
Irans Garantieforderung ist kein neuer Verhandlungsdurchbruch – warum die Schweizer Rolle dennoch wichtig bleibt
Aussenminister Abbas Araghchi knüpft mögliche Gespräche mit den USA an «glaubwürdige Garantien». Das ist eine iranische Position, kein vereinbarter Neustart der Diplomatie.
Irans Aussenminister Abbas Araghchi hat mögliche neue Gespräche mit den USA an «glaubwürdige Garantien» gegen weitere Angriffe geknüpft. Er äusserte sich am 17. Oktober am Treffen der Aussenminister der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Bagdad. Die Formulierung ist politisch bedeutsam, aber sie ist kein neuer Verhandlungsdurchbruch: Weder ein Gesprächstermin noch eine US-Zusage oder ein neues Abkommen sind bestätigt.
Diese Abgrenzung ist wichtig, weil diplomatische Signale rasch als Fortschritt gelesen werden. Araghchi erklärte laut veröffentlichtem Redetext, Iran sei zu einem Dialog auf Grundlage gegenseitigen Respekts bereit. Zugleich machte er die Sicherheitsgarantien zur Bedingung. Was genau darunter fällt – eine schriftliche Zusicherung, internationale Überwachung, politische Erklärungen oder etwas anderes –, sagte er nicht. Ohne diese Präzisierung bleibt die Forderung ein Rahmen, kein verhandlungsreifer Vertragstext.
Ein Angebot aus Teheran, keine gemeinsame Position
In derselben Rede sagte Araghchi, Iran habe über Katar einen Sieben-Tage-Plan zur Wiederherstellung der normalen Schifffahrt durch die Strasse von Hormus übermittelt. Auch das ist zunächst eine iranische Darstellung. Sie belegt weder, dass Washington den Plan akzeptiert hat, noch dass die Route damit wieder uneingeschränkt offen wäre. Über Sicherheit auf See entscheiden mehrere Akteure; eine einseitige Mitteilung kann die Lage nicht allein verändern.
Die Unterschiede zwischen einem politischen Angebot und einer Vereinbarung sind entscheidend. Ein ernsthafter Neustart braucht mindestens einen belastbaren Kommunikationskanal, eine gemeinsame Agenda und eine Antwort der Gegenseite. Zum Zeitpunkt der Recherche lag keine bestätigte US-Reaktion vor, die sich auf eine Annahme der Forderung oder einen konkreten Termin stützt. Daher wäre es irreführend, von «wieder aufgenommenen Gesprächen» zu schreiben.
Warum Garantien so schwer zu fassen sind
In internationalen Konflikten sind Sicherheitsgarantien selten nur ein Satz auf Papier. Sie betreffen die Frage, wer etwas zusagt, wie ein Verstoss festgestellt wird und welche Folgen daran geknüpft sind. Gerade dort liegt ein zentraler Unterschied zwischen einer politischen Erklärung und einem Mechanismus, der von beiden Seiten als glaubwürdig angesehen wird. Die derzeit bekannte iranische Formulierung lässt diese Fragen offen.
Das macht die Forderung nicht bedeutungslos. Sie zeigt, welche Hürde Teheran vor möglichen Gesprächen setzt. Zugleich muss die Aussage ihrem Charakter nach als Position der iranischen Regierung gekennzeichnet bleiben. Aussagen über frühere Angriffe, Verantwortlichkeiten oder frühere Vereinbarungen in derselben Rede sind ebenfalls politische Aussagen der einen Seite, solange sie nicht separat und unabhängig belegt werden.
Die Schweizer Rolle ist institutionell verankert
Die Schweiz vertritt seit 1980 die Interessen der Vereinigten Staaten in Iran. Dieses Schutzmachtmandat ersetzt keine Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Es schafft aber einen etablierten, vertraulichen Kanal in einer Beziehung, in der direkte diplomatische Kontakte eingeschränkt sind. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten beschreibt die Schutzmachtrolle als Dienstleistung, die Kommunikation und den Schutz von Interessen ermöglichen soll.
Auch frühere Bemühungen um ein Memorandum und die in der Schweiz geführten Umsetzungsgespräche zeigen, weshalb die Schweiz für gute Dienste angefragt werden kann. Daraus folgt kein Anspruch, dass Bern die heutige Krise löst. Der Schweizer Mehrwert liegt in einem verlässlichen Rahmen: Gesprächsräume bereitstellen, Kontakte erleichtern und Vereinbarungen technisch begleiten, falls die Konfliktparteien dies wollen.
Was jetzt wirklich als Fortschritt zählen würde
Ein belastbarer Schritt wäre erst dann erreicht, wenn beide Seiten einen Gesprächskanal, eine Agenda oder überprüfbare Regeln öffentlich oder über glaubwürdige Vermittler bestätigten. Bis dahin ist die Forderung nach Garantien ein Signal für Bedingungen, nicht der Beginn eines Friedensprozesses. Für die Schweiz bedeutet das: Ihre Rolle bleibt wichtig, gerade weil sie nicht mit einer eigenen Lösung verwechselt werden darf. Gute Dienste können Fenster öffnen; hindurchgehen müssen die Konfliktparteien selbst.
Keine Abkürzung über Schlagworte
Begriffe wie «Garantien» und «Dialogbereitschaft» können Hoffnung wecken, verdecken aber leicht die offenen Fragen. Für eine sachliche Beurteilung zählt, ob aus ihnen überprüfbare Verpflichtungen werden. Solange das nicht geschieht, ist Zurückhaltung kein Zeichen von Pessimismus, sondern die angemessene Beschreibung des Verhandlungsstands.



