Neueste Meldungen
Lausanner Universitätsspital CHUV vom Turm der Kathedrale aus gesehen
Das CHUV warnt vor falschen Arztanrufen. Archivaufnahme vom 27. März 2016: Gzzz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; unverändert. Original und Lizenz im Quellenblock.
SchweizRecherche10:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Falsche Spitalärzte verlangen Geld für angebliche Notoperationen

Das CHUV bestätigt Betrugsversuche mit vorgetäuschten medizinischen Notfällen. Eine schweizweite Zunahme dieser Masche ist nicht beziffert.

Betrüger geben sich am Telefon als Spitalärzte aus und verlangen Geld für eine angeblich lebensrettende Operation eines Angehörigen. Das Lausanner Universitätsspital CHUV hat am 14. Oktober vor solchen Anrufen gewarnt. Nach Angaben des Spitals wurden im Kanton Waadt mehrere Fälle gemeldet; ins Visier geraten vor allem ältere Menschen.

Ein am 2. November veröffentlichter Bericht von Medinside schildert zudem den Fall einer 85-jährigen Genferin. Unter Berufung auf die «Tribune de Genève» berichtet das Fachmedium, ein Anrufer habe sich als Chirurg der Genfer Universitätsspitäler ausgegeben und eine sofortige Zahlung für die Behandlung ihrer Tochter gefordert. Ein angeblicher Kurier habe später Bargeld und Schmuck abgeholt. Diese Einzelheiten stammen aus dem Medienbericht, nicht aus einer veröffentlichten polizeilichen Falldokumentation.

Eine Arztrolle soll die Geldforderung glaubwürdig machen

Der vom CHUV bestätigte Ablauf setzt nicht bei einer medizinischen Konsultation an. Ein Fremder ruft an, behauptet eine schwere Erkrankung oder Verletzung in der Familie und stellt die Operation als dringend, kompliziert und teuer dar. Die angerufene Person soll bezahlen, bevor sie die Nachricht überprüft hat.

Damit handelt es sich um eine Variante von Schockanrufen. Die behauptete Notlage und die vorgetäuschte ärztliche Autorität verstärken einander: Wer für sein Kind oder einen anderen nahen Menschen sorgen will, soll eine Geldforderung als Teil der Rettung akzeptieren. Ein bekannter Spitalname allein bestätigt aber weder die Identität des Anrufers noch eine tatsächliche Behandlung.

Die aktuelle Warnung belegt keine Serie von Behandlungen durch Personen ohne anerkannten Abschluss. Ebenso wenig weist sie eine Lücke bei der Prüfung medizinischer Diplome nach. Der behauptete Arztberuf wird hier als Vorwand für einen telefonischen Betrug benutzt. Eine Suche nach dem genannten Arzt ersetzt deshalb nicht die direkte Rückfrage beim Spital oder in der Familie: Auch ein realer Name kann missbraucht werden.

Die Masche ist auch in Zürich bekannt

Bereits im April 2023 veröffentlichte das Universitätsspital Zürich eine Warnung vor Personen, die sich als seine Mitarbeitenden ausgaben. Auch damals behaupteten die Anrufenden, ein naher Verwandter sei schwer krank oder verletzt, und verlangten im Verlauf des Gesprächs Geld für eine Operation oder Behandlung.

Das USZ hielt ausdrücklich fest, es würde niemals telefonisch auf eine Geldüberweisung drängen, um eine lebensnotwendige Behandlung durchzuführen. Die ältere Mitteilung zeigt, dass diese Masche nicht erst im Herbst 2026 entstanden ist. Sie ist allerdings kein Beleg für eine neue Zürcher Fallserie.

Für eine aktuelle schweizweite Zunahme gerade der vorgetäuschten Arztanrufe fehlt in den hier zugänglichen offiziellen Warnungen eine Vergleichszahl. Das CHUV nennt weder eine Gesamtsumme der Schäden noch eine genaue Fallzahl. Aus mehreren Meldungen lässt sich daher keine Wachstumsrate ableiten.

Festnetztelefon mit Hörer und Zifferntasten
Symbolbild eines Festnetztelefons, aufgenommen am 4. April 2025; kein Beweismittel aus einem Betrugsfall. Renhour48 / Wikimedia Commons, CC0 1.0; unverändert.

Die Polizeibilanz erfasst einen grösseren Kreis

Wie erheblich Telefonbetrug insgesamt ist, zeigt eine Mitteilung der Westschweizer Polizeien vom 17. April 2026. Für das erste Quartal meldeten sie 274 vollendete Betrugsfälle und 657 Versuche sowie Schäden von mehr als 2,4 Millionen Franken. Die Täter gaben sich dabei meist als Polizisten, Bankmitarbeitende oder Beschäftigte eines Betrugsbekämpfungsdienstes aus.

Diese Bilanz darf nicht als Zahl falscher Arztanrufe gelesen werden. Sie beschreibt andere Rollen innerhalb eines breiteren Betrugsphänomens. Gemeinsam ist den Fällen, dass Alarm geschlagen und anschliessend Geld, Bankkarten oder Wertsachen verlangt werden. Die Polizei berichtete damals auch von Festnahmen mutmasslicher Kuriere, die Werte bei Betroffenen abholen sollten.

Erst auflegen, dann selbst zurückrufen

Das CHUV rät, bei einem solchen Anruf ruhig zu bleiben und kein Geld auf Grundlage einer ungeprüften telefonischen Forderung zu überweisen. Betroffene sollen auflegen und den angeblich erkrankten Angehörigen oder ein anderes Familienmitglied über eine bereits bekannte Nummer kontaktieren. Eine vom Anrufer diktierte Rückrufnummer eignet sich nicht zur unabhängigen Prüfung.

Auch persönliche Angaben und Bankdaten sollten nicht weitergegeben werden. Für externe Rückfragen, ob ein Angehöriger im CHUV hospitalisiert ist, nennt das Spital seine Telefonzentrale unter 021 314 11 11. Das ist eine überprüfbare Kontaktstelle, keine Aufforderung, dem ursprünglichen Gesprächspartner weitere Informationen zu liefern.

Wer verdächtige Forderungen erhält oder einen angekündigten Geldabholer erwartet, kann sich unter 117 an die Polizei wenden. Die Westschweizer Polizeien empfehlen zudem, diese Masche im Familien- und Bekanntenkreis anzusprechen. Die Rückfrage über eine selbst gewählte, bekannte Verbindung unterbricht genau den Zeitdruck, von dem der Betrug lebt.

Quellen

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.