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Symbolbild: Ein Team bespricht in einem Büro einen digitalen Arbeitsablauf.
JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
Künstliche IntelligenzRecherche09:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

KI ersetzt in der Schweiz nicht einfach Jobs – sie verändert Aufgaben

Die Arbeitswelt verändert sich schnell. Die aktuellen Schweizer Daten sprechen aber gegen die einfache Erzählung vom flächendeckenden Jobabbau.

Die falsche Frage lautet: Welcher Beruf verschwindet?

Künstliche Intelligenz wird die Schweizer Arbeitswelt verändern. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass sie Arbeitsplätze im gleichen Mass ersetzt. Wer nur nach Berufen fragt, übersieht den entscheidenden Punkt: Technologien greifen meist zuerst in einzelne Aufgaben ein. Sie beschleunigen Recherche, Entwürfe, Übersetzungen, Dokumentation oder Planung. Ob daraus weniger Stellen, andere Stellen oder produktivere Teams entstehen, hängt von Branche, Nachfrage, Regulierung und betrieblicher Organisation ab.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten zeichnen jedenfalls kein Bild eines allgemeinen Einbruchs. Nach Angaben des Bundes stieg die Beschäftigung ohne Landwirtschaft im zweiten Quartal 2026 innert Jahresfrist um 2,0 Prozent auf 5,698 Millionen Beschäftigte. Gleichzeitig nahmen die offenen Stellen zu. Auch der Bundesrat verweist in seinem Bericht zum Arbeitskräftemangel darauf, dass die demografische Entwicklung und der strukturelle Wandel den Bedarf an Personal in vielen Bereichen hoch halten.

KI ist in den Betrieben angekommen – aber nicht überall gleich

Die Verbreitung ist real, jedoch uneinheitlich. Eine vom SECO veröffentlichte Erhebung zu Arbeitsbedingungen weist für 2024 aus: Elf Prozent der Schweizer Betriebe nutzten Maschinen, Systeme oder Computer mit KI zur Ausführung von Arbeitsaufgaben. Das ist mehr als im Durchschnitt der EU-27, sagt aber wenig darüber aus, wie tief die Technik in die Abläufe eingreift. Ein Textassistent im Büro, ein Planungssystem in der Logistik und eine Qualitätskontrolle in der Industrie verändern Tätigkeiten auf unterschiedliche Weise.

Besonders gut automatisierbar sind wiederkehrende, regelbasierte und datenintensive Teilaufgaben. Gleichzeitig bleibt die Arbeit dort anspruchsvoll, wo Verantwortung, Beziehung, situatives Urteil oder körperliche Präsenz wichtig sind: in Pflege, Bildung, Handwerk, Führung oder Beratung. Auch in Büroberufen verschiebt sich die Tätigkeit eher, als dass sie vollständig verschwindet. Wer Ergebnisse von KI-Systemen prüft, einordnet und verantwortet, übernimmt Aufgaben, die sich nicht auf eine Trefferquote reduzieren lassen.

Produktivität ist keine Verteilungsfrage

Höhere Produktivität kann Unternehmen erlauben, trotz Personalmangel zu wachsen oder Dienstleistungen günstiger anzubieten. Sie kann aber auch den Druck erhöhen, wenn Zeitgewinne ausschliesslich in Leistungsverdichtung übersetzt werden. Die Technologie entscheidet diese Frage nicht selbst. Massgeblich sind betriebliche Regeln, Mitwirkung, Datenschutz, Arbeitszeit und die Frage, ob Beschäftigte weitergebildet werden.

Das SECO hält fest, dass die Auswirkungen neuer Technologien auf Gesundheit und Sicherheit noch nicht ausreichend erforscht sind. Diese Unsicherheit verdient Aufmerksamkeit. KI kann monotone Arbeit mindern; sie kann aber auch Kontrolle, Taktung und die Erwartung ständiger Verfügbarkeit verstärken. Eine nüchterne Debatte muss deshalb neben der Zahl der Stellen auch Arbeitsqualität und Machtverteilung betrachten.

Der Übergang entscheidet über die Verteilung

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist die Umstellung konkret: Wer neue Werkzeuge anwenden, Ergebnisse kritisch prüfen und Fachwissen mit digitalen Fähigkeiten verbinden kann, gewinnt Handlungsspielraum. Wer keinen Zugang zu Schulung oder Zeit zum Lernen erhält, trägt das grössere Risiko. Unternehmen und Sozialpartner können diesen Unterschied beeinflussen – etwa durch transparente Einsatzregeln, Weiterbildung während der Arbeitszeit und eine frühe Einbindung der Teams. Auch öffentliche Arbeitsvermittlung und Berufsbildung stehen vor der Aufgabe, nicht erst nach einem Stellenverlust zu reagieren.

Was die Schweiz jetzt beeinflussen kann

Die Schweiz bringt günstige Voraussetzungen mit: hohe Erwerbsbeteiligung, ein starkes Berufsbildungssystem und Unternehmen mit Erfahrung im Strukturwandel. Daraus entsteht jedoch kein Automatismus. Weiterbildung muss auch für Teilzeitbeschäftigte, ältere Erwerbstätige und kleinere Betriebe erreichbar sein. Ebenso wichtig sind klare Verantwortlichkeiten, wenn KI bei Personalentscheiden, Leistungsbewertungen oder sicherheitsrelevanten Abläufen eingesetzt wird.

Die belastbarste Aussage lautet deshalb nicht «KI nimmt uns die Arbeit weg». Sie lautet: KI verschiebt Aufgaben und kann bestehende Ungleichheiten verstärken oder entschärfen. Ob die Schweiz daraus mehr Wohlstand und gute Arbeit gewinnt, entscheidet sich weniger an der Software als an den Regeln, Qualifikationen und Investitionen rund um ihren Einsatz.

Schreibtisch mit Laptop in Grautönen, aufgeräumter Arbeitsplatz
Bildschirmarbeit als Beispiel für sich verschiebende Aufgabenprofile. · Bild: Pexels / Pixabay

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