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Antennenanlage auf einem Militärfahrzeug – Symbolbild für elektronische Kriegführung und das elektromagnetische Spektrum
JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild
SchweizRecherche09:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Schweiz tritt europäischem Knifefish-Programm bei

Der Bundesrat schafft einen Kooperationsrahmen für elektronische Angriffsfähigkeiten – konkrete Projekte bleiben jeweils einzeln zu entscheiden.

Elektronische Kriegführung klingt technisch, betrifft aber einen Bereich, der für moderne Armeen zentral geworden ist: das elektromagnetische Spektrum. Dazu zählen etwa Funkverbindungen, Radarsignale und andere elektronische Aussendungen. Wer diese Signale erkennen, auswerten, schützen oder stören kann, gewinnt Informationen und kann die eigenen Mittel besser gegen gegnerische Einwirkungen absichern.

Am 14. Oktober hat der Bundesrat deshalb die Teilnahme der Schweiz am Memorandum of Understanding, kurz MoU, «Knifefish» genehmigt. Das MoU ist kein Kaufvertrag für ein bestimmtes System. Es ist vielmehr ein Rahmen für die Zusammenarbeit im Bereich elektromagnetischer Kampffähigkeiten für den elektronischen Angriff. Die Niederlande führen das Programm; Deutschland und Dänemark beteiligen sich bereits, Schweden beabsichtigt den Beitritt über eine Änderungsvereinbarung.

Für die Schweizer Armee steht die Modernisierung der Mittel für elektronische Kriegführung im Vordergrund. Laut Bundesrat geht es um Systeme, die elektromagnetische Signale erfassen, beeinflussen oder stören können. Das Ziel ist damit breiter als bloss ein einzelnes Gerät: Es geht um die Fähigkeit, im Einsatz die eigene Nutzung des elektromagnetischen Spektrums zu schützen und gegnerische Nutzung zu erschweren.

Was elektronischer Angriff bedeutet

Die elektronische Kriegführung gliedert sich gemäss der Bundesmitteilung in drei Bereiche. Der elektronische Angriff erschwert gegnerischen Kräften die Nutzung des elektromagnetischen Spektrums. Der elektronische Schutz soll die eigenen Systeme vor Störungen bewahren. Die elektronische Unterstützung dient dazu, Signale zu erfassen und auszuwerten. In der Praxis können diese Bereiche zusammenwirken: Zuerst werden Signale erkannt und analysiert, dann werden eigene Systeme geschützt oder gegnerische Aussendungen gezielt beeinträchtigt.

Knifefish konzentriert sich auf den Bereich des elektronischen Angriffs. Damit ist nicht automatisch eine unmittelbare Einsatzentscheidung verbunden. Die nun genehmigte Vereinbarung organisiert vor allem die mögliche Kooperation bei Beschaffung und Austausch. Welche Vorhaben die Schweiz tatsächlich verfolgt, bleibt offen: Sie kann laut Bundesrat bei jedem einzelnen Projekt neu entscheiden, ob sie sich beteiligt.

Warum gemeinsame Beschaffung attraktiv ist

Bei hochtechnischen militärischen Systemen ist Zusammenarbeit nicht nur eine politische Frage. Gemeinsame Beschaffungen können Material und Daten besser aufeinander abstimmen. Testgeräte und Ersatzteile lassen sich unter Umständen gemeinsam nutzen. Das verbessert die Inter­operabilität – also die Fähigkeit verschiedener Partner, technisch und logistisch zusammenzuwirken. Der Bundesrat nennt zudem Skaleneffekte und potenziell günstigere Einkaufspreise als Vorteile.

Der Knifefish-Beitritt knüpft an das Programm Sawfish an, dem die Schweiz im November 2025 beitrat. Sawfish betrifft taktische Systeme der elektronischen Kriegführung. Zusammen zeigen die beiden Schritte, dass Bern die europäische Rüstungskooperation in diesem Feld ausbauen will. Dies entspricht der rüstungspolitischen Strategie des Bundesrates von 2025, die eine gezielte Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten und weiteren europäischen Partnern vorsieht.

Neutralität und Entscheidungsspielraum

Der Bundesrat hält fest, dass die Neutralität durch das MoU gewährleistet bleibt. Wichtig ist dabei der eingebaute Ausstieg: Sollte eines der Programmmitglieder in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden, kann die Schweiz die Zusammenarbeit jederzeit verlassen. Auch die projektweise Entscheidung schützt den Handlungsspielraum von Regierung und Parlament bei späteren Beschaffungsschritten.

Damit ist der Beschluss vor allem ein strategischer Öffnungsschritt. Er erleichtert der Schweiz den Zugang zu einem europäischen Kooperationsnetz für elektronische Angriffsfähigkeiten. Über konkrete Systeme, Budgets oder Beschaffungsverträge sagt die Mitteilung hingegen nichts aus. Diese Fragen würden bei einer allfälligen Beteiligung an einzelnen Knifefish-Projekten separat anstehen.

Was später transparent werden muss

Der Kooperationsrahmen beantwortet einige Beschaffungsfragen noch nicht. Aus der Bundesratsmitteilung gehen weder der Umfang einzelner Vorhaben noch mögliche Kosten, Zeitpläne oder konkrete Anbieter hervor. Das ist kein Mangel des MoU, sondern Folge seines Charakters als Rahmenvereinbarung. Gerade deshalb wird es entscheidend sein, spätere Projekte nachvollziehbar zu begründen: Welches Fähigkeitsdefizit soll geschlossen werden, wie wird der Schutz der eigenen Systeme getestet und welche rechtlichen Grenzen gelten bei Ausbildung und Einsatz?

Auch der Nutzen gemeinsamer Beschaffung hängt von der tatsächlichen Ausgestaltung ab. Gleichartige Schnittstellen oder gemeinsame Ersatzteile können Vorteile bringen; sie ersetzen jedoch keine nationale Kontrolle über Budgets, Beschaffungsentscheide und Einsatzgrundsätze. Das MoU schafft die Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Ob daraus für die Schweiz ein konkreter Sicherheitsgewinn entsteht, muss jedes einzelne Projekt belegen.

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