
Swift soll am 4. November in die Erdatmosphäre eintreten
Die NASA grenzt mögliche Trümmerniedergänge auf einen Gürtel um den Äquator ein. Die Schweiz liegt ausserhalb; Zeitpunkt und genauer Ort sind noch unsicher.
Das Weltraumobservatorium Swift wird voraussichtlich am Mittwoch, 4. November 2026, in die Erdatmosphäre eintreten. Die NASA nennt in ihrer Mitteilung vom 2. November eine Prognose der US Space Force von ungefähr 9.30 Uhr Schweizer Zeit, verbunden mit einer Unsicherheit von elf Stunden. Ein genauer Absturzort steht damit noch nicht fest.
Für die Schweiz enthält die Meldung eine klare geografische Eingrenzung: Nach Angaben der NASA können überlebende Fragmente nur zwischen 20,6 Grad südlicher und 20,6 Grad nördlicher Breite niedergehen. Die Schweiz liegt ausserhalb dieses Gürtels. Das ist keine punktgenaue Vorhersage für andere Länder, grenzt den möglichen Bereich aber bereits deutlich ein.
Einige Bauteile dürften den Eintritt überstehen
Swift wiegt laut NASA ungefähr 3200 Pfund, umgerechnet rund 1,45 Tonnen. Die Behörde erwartet, dass der grösste Teil in der Atmosphäre verglüht. Einzelne Komponenten dürften den Wiedereintritt jedoch überstehen. Wo diese zu Boden kommen könnten, hängt davon ab, wann das Raumfahrzeug die entscheidende Höhe erreicht.
Die NASA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass dabei irgendwo auf der Erde ein Mensch zu Schaden kommt, auf ungefähr eins zu 2100. Diese globale Risikoschätzung ist nicht die Wahrscheinlichkeit für eine einzelne Person. Ebenso wenig ist sie die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt ein Trümmerteil den Boden erreicht. Die Behörde erwartet solche überlebenden Komponenten ausdrücklich.
NASA und Space Force wollen die Bahn weiter beobachten und ihre Prognosen aktualisieren. Die Uhrzeit aus der Montagsmeldung ist daher ein vorläufiger Rechenstand, keine auf die Minute festgelegte Rückkehr.
Die Sonne verändert die Bremswirkung der Atmosphäre
Auch in einer niedrigen Erdumlaufbahn ist der Weltraum nicht völlig luftleer. Die dünnen oberen Atmosphärenschichten bremsen Satelliten und lassen ihre Bahnen absinken. Der US-Weltraumwetterdienst NOAA erklärt, dass aktive Sonnenphasen die Dichte in diesen Höhen erhöhen können. Dadurch steigt die Bremswirkung.
Genau diese Entwicklung beschleunigte nach Angaben der NASA den Höhenverlust von Swift. Ein kommerzieller Versuch, das Observatorium auf eine höhere Bahn zu bringen, endete im August, ohne die Bahnanhebung auszuführen. Danach nahm Swift seine wissenschaftlichen Beobachtungen nochmals auf.
Am 20. Oktober erreichte der Satellit eine Höhe von etwa 275 Kilometern. Er konnte die stärkere Bremswirkung nicht mehr ausreichend ausgleichen und ging in einen Sicherheitsmodus. Das Betriebsteam an der Pennsylvania State University sandte anschliessend den Befehl, der den Betrieb für den bevorstehenden Wiedereintritt beendete.
Warum sich der Zeitpunkt nicht einfach aus der bekannten Flugbahn bestimmen lässt, erläutert die europäische Weltraumorganisation ESA anhand natürlicher Wiedereintritte: Die künftige Dichte der Atmosphäre ist nur begrenzt vorhersehbar. Hinzu kommen die Ausrichtung des Satelliten und die Fläche, die er der dünnen Luft entgegenstellt. Je länger der verbleibende Flug, desto mehr können sich solche Unterschiede auf den Ort der Rückkehr auswirken.

Aus zwei geplanten Jahren wurden fast 22
Swift startete am 20. November 2004. Die ursprüngliche Hauptmission sollte zwei Jahre dauern. Das Observatorium war auf Gammastrahlenausbrüche spezialisiert, extrem energiereiche und oft sehr kurze kosmische Ereignisse. Drei Teleskope ermöglichten Beobachtungen in unterschiedlichen Bereichen des Lichts.
Der besondere Nutzen lag im schnellen Zusammenspiel: Swift erkannte und lokalisierte einen Ausbruch, meldete dessen Position an andere Observatorien und richtete seine eigenen Teleskope auf das verblassende Nachleuchten. Laut NASA dauerte dieser Ablauf typischerweise ungefähr eine Minute. Andere Einrichtungen konnten die Meldung für genauere Folgebeobachtungen nutzen.
Später untersuchte Swift auch Supernovae, aktive Galaxien, Kometen und Asteroiden. Die NASA zählt mehr als 2000 beobachtete Gammastrahlenausbrüche und über 1400 Supernovaexplosionen. Daten des Satelliten hätten zu ungefähr 7000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen beigetragen. Diese Bilanz stammt von der betreibenden Behörde.
Die Messreihen bleiben zugänglich
Mit dem Satelliten verschwindet das wissenschaftliche Archiv nicht. Es enthält nahezu 22 Jahre Helligkeitsmessungen, Spektren und mehr als 1,5 Millionen Aufnahmen des Ultraviolett- und optischen Teleskops. Der öffentlich verfügbare gesamte Datensatz umfasst nach NASA-Angaben etwa zwölf Terabyte.
Für die kommenden Tage steht die Aktualisierung der Wiedereintrittsprognose im Vordergrund. Für die Forschung bleibt dagegen die Aufgabe, die schnelle Reaktion auf kurzlebige kosmische Ereignisse mit anderen Missionen aufzufangen. Swift kann keine neuen Ziele mehr aufnehmen; seine bereits aufgezeichneten Ausbrüche lassen sich weiter untersuchen.
Quellen
- NASA: Wiedereintrittsprognose vom 2. November 2026
- NASA: Ende des Swift-Betriebs, 23. Oktober 2026
- NASA: Missionsbilanz und originale Bildnachweise
- NOAA: Bremswirkung der Atmosphäre auf Satelliten
- ESA: Warum natürliche Wiedereintritte schwer vorherzusagen sind
- Titelbild: NASA Goddard Conceptual Image Lab, Swift-Illustration
- Artikelbild: NASA, Neil Gehrels vor Swift im Reinraum
- NASA: Medienrichtlinien für die redaktionelle Bildnutzung



