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USZ: Ein Drittel der Bypass-Operationen minimalinvasiv

Schonende Herzchirurgie am Universitätsspital Zürich

Operation
Bild: César Badilla Miranda / Unsplash

Das Universitätsspital Zürich setzt bei ausgewählten Bypass-Operationen zunehmend auf einen Zugang zwischen den Rippen statt auf die vollständige Öffnung des Brustbeins. Das Verfahren MICS-CABG kann die körperliche Erholung nach dem Eingriff erleichtern. Ob es gegenüber der etablierten Operation durch Brustbeinöffnung langfristig überlegen ist, ist jedoch nicht abschliessend belegt.

Bei einer koronaren Herzkrankheit können verengte Herzkranzgefässe mit Bypässen überbrückt werden. Üblicherweise erfolgt dieser Eingriff über eine mediane Sternotomie: Das Brustbein wird längs geöffnet, damit das Herz und die Gefässe gut erreichbar sind. Beim Verfahren MICS-CABG wird dagegen über einen seitlichen, kleineren Schnitt am Brustkorb operiert. Das Brustbein bleibt dabei intakt.

USZ verweist auf wachsende Erfahrung

Das Universitätsspital Zürich (USZ) schreibt, es habe MICS-CABG als erstes herzchirurgisches Zentrum der Schweiz für die Behandlung von Mehrgefässerkrankungen etabliert. Zudem gibt das Spital an, inzwischen rund einen Drittel seiner isolierten Bypass-Operationen minimalinvasiv durchzuführen, teilweise mit roboterassistierten Arbeitsschritten.

Diese Angaben stammen vom USZ selbst. Eine öffentlich zugängliche, unabhängige schweizweite Erhebung, welche die beanspruchte Pionierrolle oder den Vergleich mit allen anderen Schweizer Herzchirurgiezentren bestätigt, liegt nicht vor. Die Aussage sollte deshalb als Selbstdarstellung des Spitals und nicht als unabhängig belegter Rang verstanden werden.

Auch die Abkürzung verdient Präzisierung: MICS-CABG steht im englischen Fachgebrauch für minimally invasive cardiac surgery coronary artery bypass grafting, also minimalinvasive koronare Bypass-Chirurgie. Sie ist nicht mit allen minimalinvasiven Herzoperationen gleichzusetzen. Je nach Zentrum, Anatomie und Operationsstrategie können sich die technische Umsetzung, die Zahl der Bypässe sowie der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine unterscheiden.

Vorteile sind möglich – aber nicht für alle gleich

Der Verzicht auf die vollständige Durchtrennung des Brustbeins kann für geeignete Patientinnen und Patienten Vorteile haben: Die Wunde am Brustkorb ist kleiner, und die Belastung durch die Heilung des Brustbeins entfällt. Das kann die frühe Mobilisation und die subjektiv wahrgenommene körperliche Erholung begünstigen.

Eine 2026 veröffentlichte randomisierte Studie mit 170 Patientinnen und Patienten mit Mehrgefässerkrankung verglich MICS-CABG mit der konventionellen Sternotomie. Einen Monat nach der Operation berichtete die MICS-CABG-Gruppe im Mittel über eine etwas bessere körperliche Erholung. Innerhalb von zwölf Monaten zeigten sich in dieser Studie keine Hinweise auf einen Sicherheitsnachteil. Die Untersuchung war allerdings vergleichsweise klein, überwiegend mit Männern besetzt und wurde an erfahrenen Zentren durchgeführt. Aussagen über sehr langfristige Resultate oder eine generelle Überlegenheit lassen sich daraus nicht ableiten.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 mit 26 Studien und insgesamt 7556 Fällen kam ebenfalls zum Schluss, dass MICS-CABG bei sorgfältig ausgewählten Personen mit Mehrgefässerkrankung durchführbar erscheint. Zugleich betonen die Autorinnen und Autoren, dass grössere randomisierte Studien mit längerer Nachbeobachtung fehlen. Die bisherige Evidenz beruht zu einem erheblichen Teil auf Beobachtungsstudien aus spezialisierten Zentren.

Eine anspruchsvolle Operation mit Lernkurve

Minimalinvasiv bedeutet nicht automatisch risikoarm oder generell besser. Der Zugang über einen kleinen Schnitt erschwert die Sicht und die Handhabung der Gefässe. Fachpublikationen weisen auf eine ausgeprägte Lernkurve hin; entscheidend sind deshalb Erfahrung des gesamten Teams, geeignete Infrastruktur und eine sorgfältige Auswahl der Fälle.

Auch die europäischen Leitlinien zur Revaskularisation beschreiben minimalinvasive koronare Eingriffe als mögliche Alternative zur Sternotomie, insbesondere in ausgewählten Situationen. Sie verweisen zwar auf Vorteile bei der frühen Lebensqualität und der Aufenthaltsdauer, halten aber auch fest, dass das Spreizen der Rippen Schmerzen verursachen kann. Bei komplexeren Mehrgefässerkrankungen spielt zudem die gemeinsame Beurteilung durch Kardiologie und Herzchirurgie eine wichtige Rolle.

Welche Behandlung im Einzelfall infrage kommt, hängt unter anderem von der Lage und Zahl der Gefässverengungen, der Herzfunktion, Begleiterkrankungen, früheren Eingriffen und der technischen Machbarkeit ab. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Abklärung oder Therapieentscheidung.

Was sich über das USZ sagen lässt

Das USZ zeigt mit seinem hohen Anteil minimalinvasiver Eingriffe, dass es den Zugang systematisch in sein herzchirurgisches Angebot integriert hat. Daraus folgt jedoch weder, dass die Methode für alle Bypass-Patientinnen und -Patienten geeignet ist, noch dass sie der konventionellen Operation bei langfristigen klinischen Ergebnissen allgemein überlegen wäre.

Die sachlichste Einordnung lautet deshalb: MICS-CABG ist eine etablierte, aber technisch anspruchsvolle Option für ausgewählte Fälle. Die jüngste randomisierte Evidenz spricht für Vorteile bei der frühen Erholung in erfahrenen Zentren. Für Aussagen zu langfristiger Überlegenheit, zu allen Patientengruppen oder zur beanspruchten Schweizer Pionierrolle des USZ fehlen öffentlich zugängliche unabhängige Belege.

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