
Deutschland probt Dürrekrise mit bis zu 45 Grad
Bei LÜKEX 26 testen Behörden und Versorger ihre Zusammenarbeit. Im fiktiven Szenario geraten Krankenhäuser, Wasserversorgung und Lieferketten gleichzeitig unter Druck.
Deutschland testet seit Mittwoch, 4. November 2026, wie seine Krisenstäbe auf eine lang anhaltende Dürre und anschliessende Extremhitze reagieren. Bei der Übung LÜKEX 26 arbeiten Bund, zehn Länder, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen zusammen. Fast 100 Organisationen üben aktiv mit; insgesamt sind nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, rund 180 beteiligt. Begleitende Organisationen nutzen das Vorbereitungs- und Beobachtungsprogramm, ohne die gesamte Übung und deren gemeinsame Auswertung aktiv mitzumachen.
Die Lage ist erfunden: Nach fünf trockenen Jahren trifft eine Hitzewelle mit bis zu 45 Grad auf bereits belastete Versorgungsstrukturen. Die Beteiligten sollen entscheiden, wie sie Bevölkerung und Infrastruktur schützen. Es handelt sich nicht um eine Wetterprognose für die laufende Woche.
Die Krise landet auf den Schreibtischen der Entscheidungsträger
LÜKEX steht für eine länder- und ressortübergreifende Krisenmanagementübung. Anders als bei einer Einsatzübung trainieren hier nicht vor allem Rettungskräfte an einem angenommenen Unfallort. Geprüft wird die strategische Ebene: Informationen müssen zusammengeführt, Zuständigkeiten geklärt und Entscheidungen zwischen Behörden abgestimmt werden.
Niedersachsen beschreibt den Übungsfall als gleichzeitige Belastung von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Wasserversorgung, Landwirtschaft und Verkehrswegen. Fünf Landesministerien arbeiten unmittelbar mit. Ihr Auftrag besteht unter anderem darin, unter Zeitdruck Prioritäten zu setzen und die Bevölkerung verlässlich zu informieren.
Das ist für eine solche Lage wesentlich: Ein einzelnes Ressort kann nicht allein über Gesundheitsschutz, Wasserverteilung und unterbrochene Lieferketten entscheiden. Die Übung setzt deshalb dort an, wo fachlich getrennte Informationen zu einem gemeinsamen Lagebild werden müssen. Ob die vorgesehenen Informationswege funktionieren, soll sich während der simulierten Krise zeigen.

Hamburg plant mit Einschränkungen im Hafen
Wie konkret die Annahmen werden, zeigt Hamburg. Die Stadt beteiligt sich laut ihrer Innenbehörde mit rund 200 Beschäftigten aus zwölf Behörden und Ämtern. Im Szenario fallen wichtige Verkehrsadern aus, der Hafen wird erheblich eingeschränkt, Lieferketten reissen. Lebensmittel und Trinkwasser werden im Planspiel knapp.
Hinzu kommen kursierende Desinformationen, die Ängste in der Bevölkerung schüren sollen. Die Kommunikation wird damit nicht nur an der Frage gemessen, wie schnell eine Warnung verbreitet wird. Sie muss auch unter widersprüchlichen Informationen ein nachvollziehbares Bild der Lage vermitteln.
Zu den Beteiligten gehören Hamburg Wasser und die Hamburg Port Authority sowie Polizei und Feuerwehr. Die Federführung liegt beim neu eingerichteten Krisenstab der Innenbehörde. Im Zentrum steht deren Lage-Raum am Johanniswall. Die genannten Hafeneinschränkungen und Engpässe sind Übungsannahmen, keine Meldung über einen gegenwärtigen Ausfall in Hamburg.
Hessen spielt Entscheidungen bis zur Leitungsebene durch
In Hessen wirken alle Ministerien, das Landeskommando sowie ausgewählte Behörden und Infrastrukturbetreiber mit. Nach Angaben des Innenministeriums führt Staatssekretärin Isabelle Hemsley den Vorsitz im Landeskrisenstab. Die Leitungsebene berät politische Entscheidungen und stimmt sich mit dem Bund ab. Anschliessend werden die Beschlüsse in die Krisenmanagementstrukturen des Landes zurückgegeben.
Damit erprobt das Land nicht nur die Sammlung von Informationen, sondern auch den Weg vom Lagebild zur verbindlichen Entscheidung. Hemsley betont in der Mitteilung, dass Fehler in der Übung ausdrücklich erwünscht seien. Sie sollen Schwächen der Abläufe sichtbar machen, bevor dieselben Strukturen in einem tatsächlichen Notfall gebraucht werden.
Ergebnisse folgen erst 2027
Die Vorbereitungen begannen bereits 2024. Ende 2025 fanden nach Angaben des BBK rund 30 vorbereitende Übungen einzelner Organisationen statt. Das Szenario wurde unter Beteiligung mehrerer Bundesministerien, des Deutschen Wetterdienstes und der Bundesanstalt für Gewässerkunde entwickelt. Ausgangspunkt war unter anderem die Risikoanalyse des BBK zur Dürre.
Die beiden Kernübungstage sind der 4. und 5. November. Am 6. November schliesst eine Sitzung von Bund und Ländern auf Leitungsebene an. Die Behörden prüfen dabei ihre Zusammenarbeit, nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit einer bestimmten Temperaturfolge. Aus dem Planspiel lässt sich deshalb auch kein Nachweis ableiten, Deutschland könne eine reale fünfjährige Dürre bereits bewältigen.
Das BBK kündigt einen ersten Bericht mit zentralen Erkenntnissen und Handlungsempfehlungen für das erste Quartal 2027 an. Der ausführliche Auswertungsbericht soll im dritten Quartal folgen.
Quellen
- BBK: Start der LÜKEX 26 und angekündigte Auswertung, 2. November 2026
- BBK: Szenario, Vorbereitung und Beteiligte der LÜKEX 26
- Niedersachsen: Fünf Dürrejahre und strategisches Krisenmanagement, 3. November 2026
- Hamburger Innenbehörde: Teilnehmer und konkrete Übungslagen, 4. November 2026
- Hessisches Innenministerium: Landeskrisenstab und Übungsablauf, 3. November 2026
- Titelbild: ThoBel-0043, Aufgerissene Erde, Wikimedia Commons
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- Artikelbild: Raimond Spekking, Hamburger Containerterminal, Wikimedia Commons
- Artikelbild-Lizenz: Creative Commons BY-SA 4.0



