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WirtschaftRecherche17:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Konsumentenpreise im Herbst 2026: Was den LIK treibt

Der Warenkorb entscheidet: Mieten, Strom und importierte Güter – und die offene Frage, wo BFS-Messung, SECO-Prognose und SNB-Einschätzung auseinanderlaufen.

Illustration zur Schweizer Teuerung und zum Landesindex der Konsumentenpreise
Bild: openAi

Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamts für Statistik (BFS) ist die Referenzgrösse, wenn in der Schweiz von Teuerung die Rede ist. Er bildet die Preisentwicklung eines festen Warenkorbs ab und wird monatlich publiziert. Die September-Zahlen erscheinen turnusgemäss anfangs Oktober. Publikationstermin, Jahresteuerung und Monatsveränderung müssen der Medienmitteilung und dem Publikationskalender des BFS entnommen werden. Für diesen Entwurf liegen keine geprüften Werte vor, deshalb nennt er keine – eine geschätzte Zahl wäre schlechter als eine offene Lücke.

Der Warenkorb gibt das Gewicht vor

Wer verstehen will, was die Teuerung treibt, muss hinter die Schlagzeile schauen. Der LIK kennt keine einzelne Inflationsrate, sondern ein Gewichtungsschema: Jede Gütergruppe trägt entsprechend ihrem Anteil an den Haushaltsausgaben zum Gesamtergebnis bei. Gewichte und Basissjahr des Warenkorbs werden periodisch revidiert. Ohne die aktuelle Methodikdokumentation lässt sich deshalb nicht beziffern, wie viele Zehntelprozentpunkte eine einzelne Position zum Monats- oder Jahresergebnis beisteuert. Das gilt auch für die beiden Positionen, die in der öffentlichen Debatte am häufigsten genannt werden: Mieten und Strom.

Die Wohnungsmieten gelten als eine der gewichtigsten Positionen im Warenkorb. Nach der BFS-Methodik werden sie nicht aus Neuabschlüssen abgeleitet, sondern aus dem bestehenden Mietbestand. Diese Konstruktion hat Folgen: Sie dämpft Ausschläge und bildet Marktbewegungen mit Verzögerung ab. Wie stark der Mietbeitrag im Berichtsmonat tatsächlich ausfiel, steht nur in den Detaildaten des BFS. Auch Datum und Wert der jüngsten Referenzzinssatz-Publikation sind gesondert zu prüfen; der Referenzzinssatz ist die Grösse, an der sich Anpassungen bestehender Mietverhältnisse orientieren.

Stromtarife entstehen ausserhalb des BFS

Stromzähler mit Display zur Messung des Verbrauchs
Der Zähler macht die Tarifänderung sichtbar. · Bild: ds_30 / Pixabay

Anders als bei den Mieten liegt die Strompreiserhebung nicht beim BFS. Tarifdaten werden im Zusammenspiel von Bundesamt für Energie (BFE) und der Elektrizitätskommission (ElCom) erhoben und kommuniziert. Ob die Tarife auf den 1. Januar 2027 steigen, sinken oder unverändert bleiben, lässt sich ausschliesslich über diese Primärquellen belegen – nicht über Medienberichte und nicht über Schätzungen. Im Warenkorb schlägt sich der Strompreis zudem nur mit dem Gewicht nieder, das ihm die aktuelle Methodik zuweist; auch dieses Gewicht ist zu prüfen, bevor ein Beitrag zum Gesamtindex behauptet wird.

Importierte Güter sind die dritte Grösse, die den Index bewegt. Ihr Indexbeitrag hängt an Wechselkursen, Weltmarktpreisen und Lieferketten und folgt damit einer anderen Logik als Mieten und Stromtarife. Ob diese Positionen im Berichtsmonat treibend oder dämpfend wirkten, lässt sich nur aus den nach Herkunft gegliederten Detailreihen des BFS ablesen. Eine Richtung vorab anzunehmen, wäre eine Setzung und keine Messung. Genau hier trennt sich die belastbare Analyse von der plausiblen Erzählung.

Messung und Prognose strikt trennen

Das BFS weist vergangene Teuerung aus. SECO und SNB arbeiten mit Prognosen, also mit Annahmen über die Zukunft. Beide Grössen zu vergleichen, ist nur zulässig, wenn Messperiode, Prognosehorizont und Abgrenzung offengelegt werden. Konkrete Prognosewerte für den Berichtszeitraum und die Definition der Vergleichsperiode sind den Medienmitteilungen von SECO und SNB zu entnehmen; im vorliegenden Material fehlen sie. Ebenso ungeprüft ist die methodische Kritik am LIK, etwa an der Erfassung von Miet- und Gesundheitskosten: Ohne benannte Urheber, nachvollziehbare Argumente und allfällige Gegenpositionen bleibt sie eine Behauptung und gehört nicht in einen Tatsachenartikel.

Die nächste überprüfbare Etappe ist deshalb unspektakulär: die Originalmitteilung des BFS zu den September-Zahlen, danach die Tarifpublikationen von BFE und ElCom und schliesslich die Prognosekommentare von SECO und SNB. Erst auf dieser Grundlage lässt sich sagen, welche Positionen den Index bewegt haben und wo Messung und Prognose auseinanderlaufen. Wer bis dahin eine Zahl braucht, muss sie in diesen Quellen nachschlagen – nicht in einer Zusammenfassung, die sie nicht belegen kann.

Quellen

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