramm auf einem Computerbildschirm mit Finanzdaten und Wachstumslinien in blauen Farbtönen.
Bild: Pexels / Pixabay

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den vergangenen Tagen ihre wöchentlich aktualisierten geldpolitischen Kennzahlen veröffentlicht. Die Statistik umfasst die Sichteinlagen der Geschäftsbanken, die Devisenreserven und weitere Bilanzpositionen. Für Volkswirtschafter, Devisenmarktbeobachter und Anleger sind diese Daten ein wichtiges Barometer: Sie zeigen zeitnah, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert hat und wie expansiv die Geldpolitik tatsächlich ausgerichtet ist. Die Zahlen ergänzen die vierteljährlichen geldpolitischen Berichte und werden jeweils Ende Woche auf der Website der Notenbank aufgeschaltet.

Devisenreserven als Gradmesser

Die Devisenreserven sind eine der wichtigsten Positionen in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank. Sie bestehen aus Forderungen in fremden Währungen, vor allem in Euro und US-Dollar. Wenn die Notenbank ausländische Valuten kauft, um den Franken zu schwächen, steigen die Reserven; verkauft sie Währungen, sinken sie. Die wöchentliche Statistik erlaubt damit einen direkten Blick auf das Interventionsverhalten der SNB. Nach der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro im Januar 2015 verzeichnete die Bilanzsumme einen historischen Schub. Später, in der Phase erhöhter Inflation, reduzierte die SNB die Bestände wieder. Seit der Zinswende hin zu tieferen Zinsen beobachten Fachleute die Entwicklung der Reserven mit besonderer Aufmerksamkeit.

Die Interpretation der Daten verlangt Sorgfalt. Nicht jede Veränderung der Reserven ist auf aktive Interventionen zurückzuführen. Auch Zins- und Dividendeneinnahmen sowie Wechselkursbewegungen verändern die Bilanz. Deshalb achten Analysten ergänzend auf die Sichteinlagen der inländischen Banken bei der SNB. Diese Position reflektiert die überschüssige Liquidität im Bankensystem und verändert sich ebenfalls durch Devisengeschäfte.

Bedeutung für die Zinspolitik

Die geldpolitischen Kennzahlen stehen in engem Zusammenhang mit dem Leitzins. Aktuell liegt dieser bei 0,25 Prozent. Die SNB hat ihn in den vergangenen anderthalb Jahren schrittweise von 1,75 Prozent gesenkt, um der wirtschaftlichen Abkühlung entgegenzuwirken (Überblick über die Zinsschritte). Eine Zunahme der Devisenreserven würde auf Interventionen hindeuten, ein Rückgang auf eine Steuerung über den Zins. Für die Exportwirtschaft sind diese Signale zentral: Ein starker Franken belastet die Wettbewerbsfähigkeit, ein schwächerer Franken erhöht den Druck auf die importierte Inflation.

Die Teuerung in der Schweiz liegt aktuell (Jahresrate, Bundesamt für Statistik) unter der Zielmarke der SNB. Das gibt der Notenbank Spielraum, eine Aufwertung des Frankens zu bremsen. Sollte die Inflation weiter nach unten tendieren, könnte eine Zinssenkung wieder auf die Agenda rücken. Die Kombination aus Devisenmarktinterventionen und Zinspolitik ist typisch für die SNB und wird international aufmerksam beobachtet.

Ausblick auf den nächsten Entscheid

Der nächste reguläre Zinsentscheid der Nationalbank ist auf den 24. September angesetzt. Viele Marktbeobachter rechnen mit einem unveränderten Leitzins. Die Konjunktur zeigt erste Stabilisierungstendenzen, bleibt aber fragil. Falls sich die Erholung abschwächt, wäre eine weitere Lockerung denkbar. Auch die Europäische Zentralbank hat die Geldpolitik gelockert, was den Franken tendenziell stärkt. Die SNB dürfte daher bereit sein, Devisen zu kaufen, um die Exportwirtschaft zu schützen.

Für Konsumenten und Unternehmen bedeutet das vorerst Stabilität bei den Hypothekarzinsen. Längerfristig hängt der Zinspfad von der internationalen Inflationsentwicklung ab. Die wöchentlichen Kennzahlen zeigen, wie die Nationalbank ihre Politik konkret umsetzt – und was Kreditnehmer erwarten dürfen. Die kommenden Wochen werden weisen, ob sich die SNB für ein vorsichtiges Vorgehen entscheidet.

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