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Bundesverwaltung mit vernetzten digitalen Elementen und Schweizer Landschaft im Hintergrund.
JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
Künstliche IntelligenzAnalyse22:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.

KI beim Bund: Sechs Kernmassnahmen sollen mehr als 100 Projekte ordnen

Der Bund führt seine KI-Strategie mit weniger Mitteln weiter. Sechs statt acht Massnahmen sollen über 100 laufende Vorhaben koordinieren – darunter ein internes generatives System für Mitarbeitende.

Die Bundesverwaltung setzt ihre KI-Strategie weiter um, allerdings mit engeren Prioritäten. Der Bundesrat wurde am 18. September über eine neue Roadmap für 2026 bis 2028 informiert: Sechs von ursprünglich acht unterstützenden Massnahmen bleiben bestehen. Für sie stehen laut Bundeskanzlei zwei Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung.

Das klingt nach Verwaltungsdetail, betrifft aber eine zentrale Frage: Wie kann der Bund künstliche Intelligenz nutzen, ohne dass jedes Amt eigene Regeln, Werkzeuge und Risiken verwaltet? Bereits heute laufen laut Bundeskanzlei 116 KI-Projekte in Departementen und Bundeskanzlei.

Von Pollenprognosen bis zu vertraulichen Texten

Die Liste der laufenden Vorhaben zeigt die Spannweite. Dazu zählen KI-gestützte Prognosen für die Pollenbelastung, die Erkennung von Photovoltaikanlagen in Luftbildern und eine Schreibhilfe für vertrauliche Texte. Die Projekte haben unterschiedliche Zwecke und Schutzbedürfnisse. Ein Pollenmodell arbeitet mit anderen Daten und Risiken als eine Anwendung, die Verwaltungstexte verarbeitet.

Genau deshalb will die Bundeskanzlei die Aktivitäten stärker koordinieren. Die Strategie setzt auf vertrauenswürdigen KI-Einsatz, Kompetenzaufbau und Prozessoptimierung. Ob das gelingt, entscheidet sich weniger an der Zahl der Pilotprojekte als an gemeinsamen Standards, nachvollziehbaren Zuständigkeiten und der Frage, welche Daten in welchem System verarbeitet werden dürfen.

Sechs Massnahmen bleiben

Zu den priorisierten Punkten gehört eine bundesweite Erfassung, wo KI Prozesse verbessern könnte. Weitergeführt werden soll auch ein generatives KI-System für Mitarbeitende der Bundesverwaltung. Hinzu kommen Grundlagendokumente für den rechtlichen Rahmen sowie das Kompetenznetzwerk KI, das Wissen und Erfahrungen zwischen den Ämtern bündeln soll.

Der Bund streicht zugleich Teile des ursprünglichen Plans. Ein vorgesehenes KI-Handbuch wird nicht erstellt. Der geplante zentrale KI-Marktplatz, auf dem Ämter Lösungen hätten finden und wiederverwenden können, wird durch den Ausbau der bestehenden Projektdatenbank ersetzt. Das ist keine bloss sprachliche Änderung: Eine Datenbank kann Sichtbarkeit schaffen, ersetzt aber nicht automatisch Beratung, Prüfung und gemeinsame technische Standards.

Weniger Mittel, klarere Reihenfolge

Die Neupriorisierung steht im Zusammenhang mit allgemein verlangsamten Digitalisierungsprojekten des Bundes. Zwei Millionen Franken jährlich reichen nicht, um jede Idee zentral zu begleiten. Die Bundeskanzlei setzt deshalb auf Massnahmen, die mehreren Ämtern gleichzeitig helfen sollen.

Darin liegt ein sinnvoller Gedanke. Viele Behörden stehen bei KI vor ähnlichen Fragen: Welche Rechtsgrundlage gilt? Wie werden Modelle kontrolliert? Wie verhindert man, dass vertrauliche Informationen unzulässig in externe Systeme gelangen? Werden diese Fragen einzeln beantwortet, entstehen Doppelspurigkeiten.

Gleichzeitig darf eine interne Lösung nicht als Abkürzung verstanden werden. Ein generatives System für die Bundesverwaltung braucht klare Nutzungsregeln, technische Schutzmassnahmen und Transparenz darüber, wo seine Grenzen liegen. Die Mitteilung nennt die Richtung, nicht jedoch die konkreten Eigenschaften eines späteren Systems. Aussagen über Funktionsumfang, Datenverarbeitung oder Einführungstermin wären daher verfrüht.

Der Test kommt bis Ende 2028

Die Bundeskanzlei will die Umsetzung laufend veröffentlichen; spätestens Ende 2028 sollen die Massnahmen überprüft werden. Bis dahin ist entscheidend, ob aus den heute verstreuten Projekten wiederverwendbare Erfahrungen entstehen.

Die neue Roadmap ist kein Rückzug des Bundes aus der KI. Sie ist eine Konzentration unter finanziellen Vorgaben. Ihr Erfolg wird nicht an der Zahl von 116 Projekten zu messen sein, sondern daran, ob Behörden KI rechtssicher, nachvollziehbar und dort einsetzen, wo sie tatsächlich einen besseren öffentlichen Dienst ermöglicht.

Was für die Kontrolle noch offen bleibt

Die Roadmap beschreibt Strukturen und Prioritäten, nennt aber noch keine einheitlichen Kriterien, nach denen Nutzen und Risiken der einzelnen Projekte verglichen werden. Für eine belastbare Kontrolle braucht es mehr als eine Liste laufender Vorhaben: Erkennbar sein sollte, welches Problem eine Anwendung löst, wer für sie verantwortlich ist und wie Fehler oder unerwünschte Folgen gemessen werden. Besonders bei Systemen, die verwaltungsinterne oder vertrauliche Texte verarbeiten, sind nachvollziehbare Grenzen entscheidend. Die angekündigte laufende Veröffentlichung der Umsetzung kann dafür eine Grundlage schaffen. Ob sie genügt, hängt davon ab, wie konkret der Bund Fortschritte, Abbrüche und gewonnene Erkenntnisse dokumentiert. Ohne diese Angaben lässt sich die Wirksamkeit der neuen Priorisierung noch nicht abschliessend beurteilen.

Quellen

Fachpersonen analysieren digitale Verwaltungsprojekte auf grossen Monitoren.
Digitale Projektsteuerung als Symbol für den koordinierten Einsatz von KI beim Bund. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

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