
Micasa schliesst vier Filialen und wechselt die Besitzer
Noch 2025 plante die Führung ohne Filialschliessungen. Nun fallen vier Standorte weg und neue Investoren übernehmen. Was der Umbau für Beschäftigte und Kunden bedeutet.
Im März 2025 plante die künftige Micasa-Führung noch ohne Filialschliessungen. Gut ein Jahr nach dem Start als eigenständiges Unternehmen sieht die Lage anders aus: Vier Läden sollen verschwinden, eine Schweizer Investorengruppe übernimmt alle Aktien. Die beiden Manager, die den Möbelhändler aus der Migros herausgelöst haben, bleiben an der Spitze. Damit ändert sich die Eigentümerschaft, während dieselbe Führung den nächsten Umbau bewältigen muss.
Vier Filialen schliessen – nicht alle Ende Jahr
Zuerst trifft es Crissier im Kanton Waadt: Der Standort schliesst Ende 2026. Langendorf im Kanton Solothurn, Brügg im Kanton Bern und Buchs im Aargau folgen Ende Januar 2027. Das Unternehmen hat die Termine gegenüber der Nachrichtenagentur AWP bestätigt. Zuvor berichtete Inside Paradeplatz über die Schliessungen.
Gemessen an den aktuell genannten 30 Filialen betrifft der Abbau rund 13 Prozent des Netzes. In Buchs fällt mit dem Laden im Wynecenter auch eine Anlaufstelle für Beratung und die kostenlose Abholung von Onlinebestellungen weg. Diese Dienstleistungen führt Micasa auf der Filialseite auf. Für die Kundschaft ist der Einschnitt also konkreter als eine Veränderung im Aktionariat: Ein bisheriger Weg zum Einkauf oder zur Abholung entfällt.
Was aus dem Aufbruch von 2025 geworden ist
Der Rückblick zeigt, wie deutlich sich die Planung verändert hat. Im Interview auf der Migros-Unternehmensseite vom 19. März 2025 sagte Manuel Landolt: «Wir übernehmen 30 Filialen und planen derzeit keine Schliessungen.» Der damalige Plan war keine Garantie für den dauerhaften Erhalt jedes Ladens. Doch die heutigen Schliessungen markieren eine Abkehr davon.
Die Migros hatte den Verkauf an das Management am 25. Februar 2025 bekanntgegeben. Unterstützt wurden Philipp Agustoni und Manuel Landolt von Rethink. Die Betriebsübernahme war auf den 1. September angesetzt; alle Mitarbeitenden und Lernenden der übernommenen Filialen sollten weiterbeschäftigt werden.
Zum damaligen Besitzerkonsortium zählten laut Agustoni auch die deutsche Familie Brandstetter-Finger und die österreichische Familie Wiest. Landolt beschrieb den Geschäftsplan als auf fünf Jahre angelegt. Für die Eigenständigkeit mussten die Manager unter anderem IT, Logistik, Finanzabteilung und Personalwesen neu aufbauen.
Agustoni wollte grosse Möbelhäuser, kleinere Läden und den Onlinehandel verbinden. Stoffmuster anschauen und Sofas ausprobieren: Darin sah er weiterhin einen Grund für physische Geschäfte. Diese Kombination muss nun mit weniger Standorten funktionieren. Vier Schliessungen bedeuten allerdings noch keine Abkehr vom gesamten Ladenkonzept.
Frisches Kapital, offene Finanzfragen
Die neue Schweizer Investorengruppe übernimmt laut Micasas Antwort an AWP 100 Prozent der Aktien. CEO Philipp Agustoni und COO Manuel Landolt bleiben operativ verantwortlich. Die neuen Eigentümer sollen zusätzliches Kapital sowie Erfahrung in Logistik, Digitalisierung und Technologie einbringen. Ihre Namen nennt das Unternehmen in der veröffentlichten Antwort nicht.
Wie viel Geld zufliesst, bleibt ebenfalls offen. Micasa begründet die Standortentscheide mit der wirtschaftlichen Situation und veränderten Marktbedingungen. Die veröffentlichten Antworten enthalten aber weder Ergebnisse der einzelnen Filialen noch eine bezifferte Finanzierungslücke. Weshalb gerade diese vier Läden schliessen, lässt sich damit nicht nachvollziehen.
Inside Paradeplatz bewertet den früheren Management-Buyout als gescheitert. Belegt sind der angekündigte Eigentümerwechsel und die Verkleinerung des Filialnetzes. Ob das frühere Modell wirtschaftlich nicht tragfähig war oder die neuen Investoren eine andere Strategie verfolgen, lässt sich ohne entsprechende Geschäftszahlen nicht entscheiden.
Für die Beschäftigten fehlt die entscheidende Zahl
Micasa prüft nach eigenen Angaben Anschlusslösungen für die betroffenen Mitarbeitenden. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sind und wie viele Beschäftigte andernorts weiterarbeiten können, geht aus den veröffentlichten Antworten nicht hervor. Die Zusage von 2025 zur Weiterbeschäftigung beim Betriebsübergang beantwortet diese heutigen Fragen nicht.

Kundinnen und Kunden nennt Micasa hingegen bereits Anlaufstellen: Bei Problemen mit einem Kauf aus einer geschlossenen Filiale helfen laut den Unternehmens-FAQ die nächstgelegene offene Filiale und der Kundendienst. Dort hält Micasa auch fest, dass Garantien für Käufe vor dem Betriebsübergang bestehen bleiben und von der Micasa AG gewährleistet werden. Diese Auskunft stammt aus dem Übergang von 2025.
Der nächste Prüfstein ist damit greifbar. Frisches Kapital kann Micasa Spielraum verschaffen. Für die Beschäftigten wird sich der Wert der Neuaufstellung daran zeigen, ob aus geprüften Anschlusslösungen tatsächlich Arbeitsplätze werden. Für die Kundschaft daran, ob Beratung und Service auch mit einem kleineren Filialnetz verlässlich erreichbar bleiben.
Quellen
AWP/SDA: Unternehmensantwort zu Eigentümerwechsel und Schliessungen, 2. Oktober 2026, publiziert bei Watson. Die aktuellen Angaben stammen aus der dort wiedergegebenen Micasa-Antwort; eine eigene öffentliche Mitteilung war im Micasa-Presseportal nicht auffindbar.
Inside Paradeplatz: Ausgangsbericht vom 2. Oktober 2026.
Micasa: Filiale Buchs AG im Wynecenter.
Migros: Medienmitteilung zum Management-Buyout, 25. Februar 2025.
Migros: Interview mit Philipp Agustoni und Manuel Landolt, 19. März 2025.
Micasa: FAQ zu Service, Garantien und geschlossenen Filialen.


