
Cyberangriff auf PK Softech: Auch Daten aus Systemtests betroffen
Die Stadtzürcher Pensionskasse hat Daten für einen künftigen Systemwechsel übermittelt. Publica und die Berner Pensionskasse klären weiterhin ab, welche ihrer Versichertendaten abgeflossen sind.
Der Cyberangriff auf PK Softech zeigt, wie weit ein Datenrisiko schon vor dem Start einer neuen Software reichen kann. Die Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) hatte dem Anbieter Personendaten für Tests übermittelt. In ihren aktuellen Fragen und Antworten spricht sie von entwendeten Daten auch von Versicherten und Rentenbeziehenden der PKZH. Welche Angaben und Personen konkret betroffen sind, ist laut ihrem Update vom 20. Oktober 2026 noch nicht abschliessend geklärt.
Damit stehen zwei Fragen nebeneinander: Aus der Infrastruktur des Lieferanten sind Daten abgeflossen. Daraus folgt aber nicht, dass sämtliche Dossiers aller angeschlossenen oder künftigen Kunden gestohlen wurden. Gerade diese Unterscheidung ist für die Einordnung der wachsenden Zahl erwähnter Pensionskassen entscheidend.
Angegriffen wurde der Lieferant
PK Softech teilte mit, Unbekannte hätten sich Ende September mithilfe von Schadsoftware Zugang zu einem Teil ihrer IT-Infrastruktur verschafft. Das Unternehmen habe die betroffene Umgebung vom Netz getrennt, externe Spezialisten beigezogen und Strafanzeige erstattet. Seit dem 2. Oktober stehe es seinen Kunden wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Art und Umfang des Datenabflusses würden untersucht.
Der Bund bestätigte am 8. Oktober einen Datenabfluss beim externen Softwarelieferanten von Publica. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Die Mitteilung benennt jedoch weder eine abschliessende Zahl betroffener Personen noch sämtliche entwendeten Datenbestände. Ein wiederhergestellter Betrieb beantwortet diese Fragen nicht.
Warum Testdaten keine Nebensache sind
Die PKZH nutzt gegenwärtig ein anderes Verwaltungssystem. Der Wechsel zu PK Softech ist für Anfang 2027 vorgesehen. Die übermittelten Daten sollten helfen zu prüfen, ob der künftige Bestand vollständig und korrekt übernommen wird.
Die Kasse begründet den Test mit der nötigen realitätsgetreuen Abbildung der Vorsorgeverhältnisse und verweist auf vertragliche Datenschutz- und Geheimhaltungsvorkehrungen. Ob der Lieferant seine Schutzpflichten eingehalten hat, werde untersucht. Der Vorfall allein erlaubt darüber noch kein Urteil. Er macht aber sichtbar, dass auch Datenkopien ausserhalb des laufenden Kassensystems schutzbedürftig sind. Der Blick allein auf den produktiven Betrieb greift deshalb zu kurz.
Mehr als 100'000 mögliche Betroffene sind keine Fallzählung
Publica betreut nach eigenen Angaben rund 70'000 versicherte Personen und rund 42'000 Rentenbeziehende. Diese Bestandszahlen verdeutlichen die mögliche Reichweite. Sie sind keine Zahl nachgewiesener Datendiebstähle. In ihrer Aktualisierung vom 20. Oktober hält Publica fest, dass weiterhin untersucht werde, ob und von wem tatsächlich Daten abgeflossen seien. Hinweise auf eine Veröffentlichung im Darkweb lägen nicht vor. Eine fehlende Veröffentlichung bedeutet nicht, dass kein Diebstahl stattgefunden hat.
Jüngere Medienberichte gehen weiter: Watson berichtete am 20. Oktober unter Berufung auf Recherchen des «Tages-Anzeigers», betroffen seien möglicherweise persönliche Daten praktisch aller Bundesangestellten. Die Daten befänden sich demnach bei der Erpressergruppe Akira. Publica-Sprecherin Beatrice Rychen erklärte gegenüber Watson, die Kasse könne den dargestellten Umfang derzeit nicht bestätigen. Die weitergehenden Angaben sind damit als Medienbericht einzuordnen, nicht als öffentlich bestätigte Gesamtbilanz.
Auch die Bernische Pensionskasse (BPK) meldete am 20. Oktober, ihre konkrete Betroffenheit sei unklar. Sie hatte am Vortag zusätzlich Strafanzeige eingereicht. Bereits am 15. Oktober hatte die BPK eine Korrektur früherer Lieferanteninformationen mitgeteilt: Laut PK Softech müsse nun von abgeflossenen Personendaten ausgegangen werden; welche Kunden betroffen seien, könne der Anbieter nicht angeben.
Zum Dienstleister Libera berichtete die NZZ am 17. Oktober unter Berufung auf dessen Chef Benno Ambrosini, PK Softech habe Libera am 14. Oktober über abgeflossene Personendaten informiert. Eine Betroffenheit bestimmter von Libera verwalteter Kassen oder einzelner Versicherter lasse sich weder bestätigen noch ausschliessen. Auch daraus lässt sich keine belastbare Gesamtzahl ableiten.
Persönliche Angaben können einen Betrug glaubwürdig machen
Publica nennt unter den möglicherweise betroffenen Angaben Namen, AHV-Nummern, Lohn- und Vorsorgedaten, Partnerangaben sowie IBAN. Zugleich erklärt die Kasse, ihre Systeme zur Verwaltung der Guthaben und Auszahlung der Renten seien nicht betroffen; die Renten würden normal ausbezahlt. Sichere Rentenzahlungen und ein Risiko für persönliche Daten schliessen sich somit nicht aus.
Das Bundesamt für Cybersicherheit beschreibt, wie Betrüger Vertrauen und Zeitdruck nutzen, um an Zugangsdaten oder Geld zu gelangen. Wer persönliche Einzelheiten kennt, ist deshalb noch kein verlässlicher Absender. Publica empfiehlt, bei unerwarteten Anrufen im Zweifel aufzulegen und die Organisation selbst über ihre offiziellen Kontaktangaben zu erreichen. Passwörter oder Sicherheitscodes gehören nicht in solche Gespräche.
Für Versicherte bleibt wichtig, die Mitteilungen der eigenen Kasse zu verfolgen und ungewöhnliche Kontaktversuche zu überprüfen. Für die Kassen reicht die Entwarnung beim Zahlungsbetrieb nicht: Sie müssen klären, welche Datenkopien beim Lieferanten lagen und welche Personen tatsächlich betroffen sind. Erst diese Ergebnisse machen aus einer möglichen Reichweite eine belastbare Bilanz.
Quellen
- PK Softech: Mitteilung zum Cyberangriff
- Bund: Datenabfluss beim Softwarelieferanten von Publica, 8. Oktober 2026
- Pensionskasse Stadt Zürich: Information und aktuelle Fragen zum Cyberangriff, Stand 20. Oktober 2026
- Publica: Informationen und Fragen zum Cyberangriff, Stand 20. Oktober 2026
- Bernische Pensionskasse: Informationsupdates zum Cybervorfall, zuletzt 20. Oktober 2026
- Publica: Bestandszahlen der versicherten und rentenbeziehenden Personen
- Bundesamt für Cybersicherheit: Täuschungsversuche und Social Engineering erkennen
- Watson: Bericht über Akira und Stellungnahme von Publica, aktualisiert am 21. Oktober 2026
- NZZ: Weitere möglicherweise betroffene Pensionskassen und Stellungnahme von Libera, 17. Oktober 2026



