
Die digitale Pause wirkt nicht allein durch den Ausschaltknopf
Zwei Versuche zeigen Vorteile einer begrenzten Smartphone-Nutzung. Sie zeigen auch, wie schwierig das Durchhalten ist – und was sich daraus nicht ableiten lässt.
Das Smartphone liegt umgedreht auf dem Tisch. Für einen Nachmittag soll es nicht bestimmen, wann der Blick vom Buch oder vom Gegenüber abwandert. Eine solche digitale Pause klingt einfach. Wissenschaftlich ist die Frage komplizierter: Was genau wird unterbrochen, wie lange dauert die Veränderung – und was tritt an die Stelle der bisherigen Nutzung?
Zwei 2025 veröffentlichte randomisierte Studien liefern dazu interessante Hinweise. Sie sprechen dafür, dass eine begrenzte Smartphone-Nutzung Vorteile haben kann. Zugleich zeigen sie, weshalb aus dem Schlagwort Digital Detox weder ein universelles Gesundheitsversprechen noch eine gesicherte Wirkung eines einzelnen Sonntags folgt.
Zwei Wochen ohne Internet auf dem Telefon
In einer Studie in PNAS Nexus sollten 467 Teilnehmende den Internetzugang ihres Smartphones für zwei Wochen blockieren. Telefonate und SMS blieben möglich, ebenso Internetzugang auf anderen Geräten. Untersucht wurde also nicht der völlige Verzicht auf digitale Kommunikation.
Die Forschenden berichteten Verbesserungen beim subjektiven Wohlbefinden, bei psychischen Gesundheitsmassen und in einem Test anhaltender Aufmerksamkeit. Die randomisierte Zuteilung stärkt die Aussagekraft gegenüber einer blossen Befragung darüber, ob Menschen mit weniger Bildschirmzeit zufriedener sind.
Die Umsetzung erwies sich jedoch als schwierig: 119 Personen, rund ein Viertel der ursprünglichen 467, erfüllten das Kriterium, die Sperre an mindestens zehn der vierzehn Tage einzuhalten. Das macht die Studie nicht bedeutungslos. Es begrenzt aber die Vorstellung, eine solche Veränderung lasse sich von den meisten Menschen problemlos übernehmen. Untersuchte Wirkung und alltagstaugliche Umsetzung sind zwei verschiedene Fragen.

Was nach dem Versuch passiert
Ein zweiter Versuch in BMC Medicine untersuchte eine Begrenzung auf höchstens zwei Stunden Smartphone-Nutzung pro Tag während drei Wochen. Die ausgewertete Stichprobe umfasste 111 gesunde Studierende mit einem Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren. Die Forschenden fanden Verbesserungen bei mehreren erfassten psychischen Gesundheitsindikatoren.
Nach dem Ende der Begrenzung stieg die Nutzung allerdings wieder an. Ab Woche sieben bestand bei der Bildschirmzeit kein Unterschied mehr zwischen den Gruppen. Das Ergebnis verweist auf eine Schwierigkeit, die viele Verhaltensänderungen betrifft: Eine vorübergehende Vorgabe ist noch keine dauerhafte Gewohnheit.
Die Untersuchung war zudem nicht verblindet. Die Teilnehmenden wussten, ob sie ihre Nutzung einschränken sollten. Und eine junge studentische Stichprobe bildet weder die gesamte Schweizer Bevölkerung noch Menschen mit sehr unterschiedlichen beruflichen und familiären Verpflichtungen ab. Die Ergebnisse sind Anhaltspunkte, keine allgemeine Dosierungsanleitung.
Ein Sonntag ist ein anderes Experiment
Wer daraus einen bildschirmfreien Sonntag ableiten möchte, verändert gleich mehrere Bedingungen. Die Pause ist kürzer, vielleicht sind auch Telefonate ausgeschlossen, und möglicherweise fällt berufliche Erreichbarkeit ohnehin weg. Ein positives Ergebnis aus einem mehrwöchigen Versuch lässt sich nicht einfach auf diese andere Situation übertragen.
Trotzdem kann ein bewusst gestalteter Nachmittag einen persönlichen Erkenntniswert haben. Dabei wäre die hilfreiche Frage weniger, ob man eine möglichst niedrige Zahl erreicht hat. Sondern welche Nutzung vermisst wurde, welche Unterbrechungen entfielen und ob die freie Zeit tatsächlich anders verbracht wurde. Das ist Selbstbeobachtung, kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis.
Auch die Alternative zählt. Ein Gespräch, Schlaf, ein Spaziergang oder Arbeit am Laptop sind unterschiedliche Tätigkeiten. Wer nur die Minuten auf einem Gerät misst, erfasst diese Verschiebungen nicht vollständig. Eine Pause kann deshalb sinnvoll geplant sein, ohne dass daraus eine moralische Rangliste guter und schlechter Bildschirmzeit entsteht.
Erreichbarkeit lässt sich gezielter regeln
Für den Alltag ist die Trennung der Funktionen aufschlussreich. Das Smartphone kann Gesprächskanal, Fahrplan, Kamera und endloser Nachrichtenstrom zugleich sein. Eine Person möchte vielleicht Unterbrechungen durch soziale Medien reduzieren, ohne für Angehörige unerreichbar zu werden. Eine andere braucht Navigation, möchte aber nicht nebenbei weiterarbeiten.
Die Studien begründen keinen medizinischen Rat, sämtliche Funktionen abzuschalten. Sie laden vielmehr dazu ein, die konkrete Gewohnheit genauer zu betrachten. Welche Unterbrechung stört? Welche Funktion wird wirklich gebraucht? Und ist die gewählte Grenze so gestaltet, dass sie auch nächste Woche noch praktikabel ist?
Die stärkste Erkenntnis liegt damit nicht in einem Verbot für den Sonntag. Sie liegt in der Möglichkeit, ständige Verfügbarkeit veränderbar zu machen. Ein Ausschaltknopf kann dabei helfen. Was danach mit der Zeit geschieht, gehört ebenso zur Geschichte.



