
Iran signalisiert Rückkehr zum Abkommen – unter harten Bedingungen
Teheran bietet neue Gespräche an, verlangt aber ein Ende der Kämpfe, freie iranische Vermögen und das Ende der Seeblockade. Der Juni-Kompromiss ist Referenz und Warnung zugleich.
Iran hat Washington über Katar Bedingungen für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch übermittelt. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, nannte in einem Interview drei Kernforderungen: ein Ende des Kriegs «auf allen Fronten», die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und ein Ende der amerikanischen Seeblockade. Pakistan ist nach iranischen Angaben ebenfalls in die Vermittlung eingebunden.
Das ist ein diplomatisches Signal, aber noch kein Durchbruch. Teheran erklärt seine Bereitschaft zu Gesprächen, verlangt jedoch zentrale Gegenleistungen bereits für eine tragfähige Einigung. Die USA haben darauf öffentlich noch keine Zustimmung gegeben. Zugleich dauern militärische Zwischenfälle und Streit über die Schifffahrt in der Strasse von Hormus an.
Der Juni-Vertrag liefert die Blaupause
Die iranischen Forderungen sind nicht neu. Im Juni hatten die USA und Iran ein Memorandum unterzeichnet, das einen dauerhaften Stopp militärischer Operationen, den schrittweisen Abbau der Seeblockade, Zugang zu eingefrorenen Vermögen und Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen vorsah. Der veröffentlichte Text enthielt zudem gegenseitige Verpflichtungen zur Souveränität und Nichteinmischung.
Die Vereinbarung hielt nicht. Nach erneuten Angriffen erklärte Washington das Memorandum im Juli für beendet; Vermittler versuchten danach, den Prozess zu retten. Beide Seiten beschuldigten einander des Bruchs. Der Rückgriff auf das Dokument ist deshalb doppeldeutig: Er bietet eine bereits ausgehandelte Struktur, erinnert aber zugleich daran, dass Papier ohne Überwachung und Konfliktlösung wenig Schutz bietet.

«Alle Fronten» macht die Verhandlung regional
Die Formulierung vom Ende des Kriegs auf allen Fronten reicht über direkte amerikanisch-iranische Kampfhandlungen hinaus. Das Juni-Memorandum erwähnte ausdrücklich den Libanon. Teheran verbindet seine Sicherheit zudem mit Konflikten, in denen verbündete Gruppen oder regionale Partner beteiligt sind. Damit wächst die Zahl der Akteure, deren Verhalten eine Vereinbarung tragen oder zerstören kann.
Eine umfassende regionale Ruhe wäre wertvoll, aber schwieriger zu kontrollieren als eine bilaterale Waffenruhe. Washington müsste klären, welche Handlungen Israels oder anderer Partner unter die Abmachung fallen. Iran müsste darlegen, welche Verpflichtungen es von verbündeten Gruppen durchsetzen kann. Eine pauschale Formel kann politische Zustimmung erleichtern; für die Umsetzung braucht es messbare Regeln, Fristen und ein Verfahren für behauptete Verstösse.
Hormus bleibt der praktische Test
Die Strasse von Hormus ist für den Welthandel ein Engpass. Ein grosser Teil der global gehandelten Öl- und Flüssiggaslieferungen passiert die Meerenge. 2026 gingen die Durchfahrten zeitweise stark zurück, während Iran und die USA sich gegenseitig Blockaden und Angriffe vorwarfen. Noch am Freitag meldete Iran einen Angriff auf einen Tanker, der die Passage versucht habe; die Darstellung der Vorgänge ist zwischen den Konfliktparteien umstritten.
Für ein neues Abkommen müsste deshalb nicht nur von «offener Schifffahrt» gesprochen werden. Nötig wären überprüfbare Fahrkorridore, klare Inspektionsregeln, Kommunikation zwischen Marineeinheiten und eine unabhängige Erfassung von Zwischenfällen. Ohne solche Mechanismen kann jeder einzelne Tanker erneut zum politischen Auslöser werden.
Bedeutung für die Schweiz
Die Schweiz vertritt als Schutzmacht seit 1980 amerikanische Interessen in Iran und kann konsularische Botschaften zwischen beiden Staaten übermitteln. Die aktuellen Hauptvermittler sind Katar und Pakistan; Bern ist damit nicht automatisch Teil dieser Gesprächsrunde. Dennoch bleibt ein funktionierender Schweizer Kanal wichtig, wenn direkte Kontakte abbrechen oder konsularische Fragen geklärt werden müssen.
Für die Schweizer Wirtschaft sind vor allem Energiepreise, Transportkosten und Sanktionen relevant. Eine Entspannung könnte Risikoprämien im Ölhandel senken; das ist eine mögliche Wirkung, keine Garantie. Banken und Exporteure dürften Beschränkungen erst dann lockerer handhaben, wenn amerikanische und internationale Regeln formell geändert sind. Eine politische Erklärung allein hebt keine Sanktion auf.
Teherans Botschaft lautet: Es gibt einen Weg zurück. Ob er real ist, entscheidet sich an überprüfbaren Schritten – einem belastbaren Waffenstillstand, sicherer Schifffahrt, freigegebenen Mitteln und einem Verfahren, das den nächsten Streit auffängt, bevor er wieder zum Krieg wird.



