
CCC-Warnung: Worauf Schweizer Pensionskassen bei Privatkrediten achten müssen
Ein Kreditmanager warnt vor Ausfällen schwacher Schuldner. Entscheidend sind aber die einzelnen Anlagen, ihre Bewertung und die Verfügbarkeit von Geld – nicht ein pauschales Etikett.
Für besonders schwache Schuldner werde die Anschlussfinanzierung zunehmend schwierig: Mit dieser Warnung meldet sich der Kreditmanager Bruce Richards am 26. Oktober 2026 bei Bloomberg zu Wort. Der Chef von CVC Marathon sieht für einen Teil der riskantesten Kreditnehmer kaum einen anderen Ausweg als einen Zahlungsausfall. Das ist die Einschätzung eines Marktteilnehmers, keine amtliche Prognose für Schweizer Vorsorgegelder.
Die Warnung verdient dennoch Aufmerksamkeit. Schweizer Pensionskassen investieren über verschiedene Anlageklassen auch in Forderungen. Wer daraus unmittelbar eine Krise der zweiten Säule ableitet, überspringt jedoch entscheidende Fragen: Welche Schuldner stehen hinter den Anlagen, wie sind die Kredite besichert und wie viel Geld bleibt langfristig gebunden?
CCC und Private Credit bezeichnen Verschiedenes
Die Ratingstufe CCC bedeutet nach der Definition von S&P Global, dass die Erfüllung finanzieller Verpflichtungen stark von günstigen geschäftlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen abhängt. Ein solches Rating ist ein deutliches Warnsignal. Es ist aber nicht identisch mit einem bereits eingetretenen Zahlungsausfall.
Private Credit beschreibt dagegen eine Finanzierungsform: Kredite werden ausserhalb des öffentlich gehandelten Anleihemarkts privat ausgehandelt, häufig über spezialisierte Fonds. Eine Analyse der US-Notenbank vom August 2026 zeigt Überschneidungen mit dem Markt für sogenannte Leveraged Loans, also Kredite an stärker verschuldete Unternehmen. Beide Märkte bedienen häufig Schuldner unterhalb der als solide geltenden Investment-Grade-Kategorie.
Trotzdem sind die Begriffe nicht austauschbar. Nicht jeder private Kredit hat CCC-Qualität; umgekehrt können auch öffentlich gehandelte Schuldtitel diese Bonitätsstufe tragen. Für einen Schweizer Anleger zählt deshalb das konkrete Portfolio und nicht allein die Bezeichnung auf dem Fondsprospekt.
Was die Schweizer Zahlen tatsächlich zeigen
Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge weist in ihrem Bericht für 2025 alternative Anlagen mit 6,9 Prozent der Gesamt-Anlagestrategie aus. Darin sind unter anderem Private Equity, Hedgefonds und alternative Forderungen enthalten. Auf die alternativen Forderungen entfallen 1,2 Prozent. Diese Kategorien sind keine Aufschlüsselung nach CCC-Ratings.
Es wäre deshalb falsch, sämtliche alternativen Anlagen als gefährdete Privatkredite zu zählen. Ebenso wenig ergibt sich aus der Tabelle eine bestimmte Schweizer Verlustsumme. Es handelt sich zudem um ausgewiesene Strategieanteile für 2025, nicht um eine tagesaktuelle Messung aller Kreditpositionen im Oktober 2026.

Drei Wege, auf denen Verluste entstehen können
Das erste Risiko liegt beim Schuldner. Muss ein Unternehmen einen alten Kredit durch einen teureren neuen ersetzen, kann seine Zinslast steigen. Gelingt die Refinanzierung nicht, drohen Restrukturierung oder Ausfall. Ob Gläubiger Geld zurückerhalten, hängt unter anderem von Sicherheiten und ihrem Rang gegenüber anderen Gläubigern ab.
Das zweite Risiko betrifft die Bewertung. Nicht täglich gehandelte Anlagen werden häufig anhand von Modellen bewertet. Schon ein OAK-Fachbeitrag von 2023 erklärt, weshalb solche Werte weniger stark schwanken können als Börsenkurse. Die ruhigere Kurve beweist jedoch nicht, dass das wirtschaftliche Risiko kleiner ist. Eine spätere Neubewertung kann Verluste sichtbar machen.
Drittens kann Liquidität knapp werden. Lang laufende Kredite lassen sich nicht beliebig rasch verkaufen. Besonders sorgfältig zu prüfen sind deshalb Fonds, die Anlegern regelmässige Rückgaben ermöglichen. Die Federal Reserve berichtete im Mai 2026 über erhöhte Rückgabewünsche bei bestimmten US-Kreditfonds. Viele begrenzten Auszahlungen auf fünf Prozent des Fondsvermögens pro Quartal. Das schützt vor überstürzten Verkäufen, schränkt aber den Zugriff der Anleger ein.
Die Notenbank sah zugleich Liquiditätspuffer: Bei den untersuchten grossen US-Fonds reichten verfügbare Bankkredite und Kassenbestände rechnerisch für mindestens drei Quartale begrenzter Netto-Rückgaben. Das spricht gegen eine pauschale Diagnose unmittelbarer Zahlungsnot. Es ist allerdings eine Momentaufnahme vom Mai und keine Entwarnung für jeden Fonds.
Nicht jede Anpassung ist bereits ein Zusammenbruch
Moody’s betont in einer Analyse vom September, dass die Risiken ungleich verteilt sind. Zu beobachten seien unter anderem Zinsen, die nicht bar bezahlt, sondern der Schuld zugeschlagen werden, sowie zusätzliche Verschuldung auf Fondsebene. Solche Konstruktionen verlangen eine genaue Prüfung; sie sind nicht für sich allein der Beweis eines Ausfalls.
Für Schweizer Vorsorgeeinrichtungen folgt daraus eine konkrete Aufgabe: Bonitätsverschlechterungen, Bewertungsmethoden, Rückgaberegeln und verfügbare Liquidität gemeinsam prüfen. Für Versicherte ist eine pauschale Verlustprognose dagegen wenig hilfreich. Eine ernsthafte Einschätzung beginnt bei den tatsächlichen Positionen und der finanziellen Tragfähigkeit der eigenen Kasse – nicht bei der zugespitzten Warnung eines einzelnen Managers.
Quellen
- Federal Reserve: Vergleich von Private Credit und Leveraged Loans, 11. August 2026
- OAK BV: Bericht zur finanziellen Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2025, insbesondere Seite 33
- Federal Reserve: Finanzstabilitätsbericht Mai 2026, Finanzierungsrisiken
- S&P Global Ratings: Bedeutung der Ratingstufen
- Moody’s: Vier Risikosignale im Private-Credit-Markt, 25. September 2026
- Soziale Sicherheit CHSS / OAK BV: Verändertes Anlagerisiko der Vorsorgeeinrichtungen
- Bloomberg: Warnung von Bruce Richards, 26. Oktober 2026
- Titelbild: SISHION / Wikimedia Commons
- Titelbild-Lizenz: CC BY-SA 3.0
- Artikelbild: Ron Dicker / Wikimedia Commons
- Artikelbild-Lizenz: CC BY-SA 4.0



