
Zeitumstellung abgeschafft: Welche Lösungen Länder gewählt haben
Brasilien, Mexiko, die Türkei und Russland zeigen: Wer den Wechsel beendet, muss auch die dauerhafte Uhrzeit bestimmen. In der Schweiz wird am 25. Oktober zurückgestellt.
Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren in der Schweiz um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Das bestätigt die aktuelle Mitteilung des Bundes zum Ende der Sommerzeit. Wer über die Landesgrenzen hinausblickt, findet jedoch sehr unterschiedliche Regeln: Brasilien hat den saisonalen Wechsel beendet, die Türkei behält ganzjährig ihre frühere Sommerzeit bei, und Mexiko macht an seiner Nordgrenze Ausnahmen.
Die Beispiele zeigen, weshalb die Forderung nach einer Abschaffung allein noch keine neue Zeitordnung ergibt. Zwei Entscheidungen sind nötig: Soll der Wechsel entfallen? Und welche Uhrzeit gilt danach das ganze Jahr? Für Reisende zählt deshalb der konkrete Ort stärker als eine Liste vermeintlich einheitlicher Länderregeln.
Brasilien: Seit 2019 ohne saisonalen Wechsel
Brasilien hob die Sommerzeit mit einem Dekret vom 25. April 2019 auf. Zuvor hatte sie ohnehin nur in einem Teil des Landes gegolten. Das Energieministerium begründete die Entscheidung damals mit Veränderungen beim Stromverbrauch und mit einer geringeren Bedeutung der Zeitverschiebung für die Entlastung des Stromsystems.
Daraus lässt sich keine weltweit gültige Energiebilanz ableiten. Wie stark eine Zeitregel den Verbrauch beeinflusst, hängt auch davon ab, wann Menschen Licht, Klimaanlagen oder andere Geräte nutzen. Die brasilianische Begründung beschreibt eine nationale Entscheidung unter den damaligen Bedingungen. Sie beweist nicht, dass dieselbe Regel in einem anderen Land denselben Effekt hätte.
Mexiko: Die Grenze bestimmt die Ausnahme
Mexiko beendete den saisonalen Wechsel 2022 für den grössten Teil seines Staatsgebiets. Das Gesetz über die Zeitzonen sieht dort grundsätzlich eine ganzjährig geltende Standardzeit vor. Eine saisonale Zeit bleibt für gesetzlich bezeichnete Gebiete an der Nordgrenze bestehen.
Damit ist die verbreitete Aussage, Mexiko habe die Zeitumstellung vollständig abgeschafft, zu pauschal. Für eine Reise in eine Grenzstadt können andere Regeln gelten als für einen Aufenthalt in Mexiko-Stadt. Das Gesetz unterscheidet ausdrücklich zwischen Standardzeit und saisonaler Grenzregelung. Schon innerhalb eines Landes lässt sich die Frage nach der richtigen Uhrzeit also nicht immer mit einem einzigen Ja oder Nein beantworten.
Wer Termine über mehrere Regionen hinweg vereinbart, sollte deshalb die jeweilige Ortszeit und das Datum zusammen prüfen. Eine Zeitdifferenz, die im Januar stimmt, muss im Juli nicht dieselbe sein. Das gilt besonders dann, wenn nur eine der beiden Regionen die Uhren umstellt.
Türkei und Russland: Zwei verschiedene Wege
Die Türkei beendete den Wechsel 2016 und blieb dauerhaft bei UTC+3. Die zuvor im Sommer verwendete Zeit wurde damit zur ganzjährigen Regel. Wenn die Schweiz im Oktober zurückstellt, vergrössert sich folglich der Zeitabstand zur Türkei: Aus einer Stunde werden zwei.
Russland illustriert eine andere Entwicklung. Dort endete der jährliche Wechsel bereits 2011, zunächst mit einer dauerhaften Sommerzeit. Eine weitere Reform stellte 2014 in weiten Teilen des Landes die Uhren wieder zurück. Der saisonale Wechsel wurde dadurch nicht wieder eingeführt. Abschaffung und spätere Korrektur einer dauerhaften Zeit können also nebeneinanderstehen.
Für die europäische Debatte ist diese Unterscheidung zentral. Weniger Umstellungen bedeuten nicht automatisch, dass alle Beteiligten dieselbe dauerhafte Zeit bevorzugen. Entscheidend bleibt, wie die gewählte Uhrzeit zum Tageslicht und zu den Verbindungen mit Nachbarregionen passt.
Europa: Ein Vorschlag ist noch keine Abschaffung
Die EU-Kommission schlug 2018 vor, die halbjährlichen Umstellungen zu beenden. Das Europäische Parlament unterstützte 2019 eine Abschaffung. Für eine verbindliche Neuregelung braucht es jedoch auch eine Einigung mit dem Rat. Dessen offizielle Übersicht hält fest, dass keine abschliessende Entscheidung und kein verbindlicher Zeitplan vorliegen.
Der damalige politische Vorstoss hat den Wechsel somit nicht abgeschafft. Für die Schweiz gilt in diesem Herbst der konkret angekündigte Termin. Ihre Normalzeit entspricht UTC+1, die Sommerzeit UTC+2. «Winterzeit» ist dafür die geläufige, aber fachlich ungenaue Bezeichnung.
Die praktische Lehre aus den Länderbeispielen ist überschaubar: Eine dauerhafte Zeit kann den lokalen Alltag vereinfachen, beseitigt aber keine internationalen Zeitunterschiede. Wer reist oder grenzüberschreitend arbeitet, braucht aktuelle Ortszeiten. Und wer die Umstellung abschaffen will, muss auch beantworten, welche Zeit danach gelten soll.
Quellen
- Bund: Ende der Sommerzeit am 25. Oktober 2026
- Rat der EU: Stand der Beratungen zur Zeitumstellung
- Brasilianisches Energieministerium: Aufhebung der Sommerzeit 2019
- Mexikanisches Amtsblatt: Gesetz über die Zeitzonen
- Timeanddate: Umstellung der Türkei auf ganzjährig UTC+3
- Timeanddate: Russische Zeitreform von 2014


