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Unmarkiertes Passagierflugzeug im Flug – Symbolbild zur geplanten Lufthansa-Beteiligung an TAP
JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
WirtschaftRecherche17:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Lufthansa erhält TAP-Zuschlag – gekauft ist die Airline noch nicht

Portugal wählt den deutschen Konzern für einen Minderheitsanteil

Die Schlagzeile klingt nach einer vollendeten Übernahme: Lufthansa steigt bei TAP Air Portugal ein. Präzise betrachtet ist der Fall noch einen Schritt früher. Am 14. Oktober hat die portugiesische Regierung Lufthansa im Privatisierungsverfahren ausgewählt. Der Konzern soll zunächst einen Minderheitsanteil erwerben. Jetzt folgen die Ausarbeitung und Unterzeichnung der Transaktionsdokumente sowie die Genehmigungen der zuständigen Behörden.

Für Leserinnen und Leser ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein Zuschlag ist ein politischer und wirtschaftlicher Entscheid für eine Offerte. Eigentumsrechte gehen erst mit dem Vollzug der Transaktion über. Lufthansa selbst schreibt, sie arbeite mit dem portugiesischen Staat und dessen Beteiligungsgesellschaft Parpública an den Vertragsunterlagen; der Abschluss bleibe von den Freigaben der zuständigen Behörden abhängig. Aussagen, TAP sei bereits «gekauft», wären daher zu weitgehend.

Was die erste Privatisierungsphase umfasst

Die Zahlen erklären, weshalb der Entscheid hohe Aufmerksamkeit erhält. Portugal will 44,9 Prozent des Kapitals an Lufthansa verkaufen. Sollte der für die Beschäftigten reservierte Anteil von bis zu fünf Prozent nicht vollständig genutzt werden, kann sich der Lufthansa-Anteil auf bis zu 49,9 Prozent erhöhen. Der Staat bleibt in dieser ersten Phase mit 50,1 Prozent Mehrheitsaktionär. Laut portugiesischer Regierung entspricht der Erlös für den gesamten Anteil von bis zu 49,9 Prozent 1,201 Milliarden Euro. Lufthansa beziffert ihr Angebot für die 44,9 Prozent auf 1,025 Milliarden Euro und nennt für bis zu 49,9 Prozent bis zu 1,2 Milliarden Euro; dazu kommen nach Unternehmensangaben die zunächst Mitarbeitenden angebotenen Aktien und eine zeitabhängige Zusatzkomponente.

Portugal begründet die Wahl damit, dass die Lufthansa-Offerte finanziell höher und mit weniger Unsicherheit verbunden gewesen sei als jene von Air France-KLM. Die Regierung knüpft die Transaktion zugleich an strategische Zusagen: Marke, Sitz und Lissabonner Hub von TAP sollen in Portugal bleiben; die Verbindung zu den Inselregionen und zu portugiesischsprachigen Märkten soll gesichert werden. Lufthansa wiederum beschreibt TAP als langjährige Partnerin in der Star Alliance und Lissabon als wichtigen Hub für Verbindungen über den Südatlantik.

Das sind Absichten und Vertragsziele, keine bereits umgesetzten Folgen. Die portugiesische Regierung stellt einen Flottenausbau und stärkere Verbindungen nach Lateinamerika in Aussicht. Lufthansa verweist auf ihre industrielle Präsenz in Portugal und auf geplante Beschäftigungseffekte. Ob, wann und in welcher Form diese Vorhaben realisiert werden, hängt vom Vertragsabschluss, den Bedingungen der Behörden und der späteren Unternehmensführung ab.

Was Reisende daraus ableiten können

Für Reisende folgt daraus vorerst vor allem eines: Es gibt keinen angekündigten Soforteffekt. Weder hat TAP eine Änderung ihres Flugplans veröffentlicht noch Lufthansa konkrete Ticketpreise, Kabinenprodukte oder Umsteigeangebote als Folge des Einstiegs festgelegt. Wer einen TAP-Flug gebucht hat oder eine Reise plant, sollte sich deshalb an den aktuell publizierten Tarif- und Beförderungsbedingungen der Airline orientieren – nicht an Erwartungen über einen künftigen Konzernverbund.

Trotzdem ist der Schritt strategisch relevant. Lufthansa würde nach dem Vollzug neben SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways eine weitere nationale Netzwerk-Airline in ihren Konzern einbinden. TAP bringt insbesondere ein dichtes Netz zwischen Europa, Brasilien, weiteren lateinamerikanischen Zielen und Afrika mit. Gerade deshalb werden die zuständigen Wettbewerbsbehörden die Transaktion prüfen. Ein Minderheitsanteil mit operativer Einflussnahme ist nicht automatisch wettbewerblich unbedenklich; das Ergebnis eines Prüfverfahrens kann nicht vorweggenommen werden.

Eine zweite Privatisierungsphase ist möglich, aber nicht beschlossen. Portugal erklärt, beide Bieter hätten auch Vorschläge für einen späteren Erwerb einer Mehrheit eingereicht. Für Lufthansa wäre das mit einer weiteren Zahlung und einem möglichen Aktientausch verbunden; der Staat könnte dabei nach Regierungsdarstellung einen Anteil an einer gemeinsamen Einheit erhalten. Dies ist jedoch ein Szenario für ein separates Verfahren, nicht Bestandteil der jetzt ausgewählten ersten Phase.

Der nüchterne Befund lautet daher: Lufthansa hat das Rennen um einen TAP-Minderheitsanteil gewonnen. Der Deal ist politisch ausgewählt, vertraglich und regulatorisch aber noch nicht abgeschlossen. Für die Branche ist das ein grosser Schritt; für Passagiere entsteht daraus heute noch keine konkrete Änderung.

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