
Trump und Pezeshkian: Ein Treffen ist möglich, aber nicht vereinbart
Die Formulierung von US-Aussenminister Marco Rubio war bewusst offen: Präsident Donald Trump sei zu einem Treffen mit Irans Präsident Masoud Pezeshkian bereit, sagte er am Rand der Uno-Generalversammlung. Aus dieser Bereitschaft ist bislang jedoch keine Verabredung geworden. Weder ein Termin noch ein Ort innerhalb New Yorks oder eine gemeinsame Tagesordnung sind offiziell bestätigt.
Gerade in einer angespannten Lage ist diese Unterscheidung zentral. Eine öffentlich geöffnete Tür kann den Weg zu Gesprächen vorbereiten. Sie kann ebenso dazu dienen, der Gegenseite die Verantwortung zuzuschieben, falls kein Treffen zustande kommt.
Washington sendet ein Signal mit Vorbehalt
Rubios Aussage zeigt, dass die US-Regierung einen direkten Kontakt auf höchster Ebene nicht grundsätzlich ausschliesst. Das ist diplomatisch relevant, weil persönliche Begegnungen zwischen amerikanischen und iranischen Präsidenten selten sind und innenpolitisch auf beiden Seiten erhebliche Widerstände auslösen können.
Trump erklärte zudem, amerikanische Vertreter hätten ein mehrstündiges, aus seiner Sicht gutes Gespräch mit einer iranischen Delegation geführt. Diese Darstellung stammt vom US-Präsidenten; Umfang, Teilnehmerkreis und konkrete Ergebnisse wurden nicht unabhängig im gleichen Detail bestätigt. Sie sollte deshalb als Aussage Washingtons behandelt werden, nicht als Beleg für eine bereits erzielte Verständigung.
Vermittler wollen den Gesprächskanal öffnen
Berichte von Associated Press und Axios verweisen auf Bemühungen von Golfstaaten, direkte Gespräche zu ermöglichen. Für Katar und andere regionale Akteure steht viel auf dem Spiel: Eine weitere Eskalation bedroht Energieinfrastruktur, Schifffahrtswege und die Sicherheit im gesamten Golfraum. Vermittlung ist für sie deshalb nicht nur diplomatisches Prestige, sondern unmittelbares Eigeninteresse.

Ein Präsidententreffen könnte Erwartungen bündeln, wäre aber keine Garantie für Fortschritt. Vor einer Begegnung müssten Unterhändler mindestens klären, worüber gesprochen wird: über eine Waffenruhe, nukleare Fragen, Sanktionen, regionale Angriffe oder Gefangenenaustausch. Fehlt eine solche Vorbereitung, kann ein Gipfel in öffentlich vorgetragenen Maximalforderungen enden.
Die schwierigste Frage ist die Reihenfolge
Washington verlangt überprüfbare Schritte Irans und setzt auf politischen sowie wirtschaftlichen Druck. Teheran fordert seinerseits Sicherheitsgarantien und eine Lockerung von Sanktionen. Beide Seiten können ein Entgegenkommen als Schwäche darstellen. Dadurch entsteht das klassische Problem diplomatischer Sequenzierung: Wer macht den ersten Schritt, und wie wird verhindert, dass die andere Seite ihn nutzt, ohne selbst zu liefern?
Ein belastbarer Prozess bräuchte deshalb kleine, überprüfbare Etappen. Denkbar wären Kommunikationskanäle zur Vermeidung militärischer Zwischenfälle, humanitäre Vereinbarungen oder zeitlich begrenzte Massnahmen, die bei Nichteinhaltung zurückgenommen werden können. Ob solche Vorschläge tatsächlich Teil der aktuellen Kontakte sind, ist öffentlich nicht belegt.
Was die Schweiz betrifft
Für die Schweiz ist eine Deeskalation aus mehreren Gründen relevant. Der Konflikt beeinflusst Energiepreise, Versicherungs- und Transportkosten sowie die Sicherheit von Schweizer Staatsangehörigen und Unternehmen in der Region. Bern verfügt zudem über langjährige diplomatische Erfahrung als Schutzmacht und mit vertraulichen Gesprächskanälen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Schweiz in den gegenwärtigen Kontakten eine operative Rolle spielt; eine solche Rolle müsste bestätigt werden.
Die Nachricht ist daher kleiner und zugleich bedeutender, als sie zunächst klingt. Kleiner, weil kein Treffen vereinbart ist. Bedeutender, weil Washington öffentlich einen direkten Kontakt nicht ausschliesst und regionale Vermittler offenbar daran arbeiten. Ob daraus Diplomatie wird, entscheidet sich nicht am Foto zweier Präsidenten, sondern an einer Agenda, überprüfbaren Zwischenschritten und der Bereitschaft beider Seiten, innenpolitische Risiken zu tragen.



