Neueste Meldungen
Leerer moderner Büroflur mit verwaisten Arbeitsplätzen und Headsets hinter Glas, symbolisch für Stellenabbau.
JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
WirtschaftRecherche06:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Sunrise prüft 450 Stellen – entschieden ist der Abbau noch nicht

Der Telekomanbieter erwägt bis zu 450 weitere Streichungen. Was die Konsultation und der Sozialplan für Beschäftigte bedeuten.

Sunrise hat einen weiteren Stellenabbau in Aussicht gestellt. Bis zu 450 Vollzeitstellen könnten im Zuge einer mehrjährigen Neuordnung entfallen. Das Unternehmen hat am Montag aber weder definitive Kündigungen ausgesprochen noch eine abschliessende Zahl genannt: Es evaluiert das neue Betriebsmodell und kündigt ein Konsultationsverfahren für das vierte Quartal an. Für Beschäftigte ist die Unterscheidung keine Wortklauberei. In dieser Phase sollen sie Vorschläge machen können, um Entlassungen zu verhindern, zu begrenzen oder ihre Folgen zu mildern.

Eine Obergrenze, kein Beschluss

In der Mitteilung von Sunrise ist von einer «potenziellen Reduktion von bis zu 450 Vollzeitstellen» die Rede. Parallel will das Unternehmen Zulieferverträge überprüfen. Es verspricht, Ressourcen stärker auf Kundenbindung, Netzqualität, Betrieb und schnellere Produktentwicklung zu konzentrieren und mittelfristig erhebliche Kosten zu sparen. Eine konkrete Sparsumme, betroffene Standorte oder eine Aufteilung nach Funktionen nennt es nicht.

Shops, Vertrieb und Kundendienst sollen weitgehend verschont bleiben; Lernende will Sunrise vollständig ausnehmen. «Weitgehend» ist allerdings keine Garantie für jede einzelne Stelle. Auch die Zahl 450 bezeichnet Vollzeitäquivalente, nicht zwingend ebenso viele Personen. Aus dem Plan lässt sich derzeit weder ableiten, wer eine Kündigung erhält, noch wie sich die angekündigte Neuordnung auf den Service für Kundinnen und Kunden auswirken wird.

Die Nachricht hat eine Vorgeschichte: Bereits Anfang 2026 kündigte Sunrise den Abbau von 147 Stellen an, der laut Keystone-SDA im Sommer abgeschlossen wurde. Würde die nun genannte Obergrenze ausgeschöpft, lägen die beiden Runden zusammen bei 597 Stellen. Das ist eine mögliche Summe aus einem abgeschlossenen und einem erst geprüften Schritt – keine Zahl bereits ausgesprochener Kündigungen.

Leerer Besprechungstisch mit unbeschrifteten Unterlagen, Smartphone und Headset in einem symbolischen Büro.
Konsultation und Sozialplan: Noch ist offen, welche Stellen bei Sunrise tatsächlich betroffen wären. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

Worüber die Beschäftigten mitreden können

Sunrise will die Arbeitnehmervertretung und die Gewerkschaft Syndicom im vierten Quartal konsultieren, sobald die gesetzlich verlangten Informationen vorliegen. Das Schweizer Obligationenrecht verpflichtet Arbeitgeber bei einer beabsichtigten Massenentlassung, die Arbeitnehmervertretung zu informieren und ihr Gelegenheit zu geben, Alternativen und Abfederungen vorzuschlagen. Dazu gehören Angaben zu den Gründen, zur Zahl der Betroffenen, zur üblichen Belegschaftsgrösse und zum Zeitraum. Die Konsultation ist damit ein konkreter Verfahrensschritt, aber kein Vetorecht gegen jede spätere Kündigung.

Der Gesamtarbeitsvertrag 2026 geht noch einen Schritt weiter: Beabsichtigt Sunrise innerhalb von 30 Tagen mindestens 30 nicht personenbedingte Kündigungen, sollen die Vertragsparteien frühzeitig über einen Sozialplan verhandeln. Der Vertrag nennt etwa Stellenvermittlung, Umschulung und Abgangsentschädigungen als mögliche Verwendungszwecke von Mitteln; ein Sozialplan 2026 ist bereits als Anhang vereinbart. Welche Leistungen im konkreten Fall greifen und ob zusätzliche Vereinbarungen nötig werden, hängt vom endgültigen Umfang und vom Verfahren ab. Das ist für Betroffene greifbarer als die allgemeine Ankündigung einer Transformation.

Syndicom kritisiert den wiederholten Abbau scharf und verlangt, die Pläne zu stoppen. Sunrise hält dagegen, es müsse seine Kostenbasis und seine Organisation an Markt- und Technologieentwicklungen anpassen. Beide Seiten sprechen über eine einschneidende Veränderung, bewerten deren Notwendigkeit aber verschieden. Ob die Beratung zu einer kleineren Zahl, Versetzungen oder anderen Massnahmen führt, ist offen. Für die Beurteilung fehlen zudem detaillierte Angaben zu den betroffenen Tätigkeiten und zu möglichen Alternativen.

KI ist keine belegte Erklärung für 450 Stellen

Ein früher Medienbericht stellte einen Zusammenhang zwischen künstlicher Intelligenz, Stellenabbau und Dividenden her. Das Unternehmen bestätigt zwar, dass Automatisierung und KI in seinen Überlegungen eine Rolle spielen. Laut einer gegenüber AWP wiedergegebenen Stellungnahme des Sprechers lasse sich aber keine Gleichung «neue Technologien = X reduzierte Stellen» aufstellen. Die veröffentlichte Sunrise-Mitteilung beziffert weder einen KI-Effekt noch führt sie die geplanten Einsparungen auf eine bestimmte Technologie zurück. Auch die Behauptung, die Dividende sei die Ursache des möglichen Abbaus, ist aus den vorliegenden Angaben nicht belegt.

Für die Schweizer Telekombranche ist der Vorgang dennoch mehr als eine Personalzahl: Sunrise ist ein grosser Anbieter in einem Markt, in dem Netzbetrieb, Kundenservice und Investitionen gleichzeitig finanziert werden müssen. Ob eine schlankere Organisation diese Leistungen verbessert oder belastet, lässt sich erst an einem konkreten Umbau und später an seinen Ergebnissen beurteilen. Zunächst entscheidet sich im Konsultationsverfahren, wie viele der angekündigten bis zu 450 Vollzeitstellen tatsächlich entfallen – und welche Alternativen ernsthaft geprüft werden.

Originalquellen

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.